1521 Auf dem Lutherweg in Oppenheim (RP 3)

Vom Krötenbrunnen zur Katharinenkirche (0,2 km)

Trotz aller Zerstörungen und Verwüstungen ist Oppenheim eine touristisch äußerst attraktive Stadt geblieben. Mit heute fast 8.000 Einwohnern stellt sie sich als Mittelzentrum und Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung Rhein-Selz mit einem großen Kulturangebot und bemerkenswerter Geschichte dar.

Die urkundliche Ersterwähnung reicht ins Jahr 765 zurück, doch finden sich auch Spuren fränkischer und römischer Besiedlung. Die Marktrechte wurden der Stadt im Jahr 1008 verliehen und 1225 wurde Oppenheim freie Reichsstadt. Als Kurpfälzische Amtsstadt folgten Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg.

Wie viele andere kurpfälzische Orte wurde auch Oppenheim 1689 nahezu vollständig von den Franzosen niedergebrannt.

Auf der Homepage der Stadt erfahren wir weiter, dass Oppenheim nach den napoleonischen Kriegen und dem Ende des alten Reiches im Jahr 1816 Teil des Großherzogtums Hessens wird und erst nach dem 2. Weltkrieg dem neuen Bundesland Rheinland-Pfalz zugeordnet wird. Dies ist nur ein kleiner, aber gravierender Teil der Stadtgeschichte, von der wir auf dem Lutherweg vom Krötenbrunnen zur Katharinenkirche noch mehr erfahren.

Von der Mainzer Straße und die Krämerstraße gelangen wir in die Dalbergstraße, wo wir zunächst Hugenottenhof betrachten können. Einem Holzschild zufolge wurde das Patrizierhaus am Ende des 17. Jahrhunderts erbaut und war Zentrum der unterirdischen Wehrgänge.

Wenige Schritte weiter entdecken wir das Geburtshaus des Architekten Paul Wallot (1841-1912), den Schöpfer des Berliner Reichstages.

Über verschiedene gewollte und ungewollte Umwege auf unserer Entdeckungstour erreichen wir schließlich den Marktplatz, auf dem gerade Wochenmarkt abgehalten wurde. Wir biegen nach rechts in die Merianstraße ein, die rechts vom historischen Oppenheimer Rathaus direkt zur Katharinenkirche hinaufführt. Das Rathaus ist ein Renaissancebau, der ursprünglich aus dem Jahr 1621 stammt. Auch dieser Bau wurde im Mai 1689 von den französischen Truppen unter Ezéchiel de Mélac niedergebrannt und erst 20 Jahre danach konnte zunächst nur der Ostteil wieder hergestellt werden.

In der Merianstraße laden zahlreiche Sekt- und Weinschänken, Cafe´s und Restaurants zur Einkehr ein und haben das Gefälle der Straße in ihrem Außenbereich auf unterschiedliche Weise „begradigt“. Wir konnten einen Eiskaffee beim Italiener auf einer Holzterrasse genießen. Nebenan hat man Tisch- und Stuhlbeine dem Gelände angepasst und entsprechende Verlängerungen angeschmiedet .

Nach einer erholsamen Pause gehen wir die Merianstraße hinauf und sehen links den zurzeit wegen Corona geschlossenen Eingang zum einzigartigen Oppenheimer Kellerlabyrinth. Die „Stadt unter der Stadt“ diente als Lagerstrecke und Versteck oder Fluchtmöglichkeit in Kriegszeiten und kann bei Führungen besichtigt werden. Rund um das Rathaus sind etwa 600 Meter touristisch erschlossen. Der genaue Umfang der Kelleranlagen soll jedoch mehr als 40 Kilometer betragen.

Dann stehen wir vor der majestätischen Katharinenkirche, an deren Pforte sich Pilger auf dem Lutherweg einen Stempel eintragen können. Hier finden wir die selbe Tafel zum Lutherweg wie zuvor schon am Bahnhof. Zur Katharinenkirche finden wir folgenden Eintrag (O-Text): Von der romanischen Kirche aus dem frühen 13. Jahrhundert sind nur die beiden Westtürme erhalten. Der gotische Kirchenbau entstand etwa 1275-1469. Der Bildersturm infolge der Reformation, der Dreißigjährige Krieg und der Pfälzische Erbfolgekrieg hinterließen schwere Schäden an der Kirche. Vom 18. bis ins 21. Jahrhundert wurde sie aufwändig restauriert. (O-Text ENDE).

Für weitere Informationen wird auf die website www.katharinen-kirche.ekhn.de hingewiesen.

Allerdings findet man auch eine Zeittafel, auf der alle Baudaten von 1225 bis zum Abschluss der Gesamtsanierung im Jahr 2007 gelistet sind.

In Prospekten der Stadt Oppenheim wird die Katharinenkirche als eine der bedeutendsten gotischen Kirchen am Rhein zwischen Straßburg und Köln aufgeführt. Bei wikipedia finden wir noch folgende Ergänzungen: Bereits 1262 soll in Anwesenheit von König Richard von Cornwall der Grundstein zum heutigen gotischen Kirchenneubau gelegt worden sein, der Baubetrieb der Kirche („fabrica parrochiae“) ist 1291 erstmals erwähnt. In dieser Zeit entstanden unter Einfluss des Straßburger Münsters die Ostteile der Kirche mit Chor, Diagonalkapellen und dem Querhaus mit seinem Vierungsturm. (O-Text ENDE).

Wir umrunden die Kirche und gelangen in ein frei zugängliches Gewölbe, in dem Fresken, Relikte und andere Ausstellungstücke aus der jahrhundertealten Kirchengeschichte zu bestaunen sind.

Darunter auch eine dämonische Raubtierfigur, der man nicht zu Lebzeiten begegnet sein möchte. Aber es sollte beim weiteren Rundgang um die Kirche noch etwas gruseliger werden…

Auf der Nordseite finden wir direkt neben dem erfrischend kühlem Gewölbe die doppelstöckige Michaelskapelle, die sich aus der Zeit vor 1424 erhalten hat. Die Totenkapelle ist dem Erzengel Michael geweiht, der als Geleiter der Seelen verehrt wird.

Im Untergeschoss der Kapelle befindet sich das Beinhaus. Hier bietet sich dem Besucher ein schauriger Anblick auf die Gebeine von 20.000 Oppenheimer Bürgern aus der Zeit von 1400 bis 1750. Wie in Oppenheim war es vielerorts üblich, die sterblichen Überreste der Toten bei Neubestattungen auf dem engen Friedhof in das Kellergewölbe der Totenkapelle umzubetten.

Auf der Homepage der Oppenheimer ev. Kirchengemeinde erfahren wir, dass das Oppenheimer Beinhaus das größte und am besten erhaltene seiner Art in Deutschland ist.

Leider blieb uns nicht genug Zeit, auch den Rosengarten zu besichtigen. Aufgrund unangemessener Kleidung haben wir auch darauf verzichtet, die (offenen) Kirchengebäude von Innen zu besichtigen. Wir machten uns auf den Rückweg und werden den Lutherweg hoffentlich bald von hier aus in Richtung Dienheim und Guntersblum fortsetzen können.

Infos zum Lutherweg: www.lutherweg-1521.de

Tourismus Rhein-Selz:

Tourismus Service Center (TSC) der Verbandsgemeinde Rhein-Selz

Projektbüro Lutherweg 1521

Sant‘ Ambrogio-Ring 33, 55276 Oppenheim, Tel. 06133-4901 333,

www.tourismus-rhein-selz.de

 

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