D-01796 Unterwegs im Elbsandsteingebirge

Vom Lichtenhainer Wasserfall zum Felsentor Kuhstall

Vor dem mittelhessischen Regen entflohen ist unsere kleine Wandergruppe am Dienstag, 2. November 2021. Für mich war es bereits die neunte Tour in Richtung Elbsandsteingebirge und zum achten Mal befand sich der Ausgangspunkt auf tschechischer Seite. Nicht nur, weil dort die Unterkünfte wesentlich preisgünstiger sind, sondern auch, weil das weltweit geschätzte böhmische Bier nicht mehr als 60 Kronen (etwa 1,50 Euro) für 0,5 Liter kostet. Natürlich aber sollten auch die sächsischen Gastronomen nicht leer ausgehen, denn auch diese litten unter dem Lockdown-Einbruch und so manchen Wetterkapriolen.

Zum Lichtenhainer Wasserfalls

Ziel der Reise war die Grenzstadt Hrensko (Herrenskretschen), die man über die A5, dann über die A 4 und zuletzt ab Dresdner Tor über die A 17 und die B 271 nach fast genau 500 Kilometern erreicht. Zuvor aber stand am Anreisetag bereits eine Wanderung in der Sächsischen Schweiz auf dem Plan. Bad Schandau war der Startpunkt.

Hier wollten wir mit der berühmten Kirnitzschtalbahn zum Lichtenhainer Wasserfall hinauffahren. Da die Bahn, die seit 1898 in Betrieb ist, jedoch zum Saisonwechsel am 31.10. nur noch im Stundentakt abfuhr, beschlossen wir nach einem Bummel durch den Kurpark, mit dem Auto zu jenem Touristenmagneten hinauf zu fahren.

Vor dem Wasserfall bekommen wir auf einer Infotafel folgende Erklärung (O-Text): „Anziehend auf Touristen wirkt er nicht erst seit 1853, als hier das erste steinerne Wirtshaus im Schweizer Stil entstand. Von hier aus gelangten Ausflügler weiter – in Tragsesseln, getragen von Muskelkraft, wandernd oder gar auf Eseln – zum Beispiel zum Kuhstall oder sogar bis zum großen Winterberg. Für den Effekt des Wasserfalls, gespeist vom Lichtenhainer Dorfbach, sorgt seit 1830 eine aufziehbare Stauvorrichtung.“ (Zitat Ende)

Aufstieg zum Kuhstall

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto vor dem Wasserfall und einem sächsischen Startbier machten wir uns an die erste wandersportliche Aufgabe unserer Tour: Den Aufstieg zum Kuhstall, dem zweitgrößten Felsentor (nach dem Prebischtor) im Elbsandsteingebirge. Der Name Kuhstall stammt Prospekten zufolge aus dem 30-jährigen Krieg, als die Bauern am Elbufer vor plünderten Soldaten mit ihrem Vieh unter den mächtigen Sandsteinfelsen Zuflucht suchten.

Den Wegweisern zufolge sollte man den Aufstieg in 30 bis 45 Minuten geschafft haben. Wir haben uns jedoch mit Rücksicht auf so manche gesundheitliche Beeinträchtigung deutlich mehr Zeit gelassen. Mal über Felsen, mal über Wurzeln und schließlich auch über Treppen und Treppensteige ging es kräftig aufwärts. Viele Arbeiter waren im Wald im Einsatz, um die Schäden vom letzten Unwetter zu beseitigen.

Auf halber Strecke staunten wir über eine riesige Ansammlung von Stein-Männchen. Schließlich war der Weg Teil des Fernwanderweges E 3 (Atlantik – Schwarzes Meer) und des beliebten Malerweges. Nach einigen Verschnaufpausen war bald der Gipfel erreicht. Wirklich, ein imposanter Anblick.

Weniger erfreulich war der Zettel am Eingang des Gasthauses auf dem Gipfel: Bis 19. November 2021 geschlossen. Vermutlich eine Folge von Wegsperrungen nach den vorausgegangenen Stürmen und Starkregenfällen.

