D-35423 Kulturhistorischer Weg R 2 in Muschenheim

Kleine Runde für die Historiker (4,1 km)

Ein tolles Angebot halten die örtlichen Naturschützer des Licher Stadtteils Muschenheim für Wanderer bereit. Vier kleine Rundwege über 4 bis 5 Kilometer und eine große Runde über 10 Kilometer können vom Rathausplatz, dem Dorfmittelpunkt, gestartet werden. Dabei kommen Naturfreunde, Kulturinteressierte und sportlich ambitionierte Wanderer ebenso auf ihre Kosten wie Familien auf Entdeckungstour.

Alles zu diesen Kulturhistorischen Wegen findet Ihr unter folgendem Link:

Kulturhistorischer Wanderweg – Naturschutzverein Muschenheim (natur-muschenheim.de)

Wir haben uns am Samstag, 31. Juli 2021, auf den Rundweg Nr. 2 begeben, um zu testen, ob diese Runde auch vollständig für die Seniorenstrecke bei der nächsten EVG-Wanderung geeignet wäre. Der nur 4,1 Kilometer lange Rundkurs soll besonders für die Historiker geeignet sein. Der R 2 verläuft anfangs bis zur Streckenteilung gleichauf mit der großen Runde (R1).

Soviel sei vorweg genommen: Wenn Ihr Euch alle Infotafeln auf der Wegstrecke durchlesen möchtet, dann plant für diese Tour rund 2,5 Stunden ein. Die Runde ist lückenlos im oder gegen den Uhrzeigersinn begehbar und weist mit der „Alten Klostermühle“ im Kloster Arnsburg eine Einkehrmöglichkeit der gehobenen Kategorie auf. In den warmen Monaten ist der große Biergarten sehr beliebt bei den zahlreichen Kloster-Besuchern.

Wir erwandern die Strecke gegen den Uhrzeigersinn und gehen vom Rathausplatz in nördliche Richtung (Blickrichtung Kirche), folgen der Hauptstraße um die Linkskurve und wandern dann rechts an der Metzgerei Nitzsche (Provianteinkauf sehr empfehlenswert) vorbei im Klosterweg weiter.

Diesem folgen wir stets geradeaus bis zum Parkplatz der Sport- und Kulturhalle, die schon oft Startpunkt für EVG-Wanderungen war. Auf dem Weg vor dem Parkplatz gehen wir bis zum Waldrand, wo wir die erste von zahlreichen Infotafeln vorfinden. Sie führt uns die einheimischen Nadelbäume und Sträucher auf.

Wir gehen etwa 150 Meter am Waldrand in nördlicher Richtung weiter und gehen dann nach links auf einem kurvenreichen Pfad abwärts durch ein kleines Waldstück. Der Pfad bringt uns an die südliche Zufahrt zum Kloster Arnsburg.

Wir folgen der Straße, die an einem großem Besucherparkplatz vorbei und über die Brücke des Flüsschens Wetter führt. Noch vor der Brücke finden wir eine Infotafel zum Kulturhistorischen Wanderweg. Sie trägt den Titel „Von der Steinzeit in die Moderne“ und verweist auf die zahlreichen archäologischen und historischen Sehenswürdigkeiten in der Gemarkung.

Unmittelbar nach der Wetterbrücke erblicken wir links den Biergarten des Restaurants „Alte Klostermühle“. Da noch nicht einmal ein Kilometer absolviert ist, wird es für die meisten Wanderer wohl noch zu früh für eine Einkehr sein. Da es jedoch keine weitere Einkehrmöglichkeit auf dieser Strecke gibt, haben wir uns dann doch für eine kurze Trinkpause entschieden.

