D-1521 Auf dem Lutherweg

Von Trais-Horloff nach Utphe (2,4 km)

Startpunkt ist die Bushaltestelle der Linie 61 direkt vor der evangelischen Kirche. Es ist der Standort HUN 006 (137 m ü.NN) mit diesen Koordinaten: UTM 32 U 0493120/5588340.

Vielleicht bleibt noch die Zeit, einen Blick in die Kirche zu werfen. An der Pforte finden wir eine kleine Tafel, auf der folgendes zu lesen ist: Ev. Kirche, vermutlich aus der Zeit 13./14. Jahrhundert, rechteckiger Innenraum mit 1740 angebautem Turm im Osten.

Mit dem Rücken zur Kirche gehen wir ein paar Schritte nach links weiter (Alte Dorfstraße- Bellersheimer Straße). Dann folgen wir dem Lutherwegweiser nach links in Richtung Utphe (2,4 km), Berstadt (5,4 km) und Friedberg (25,1 km).

Im Gleichlauf mit dem Hungener Rundwanderweg (gelbe Markierung mit Turmsymbol) und dem Wegweiser der „Tour Nord – Wetterauer Seenplatte“ gehen wir im Utpher Kirchenpfad in Richtung Friedhof und gehen vor der Friedhofsmauer nach rechts weiter.

Auf dem Weg „Am Knappensee“ verlassen wir die Ortsgrenzen von Traus-Horloff. Schon bald gelangen wir durch eine Fußgängerschikane durch eine dichte Hecke an den Oberen Knappensee.

Der Obere Knappensee wird auf einer Schautafel als „Ökokonto der Stadt Hungen“ bezeichnet. Es wird aufgeführt, dass die ehemaligen Tagebaufelder nach dem Ende der Braunkohleförderung verfüllt und rekultiviert wurden. Weniger naturschutzfachliche Aspekte als die Rückgewinnung von landwirtschaftlichen Nutzflächen spielten dabei eine Rolle. Daher wurden die Ufer der Restlochseen geradlinig und steil angelegt.

Nach der Rekultivierung wurde der Obere Knappensee an die Stadt Hungen übertragen und soll als so genanntes Ökokonto dienen. Das bedeutet, dass der See als eine Art Ausgleichskonto für die Ausweisung von Bauland oder den Straßenbau verwendet werden kann.

Das Ökokonto Oberer Knappensee wird der Schautafel zufolge den Kompensationsbedarf der Stadt Hungen aufgrund seiner großzügigen Dimensionierung über Jahre abdecken. Spielte der Oberer Knappensee aufgrund seiner naturfernen Gestaltung und der starken Freizeitnutzung als Brut- und Rastgebiet bisher kaum eine Rolle, hat man nunmehr durch naturnahe Umgestaltung und eine gezielte Besucherlenkung weitgehend ungestörte Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen.

Quelle: Schautafel der Planungsgruppe Natur und Landschaft (www.pnl-hungen.de)

Vor dem See befindet sich rechts eine Sitzgruppe, an der 6 Personen eine gemütliche Rast einlegen könnten. Hier finden wir auch eine Infotafel zum „Lebensraum einer vielfältigen Vogelwelt“.

Wir gehen nach rechts weiter. Am Tag unserer Wanderung (9. Januar 2021) war der Zaun, der den Wanderweg vom Seeufer trennt, flachgelegt und mit diesem auch die Lutherweg-Markierungen. Allerdings waren die Markierungen in diesem Abschnitt mangels Abzweigungen auch nicht notwendig.

Nach etwa 400 Metern ist der erste Teil des Seeuferweges beendet. Auch am Ende dieses Abschnitts befindet sich eine Sitzgruppe und eine Infotafel zur Geschichte des Oberen Knappensees (Vom Braunkohleabbau zum Ökokonto). Wiederum durchschreiten wir die dichte Hecke über eine stählerne Schikane und gehen dann nach links an der Hecke weiter.

Auch im Winter ist die Hecke so dicht, dass der See dahinter kaum auszumachen ist. Sicherlich ein Paradies für viele Vogelarten. Auf unserem Weg kommen bald die Häuser von Utphe in Sicht.

Doch zuvor geht es noch einmal zurück an das Seeufer. Man hat das Gefühlt, dass sich der zuvor erwanderte Streckenabschnitt noch einmal vollständig wiederholt.