Auf einer Infotafel erfahren wir, dass das Felsentor elf Meter hoch und 17 Meter breit ist. Einer der ersten Künstler, der sich von der Kuhstallhöhle inspirieren ließ, war 1766 Adrian Zingg. Dadurch entwickelte sich das mächtige Massiv schon früh zu einer Hauptattraktion auf der damals noch „Fremdenweg“ genannten Wanderroute.

Über die Himmelsleiter

Wir erfahren weiter, dass bereits seit 1824 ein Berggasthaus am Kuhstall existiert. Damals waren es zahlungskräftige Besucher, die sich von Maultieren oder kräftigen Sesselträgern hier hinauf bringen ließen. Was für ein Kraftakt.

Da das Berggasthaus nun aber geschlossen war, machten wir uns auf eine kleine Erkundungsrunde und entdeckten bald die „Himmelsleiter“.

Ich selbst stand bereits das dritte Mal vor diesem langen, schmalen und steilen Treppenaufstieg in einem Felsspalt. Zuvor war der Aufstieg stets wegen Glatteis gesperrt. Und dieses Mal nutzten wir die Gelegenheit und erreichten nach kurzer Anstrengung einen Aussichtspunkt, den wir lange nicht vergessen werden.

Bedauerlicherweise hatte meine Kamera wohl von der hohen Luftfeuchtigkeit Schaden genommen. Daher die leider unscharfen Bilder. Der Blick fällt auf den Wildensteiner Wald mit den auffälligen „Affensteinen“.

Wir wir auf einer Tafel erfahren haben, hat der Name dieses Felsmassivs nichts mit Affen zu tun, sondern eher mit dem Uhu, den man früher „Auf“ nannte. Die Himmelsleiter ist übrigens nur in einer Richtung begehbar. Für Gegenverkehr wäre kein Platz.

Nationalpark Sächsische Schweiz

Viel spannender als der Aufstieg in der dunklen Felsspalte war der Abstieg über Stege, Treppen und Leitern. Auch hier hatte man noch tolle Ausblicke auf das beeindruckende Gebirge, dass diesseits und jenseits der Grenze zu Tschechien als Landschafts- und Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

„Natur Natur sein lassen“ heißt die Devise im Nationalpark Sächsische Schweiz. Bäume dürfen alt werden, absterben und zusammenbrechen. Pilze, Insekten und Mikroorganismen zersetzen das Holz und schaffen so die Grundlage für neues Leben.

Natürlich aber birgt der „Naturwald von morgen“ auch Gefahren, auf die auf vielen Tafeln hingewiesen wird. Absterbende und tote Bäume werden nur bei akuter Gefahr beseitigt. Daher muss immer mit umstürzenden Bäumen und herabfallenden Ästen gerechnet werden.

Auch Felsstürze und Steinschläge gehören in einer Erosionslandschaft zum Naturgeschehen. Somit erfolgt das Wandern in dieser herrlichen Region immer auf eigene Gefahr, der Freistaat Sachsen haftet nicht. Natürlich gilt im Nationalpark ein Wegegebot, das heißt, nur gekennzeichnete Wege dürfen in den Kernzonen betreten werden. Und auch hier gibt es große Unterschiede. Die Wanderwege sind in der Regel mit farbigen Balken markiert. Die grünen oder schwarzen nach rechts ausgerichteten Dreiecke markieren schwierige Bergpfade oder Klettersteige. Besonders wird auch auf den Wanderwegen auf die Gefahren bei Glätte hingewiesen. Die Verhaltensregeln dienen nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern natürlich auch dem Naturschutz und der Erhaltung einer einzigartigen Kulturlandschaft in Europa.

Dieser Betrag wird in Kürze fortgesetzt unter dem Titel „Auf dem Flößersteig“. Dieser ist gleichzeitig Teil der Fernwanderweges E3 und ein abschnittsweise auch Teil des Malerweges.

Infos: Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V.

Bahnhofstraße 21, 01796 Pirna

Tel. 03501-470 147, e-Mail: info@sächsische-schweiz.de

 

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