An Wochenendtagen ist es eventuell nötig, die Plätze zu reservieren. Hier die Kontaktdaten:

Alte Klostermühle, 35423 Lich, Tel. 06404-696 70 82,

Internet: www.alte-klostermuehle-arnsburg.de

Sehr nette Bedienung, aber 4,50 Euro für eine Portion Pommes? Das hätte mal jemand in der Umrechnung zu D-Mark-Zeiten verlangen sollen. Wir ziehen weiter und gehen auf Kopfsteinpflaster hinauf zur Arnsburger Pforte. Wir verzichten an dieser Stelle auf die nähere Beschreibung der Gedenkstätten und der weiteren Sehenswürdigkeiten des Klosters, zumal wir dies schon u.a. in den Beiträgen zum Lutherweg 1521 getan haben.

Direkt hinter der Pforte biegen wir im rechten Winkel nach links ab. Der Pfad an der Klostermauer führt uns in ein kleines Naturparadies.

Am Ende der Klostermauer stellen wir fest, dass die kleine Brücke über die Wetter bzw. den Mühlbach derzeit gesperrt ist. Vielleicht nur eine Vorsichtsmaßnahme aufgrund drohenden Hochwassers.

Nach etwa 300 Metern schlängelt sich der wunderschöne Pfad zu einer Ausgrabungsstätte hinauf. Ab hier beginnt die Zeitreise in frühe Mittelalter und ins Reich der Römer und Germanen.

In deutsch, englisch und französisch werden hier die Besucher durch die Schöpfer des KHW hervorragend über die „Burg auf dem Hainfeld“ informiert.

Hier ein Ausschnitt aus der Infotafel:(ZITAT): Die eigentliche Burg entstand im 10. Jahrhundert als Turmburg mit quadratischem Wohnturm, Zwingermauer, einem 17 Meter tiefen Brunnen und einer außerhalb der Mauern liegenden Kapelle. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Arnsburg durch verschiedene Erweiterungen und Umbauten zu einer stattlichen Anlage. Ihre größte Ausdehnung erreichte sie um die Mitte des 12. Jahrhunderts kurz vor der Auflassung. Zu der Zeit nahm sie eine Fläche von 1,6 ha ein. (ZITAT ENDE).

Auf einer zweiten Tafel erfährt man, dass die Herren von Arnsburg aus Platzmangel auf den Münzenberg umsiedelten und die Mönche vom Kloster Eberbach das Kommando übernahmen.

Wir werfen ein Steinchen in den erwähnten Brunnen und stellen fest, dass er bis zum Grund trocken liegt, trotz all der starken Regenfälle der letzten Wochen.

Dann ziehen wir auf dem Pfad weiter und gehen recht steil abwärts an die Zufahrt zur Berger Mühle. Obwohl der Pfad mit Stufen „entschärft“ wurde, kann es hier rechts rutschig werden. Bei Nässe also: Vorsicht.

Die Berger Mühle ist nicht für Besucher zugänglich. Wir gehen in die andere Richtung auf die L 3131 zu und können eine mächtige alte Eiche bestaunen. Auch an dieser Stelle finden wir eine Tafel mit den Basis-Informationen zum KHW und eine zweite, die sich mit dem UNESCO-Welterbe Obergermanisch-Rätischer Limes des Römischen Reiches befasst.

Der Straßenübergang über die Landstraße L 3131 wurde von den Schöpfern des KHW sehr aufwändig umgestaltet. Auf der anderen Straßenseite geht man ein paar Schritte an einer Hecke nach rechts, umwandert die Hecke und geht dann nach links über eine neu angelegte Brücke über den Welsbach.

Unmittelbar dahinter wurde ein idyllischer Rastplatz angelegt. Hier informiert eine Tafel über die heimischen Waldtiere.

Rechts vom Wanderpfad befindet sich eine Bienenweide, mit der man im Sinne einer multifunktionalen Landwirtschaft die Biodiversität fördern möchte.

Wenige Schritte weiter finden wir einen unübersehbaren Wegweiser der KHW-Rundwege 1 und 2, auf der wir auch die Markierungen des Licher Rundweges, des Lutherweges und des Taunus-Rhön-Wanderweges (blauer Ring) vorfinden. Danach überschreiten die Wanderer ein Stück der alten Trasse der früheren Butzbach-Licher-Eisenbahn, die 1904 eingeweiht und 1975 eingestellt wurde.