Hier ist der Weidezaun unangetastet geblieben. Auch hier finden wir am Ende des Uferweges wieder eine Sitzgruppe mit Infotafel (Ökokonto der Stadt Hungen).

Zu unserer Überraschung konnten wir am Seeufer ein kleines Naturschauspiel erleben. Mit lautem Geschrei überflog uns eine 80 bis 100 Tiere zählende „Fliegerstaffel“. Ich vermute, es waren Wildgänse, die sich ziemlich spät auf die Reise nach Süden machten.

Nach der Sitzgruppe verlassen wir nun endgültig den Oberen Knappensee und steuern auf den Friedhof von Utphe zu. Am Wegrand finden wir einen kleinen Gedenkstein mit einem Spruch: „Die menschliche Vernunft lehrt nur die Hände und Füße – Gott aber das Herz“.

Einen ähnlichen „Spruchstein“ haben wir zuvor in der vorletzten Etappe am Traiser Strand des Inheidener/Traiser Sees gefunden.

Prachtvolle Weiden und Birken säumen die Friedhofsmauer in Utphe. Wir erreichen die Hauptstraße (Weedstraße) und wenden uns nach rechts.

In der Weedstraße sehen wir am linken Straßenrand einen schmucken Dorfbrunnen. Wir passieren eine Kaffeerösterei und steuern auf das Alte Rathaus zu.

Am Alten Schul- und Rathaus ist eine Tafel mit geschichtlichen Erläuterungen angebracht. Das Haus wurde nach dem großen Brand von 1780 in der Zeit von 1780 bis 1783 erbaut. Die Glocke im Turm hat folgende Inschrift: „28. MERZ 1780 + ALS DER FLAMMEN SCHNELLE WUT + FAST DEN GANZEN ORT ZERSTÖRET + WURDE AUCH DURCH IHRE GLUT + SCHULHAUS GLOCK UND UHR VERHEERET…“ Die Glocke wurde 1780 von Wilhelm Bach und Sohn in Hungen gegossen.

Unmittelbar nach dem Brand 1780 entstand auch das nahe gelegene Storcksche Haus. Hier weist eine kleine Tafel auf die Erbauer Johann Wilhelm Schneider und Ehefrau Anna Dorothea hin.

Eine weitere kleine Tafel finden wir am Rathausplatz (früher Turnplatz). Hier erfährt man, dass sich hier vor 1880 ein Dorfweiher (Weed) befand. Daher auch der Name „Weedstraße“.

Ziel- und Anknüpfpunkt dieser Etappe ist der Wegweiser vor dem Hofgut Utphe. Hier werden uns die nächsten Etappenziele Berstadt (3,0 km), Wölfersheim (10,3 km) und Friedberg (22,7 km) angegeben.

Hungen liegt bereits 6,5 km hinter uns und zum nächsten Bahnhof bei Trais Horloff (Lahn-Kinzig-Bahn) sind es nun 3,4 km.

Über Utphe erfahren wir im städtischen Internetportal Folgendes: Die erste urkundliche Erwähnung finden wir im Lorscher Codex aus dem Jahr 773, als ein Albuin dem Kloster Land in der „Odupher Marka“ schenkte. Ein alter Mahlstein, der im Jahr 1958 auf einem Anwesen gefunden wurde, bestätigt, dass sich hier eine keltisch-germanische Siedlung in der „Latene-Zeit“ befand. (O-Text Ende)

Das Hofgut Utphe gehört zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des 660-Einwohner-Dorfes. Es wurde 1707 von den Grafen zu Solms-Laubach als Ökonomiehof erbaut. Hier findet zu „normalen“ Zeiten ein kleiner, aber feiner Weihnachtsmarkt statt, der von den Ortsvereinen ausgerichtet wird.

Im nächsten Abschnitt nach Berstadt verlassen wir den Landkreis Gießen und wandern im Wetteraukreis der Kreisstadt Friedberg entgegen.

Kontaktdaten:

Magistrat der Stadt Hungen

Kaiserstraße 7, 35410 Hungen

Tel. 06402-850

www.hungen.de

Infos zum Lutherweg: Startseite: Lutherweg in Hessen e.V. (lutherweg1521.de)

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