D-35516 Der Münzenberger Galgenplatz

Blutgerichtsbarkeit bis 1742

Wie oft bin ich schon an diesem grausigen Ort vorbei gelaufen. Ich hätte ihn schon bei den Erkundungstouren zum Fernwanderweg E 3 entdecken müssen. Zwar habe ich den Wegweiser „zum Galgen“ schon öfters passiert, aber den Galgen selbst noch nie gesehen.

Er ist auch ein bisschen im Gebüsch versteckt. Erst bei meiner Erkundungen zum Lutherweg, der zwischen Münzenberg und Rockenberg zum größten Teil gleichauf mit dem E 3 verläuft, ist er mir in etwa einem Kilometer Entfernung zur Burg Münzenberg aufgefallen. Direkt vor Ort gibt es kein Hinweisschild auf diese mittelalterliche Hinrichtungsstätte.

An dieser Stelle (links) befindet sich der Zugang zum Galgenplatz

Beim googeln nach geschichtlichen Hintergründen bin ich auf die Seite des Freundeskreises Münzenberg gestoßen. Hier findet man nicht nur Infos zum Galgenplatz, sondern auch zur Burg und zu anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt Münzenberg.

Hier erfährt man, dass der Münzenberger Galgen zu den wenigen noch erhaltenen gemauerten Hinrichtungsstätten seiner Art in Oberhessen gehört. Er besteht aus zwei sechsseitigen Steinsäulen mit Querbalken, die auf gemauerten Bruchsteinsockeln stehen.

Auf der Homepage des Freundeskreises kann man nachlesen , dass die Verhängung der Todesstrafe in damaliger Zeit in den Händen der Herren von Münzenberg lag. Nur sie durften die so genannte „Blutgerichtsbarkeit“ oder „Gerichtsbarkeit über Hals und Hand“ ausüben. Am 22. Mai 1742, demnach 221 Jahre nach Luthers Durchreise, wurde die letzte Hinrichtung vollstreckt.

Man erfährt weiter, dass der Beruf des Scharfrichters als unehrlich galt. Ein einheimischer Scharfrichter wäre von der Bevölkerung gemieden worden. Daher kamen sie von anderen Orten angereist und prüften zunächst, ob der Delinquent schon vorher als Dieb gebrandmarkt gewesen war.

Für niedere Vergehen war das Schöffengericht als Einrichtung der Niederen Gerichtsbarkeit zuständig. Dabei ging es um Freveltaten, die beispielsweise in Feld und Wald begangen wurden. Diese endeten glücklicherweise nicht immer am Galgen. Auf dem Münzenberger Marktplatz wurden Verurteilte in den so genannten Triller, einen drehbaren Holzkäfig gesetzt. Oder sie wurden an das Halseisen, das heute noch an der nordwestlichen Außenfassade des Rathauses zu sehen ist, festgemacht und dem Spott der Bevölkerung ausgesetzt. Doch nicht nur spotten, sondern auch spucken, bewerfen oder das „Drehen des Narrenkäfigs“ mussten die Verurteilten über sich ergehen lassen. Eine denkwürdige Art der Volksbelustigung. Aber so war es nun mal.

Das Münzenberger Rathaus

Einheimische und Besucher haben dem im April 1996 gegründeten Verein „Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg“ viel zu verdanken. Er hat mittlerweile laut Homepage über 600 Mitglieder und möchte (O-Text) „…den Heimatgedanken, die Heimatkunde, die Geschichtspflege, die Geschichtsforschung sowie die kulturellen Belange der Stadt Münzenberg mit ihren Stadtteilen Gambach, Münzenberg, Trais und Ober-Hörgern selbstständig oder in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, Vereinen bzw. dem Magistrat der Stadt Münzenberg fördern. (O-Text Ende)

Wer den Verein unterstützen möchte oder mehr über die Münzenberger Stadtgeschichte wissen möchte, sollte die folgende Internetseite aufrufen:

www.freundeskreis-muenzenberg.de

Kontaktanschrift (Dezember 2020):

Uwe Müller /1. Vorsitzender)

Steinbergstraße 19a

35516 Münzenberg

Tel.: 06004 331206004 3312

E-Mail: info@freundeskreis-muenzenberg.de

Nur rund 150 Meter vom Galgenplatz wurde auf dem Lutherweg dieser neue Rastplatz geschaffen.  

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