Der Weg führt zu einem alten Friedhof hinauf. Danach taucht der Wanderer tief in das Land der Römer und Germanen ein.

Eine wahre Informationsflut konfrontiert die Wanderer auf der Wiesenfläche westlich von Muschenheim, wo sich einst das Kastell Alteburg befand. Hier erreichte der Obergermanische Limes des Römischen Reiches seinen nördlichsten Punkt in Hessen. Wir erfahren, dass dieser Grenzabschnitt in römischer Zeit als besonders gefährdet galt, da hier die wehrhaften Chatten ihre Lager und Siedlungen hatten.

Ein Wiesenweg knickt in südlicher Richtung ab. Obwohl auf dieser Freifläche kaum etwas zu sehen ist (mit Ausnahme der Burg Münzenberg im Hintergrund) wurde hier eine ganze Reihe von Infotafeln angebracht. Und man darf sich sicher sein, dass noch weitere Tafeln folgen werden, zumindest auf der größeren Runde.

Bis zur Streckenteilung in Höhe eines kleinen Hochstandes findet man folgende Themen:

– Die Römer in Arnsburg – Marschlager, Limeskastell mit Kastelldorf und Gutshof

– Erschließen, Erforschen, Vermitteln – die Archäologische Gesellschaft in Hessen e.V. in Arnsburg

– Kastell und Grenze – Arnsburg und das Land vor dem Limes

– Principa, horreum, praetorium – Die Innenbebauung des Kastells

– Graben, Mauer, Türme – Die Umwehrung des Kastells

– Zwei Kastellbäder – Mediterrane Badekultur in Arnsburg

– Eine antike Reihenhaussiedlung – Das Kastelldorf

– Mit moderner Technik der Antike auf der Spur – Straßen und Umwehrungen des Kastelldorfes

Und vor der Streckenteilung finden wir die zuerst genannte Übersichtstafel, damit auch die Wanderer aus der Gegenrichtung mit den wichtigsten Basisinformationen versorgt sind.

Wenn man die Hauptroute nur wenige Schritte verlässt, erreicht man auch noch eine Ruhebank mit einer weiteren Infotafel, deren Thema „Kastell, Kloster, Ruine – Kastell Arnsburg in nachrömischer Zeit“ lautet.

Erst vor Kurzem wurde eine Relieftafel mit einer Nachbildung des Kastells als besonderes Veranschaulichungs-Objekt aufgestellt.

Wer sich also für die Geschichte des Limes und des Römischen Reiches interessiert, sollte für diese 200 Meter Wegstrecke viel Zeit einplanen. Auf dem Rundweg 1 werden wir feststellen, dass die Ausgrabungs- und Forschungsarbeiten auf den Wiesen und Äckern westlich von Muschenheim längst noch nicht abgeschlossen sind.

Der Rundweg 2 knickt allerdings am bereits erwähnten Hochstand nach links ab und verläuft danach gleichauf mit dem Radfernweg R 6 liecht abwärts. Er führt uns zurück zur L 3131 und danach über die blumengeschmückte Wetterbrücke wieder nach Muschenheim.

Über die Brückgasse gelangen wir zum Ausgangspunkt Rathausplatz zurück.

Der KHW Rundweg Nr. 2 zwei ist ein leichter und abwechslungsreicher Spaziergang durch über 2000-jährige Geschichte. Sehr geeignet für Familien mit Kindern im Schulalter. So dürfte Geschichtsunterricht und Naturkunde auch für die Kids im Smartphone-Alter deutlich interessanter sein. Zusätzliche Infos aus dem Jahr 1521 gibt es auf dem synchron verlaufenden Abschnitt des Lutherweges.

Kontaktdaten (Stand 26.8.2021)

Naturschutzverein Muschenheim e.V.
1. Vorsitzender Karl-Georg Opper
Im Kirchboden 14
35423 Lich-Muschenheim
Fon: 0 64 04 / 42 13 | 01 62 / 753 70 32
Mail: kontakt@natur-muschenheim.de

www.natur-muschenheim.de

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