D-35287 Die Brücker Mühle

Industrie- und Kulturdenkmal aus dem Jahr 1248

Wenn der Tauzieh- und Wanderclub Rüdigheim, Ortsteil von Amöneburg, seine EVG-Wandertage ausrichtet, gehört die Brücker Mühle meistens zu den kulturhistorischen Highlights auf der Strecke. Und dieses Bauwerk aus dem Jahr 1248 ist ein bemerkenswertes Bauwerk mit bewegter Geschichte.

Schon vor mehr als 750 Jahren wurde die Mühle zum Malen von Getreide genutzt. Sie diente später auch als Pumpstation für die Wasserversorgung der Amöneburg. Heute befindet sich ein Bioladen und ein Biorestaurant in den alten Gemäuern. Die alte Pumpstation kann während der Öffnungszeiten besichtigt werden. Besonders empfehlenswert ist der Besuch beim alljährlichen Deutschen Mühlentag, der stets am Pfingstmontag stattfindet. Dabei wird den Besuchern eindrucksvoll verdeutlicht, mit welch einfacher und zugleich durchdachter Technik unsere Vorfahren umweltschonend Getreide vermahlten.

Die Wassermühle wird heute mehr zur Stromerzeugung als zum Mahlen genutzt. Der Name stammt von der einstigen Siedlung Brück am Osthang der Amöneburg. Die hier befindliche Brücke über die Ohm war ein Knotenpunkt der Wegeführung durch die „Hohen Hessen“ und der Handelsstraße von Köln nach Leipzig als auch durch die „Langen Hessen“ und der Handelsstraße von Frankfurt nach Hannover.

Wie uns an einer großen Infotafel erklärt wird, gehörte die Brücker Mühle zum Erzbistum Mainz, Das Erzbistum verwaltete den Oberhessischen Raum von der Amöneburg aus. Auch von Zerstörungen der Brücke Anfang des 15. Jahrhunderts und im Dreißigjährigen Krieges wird berichtet. Ein Strich aus dem Jahr 1640 zeigt die Brücker Mühle als festungsartig ausgebaute Anlage mit zwei höhen Türmen auf der Südseite. Im Eingangsbereich sind noch heute die zwei Meter dicken Mauern zu erkennen.

Eingehend wird auf der Infotafel erläutert, wie heiß die Brücke über die Ohm in den vergangenen Jahrhunderten umkämpft war. Nachfolgend ein Auszug aus der Geschichte, den wir der Infotafel vor Ort entnommen haben: „Der von 1756 bis 1763 dauernde Siebenjährige Krieg, den Preußen und England gegen Österreich, Russland und Frankreich führten, hat auch in Hessen tiefe Spuren hinterlassen. Fried II. (der Große) von Preußen führte im Osten Krieg gegen Österreich, während im Westen Deutschlands seine Verbündeten gegen die Franzosen kämpften, die im Juli 1756 in Hessen eingerückt waren. Im jahre 1762 fassten die französischen Heerführer den Entschluss, ihre beiden Hauptarmeen in Hessen zu vereinigen, um dann mit vereinter Kraft eine Entscheidung herbeizuführen. Ferdinand von Braunschweig, Befehlshaber der Verbündeten, ließ daraufhin das gesamte Gebiet östlich des Ohmverlaufs und das nördliche Lahnufer hinauf bis Goßfelden abriegeln und sämtliche Brücken und Flussübergänge besetzten. Auf der Amöneburg stationierte er knapp 600 Mann. Die Franzosen konzentrierten nun ihre Hauptstoßkraft auf die Ohmübergänge. Dies führte am 21. September 1762 zu einer 14stündigen Schlacht an der Brücker Mühle. Am Tag nach diesem Gefecht unternahmen die Franzosen mit 15 Bataillonen einen Sturmangriff auf das noch immer von den Verbündeten gehaltene Amöneburg und brachten die Stadt in ihren Besitz. Als England und Frankreich zu Fontainebleau einen Vorfrieden aushandelten, kamen am 15. November 1762 die Heerführer beider Seiten im Brücker Wirtshaus zusammen und schlossen einen Waffenstillstand. Noch am gleichen Tag setzte der Abzug der französischen Truppen ein. Im Hof des ehemaligen Wirtshauses befindet sich noch heute ein barocker Obelisk, der so genannten „Friedensstein“, der zum Gedenken des im Wirtshaus geschlossenen Friedensvertrages errichtet wurde.“ ZITAT ENDE.

Quellenangabe: Infotafel Lange Hessen Radweg des Landes Hessen und des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Nur wenige Schritte abseits dieser aufschlussreichen Infotafel findet der Besucher auf einer blauen Tafel weitere Infos zur Geschichte. Hier wird aufgeführt, das die 1248 erstmals urkundlich erwähnte Brücker Mühle die älteste Mühle im Nahbereich Amöneburg ist. Im 15. Jahrhundert wurde sie gleich mehrfach zerstört und im Mittelalter diente sie auch als Zollstelle. Auch hier wird von dem festungsmäßigen Ausbau und der Bewaffnung mit Geschützen, den Zerstörungen im 30-jährigen Krieg und den Beschädigungen während des oben im Zitat ausführlich geschilderten Gefechtes im Siebenjährigen Krieg berichtet.

Das heutige Mühlengebäude ist auf den Grundmauern Ende des 18. Jahrhunderts im Barockstil errichtet. Nach einem Großbrand im November 1956 wurde der linke Scheunenteil originalgetreu wiedererrichtet. Weiteres hier im Originaltext:

ZITAT: „Bis 1903 dienten Wasserräder zum Antrieb der Mühle. Danach wurden zwei Francis Turbinen eingebaut, die bis heute die Mühle antreiben können oder der Energiegewinnung dienen. Diese trieben auch bis Mitte der 1950er-Jahre eine Kolbenpumpe, die das Trinkwasser aus umliegenden Brunnen in die Schlosskeller der 160 Meter höher liegenden Stadt Amöneburg pumpte. Von 1859 bis 2005 im Besitz der Stadt Amöneburg. Ende 2005 in den Besitz der letzten Pächterfamilie Kleinschmidt übergegangen. Die Müllermeister Otto, Kurt und Thomas Kleinschmidt betrieben die Mühle von 1921 bis 2001 in drei Generationen als Handwerksbetrieb im Vollerwerb mit einer Tagesleistung von bis zu 6 Tonnen Vermahlungsleistung als so genannte Rückschüttmühle. Im Frühjahr 2006 wurde das Industrie- und Kulturdenkmal wiedereröffnet und die Wasserkraft aktiviert. Es kann, wie seit über 750 Jahren, an dieser Stelle wieder regionales Getreide zu Mehl vermahlt werden. Seit dem Jahr 2007 wird wieder an die alte Mühlentradition angeknüpft und es werden Ölfrüchte wie Lein und Nüsse zu hochwertigen Speiseölen gepresst. Die Mühle kann während der Öffnungszeiten besichtigt werden, Führungen sind nach Absprache möglich“. ZITAT ENDE.

Die Informationen werden mit dem alten Müllergruß „Glück zu!“ abgeschlossen.

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