D-90403 Die Nürnberger Kaiserburg

Das Nürnberger Wahrzeichen

Wie so oft war es ein Arbeitseinsatz, der es mir ermöglichte, nach Feierabend kulturell und historisch bedeutsame Orte zu besuchen. Bereits 2914 waren wir erstmals in der Nähe von Nürnberg im Einsatz und konnten dabei auch die bedeutendste Kaiserpfalz des Mittelalters erkunden: Die Nürnberger Kaiserburg.

Einer Infotafel können wir entnehmen, dass hier alle deutschen Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches zwischen 1050 und 1571 ihre Hof-, Reichs- und Gerichtstage abhielten.

Man erfährt, dass bereits im 11. Jahrhundert eine salische Königsburg auf dem Burgfelsen entstand und das Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1123-1190) und seine Nachfolger im 12. und 13. Jahrhundert auf dem westlichen Burgfelsen eine der größten und prachtvollsten Burganlagen des Reiches erbauten.

Die romanische Doppelkapelle stammt aus dieser Zeit. Ab 1440 wurden der Palas und weitere Bauten im spätgotischen Stil umgebaut und erneuert wurden. Erst ein Jahrhundert später entstanden die mächtigen Bastionen.

Wie uns die Infotafel weiter wissen lässt, wurde die Kaiserburg nur während der Kaiserbesuche bewohnt. Es gab einen kaiserlichen Burgverwalter (Burggrafen), der auf dem östlichen Burgfelsen in der Burggrafenburg lebte.

Mehr als auf den Infotafeln findet man auf der website www.kaiserburg-nuernberg.de in einem historischen Überblick. Demnach ging das Amt des Burggrafen bereits im Jahr 1191 an die Grafen von Zollern über.

Aus diesem Historischen Überblick geht weiter hervor, dass sich Nürnberg dank der engen Verbindung zum Königtum und der Lage am Kreuzungspunkt wichtiger Fernstraßen zu einem bedeutenden Zentrum von Transithandel und Exportgewerbe entwickelte. 1219 unterzeichnete Kaiser Friedrich II. einen Freiheitsbrief, der die burggräflichen Rechte minderte und die bürgerliche Autonomie der Gemeinde begünstigte. Mit dem Ende der Staufer um 1254 festigte sich die Entwicklung Nürnbergs zur eigenständigen Reichsstadt.

Es folgten erbitterte Auseinandersetzungen, aus denen die Stadt schließlich als Sieger hervorging. Die Historiker vermuten, dass die Nürnberger ihre Hände im Spiel hatten, als als Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt im Jahr 1420 die Burggrafenburg überfallen und niederbrennen ließ. Zwei Jahre später wurde der Stadt durch Kaiser Sigismund die Verantwortung für die Burg „zum Wohl von König und Reich“ übertragen.

Im folgenden Kapitel befasst sich der Historische Überblick mit dem Spätmittelalter, in dem Nürnberg als „vornehmste und bestgelegene Stadt des Reiches“ galt. Die „Goldene Bulle“ von Kaiser Karl IV. bestimmte seit 1356, dass jeder neu gewählte Herrscher seinen ersten Hoftag in Nürnberg abhalten muss. Neben Frankfurt als Ort der Königswahl und Aachen als Ort der Königskrönung wurde Nürnberg somit zu einem der Zentren des Reiches.

Es wird weiter aufgeführt, dass die Burg in der Folgezeit an Bedeutung verlor, nicht zuletzt durch das 1340 fertig gestellte Rathaus. Dieses löste die Burg als Tagungsort ab und auch der kaiserliche Besuch bevorzugte den Komfort der Patrizierhäuser. Als letzte Kaiser residierten die Habsburger Friedrich III. und sein Sohn Maximilian I. für längere Zeit in der Burg. Ihr Nachfolger Karl V. verlegte seinen ersten Hoftag wegen einer in Nürnberg grassierenden Seuche nach Worms und brach somit die Regeln der „Goldenen Bulle“. Hier erinnern wir uns an die Informationen auf dem Lutherweg 1521 von Eisenach zum Reichstag nach Worms. Wie wir aus der Stadtgeschichte weiter erfahren, führte die 1524 erfolgte Annahme der Reformation zu einer Entfremdung zwischen der protestantischen Stadt und den katholischen Kaisern. 1663 wurde der Reichstag nach dem Dreißigjährigen Krieg endgültig nach Regensburg verlegt.

Die Historiker machen hier einen Sprung ins Jahr 1806, als das Heilige Römische Reich aufgelöst wurde. Mit der Eingliederung Nürnbergs in das Königreich Bayern fand die Burg als Denkmal deutscher Geschichte neues Interesse. Aus dem Historischen Überblick erfahren wir, dass König Ludwig I. die Burg ab 1833 neu ausgestalten ließ. Dazu beauftragte er den Architekten Carl Alexander von Heideloff, dessen Arbeit jedoch keinen königlichen Gefallen fand. Er unterbrach die Baumaßnahmen nach zwei Jahren und letztlich war es sein Sohn Maximilian II., der den Ausbau zur Königswohnung bis 1858 durch August von Voit zu Ende brachte.

Weiter ist im Historischen Überblick zu lesen (O-Text): „1866 griffen die Hohenzollern nach der Kaiserburg: Ludwig II. musste König Wilhelm I. von Preußen nach der Niederlage im Krieg von 1866 die Mitbenutzung der Burg seiner Väter einräumen. Kaiser Wilhelm II. hat die Burg mehrfach bewohnt und nicht versäumt, sich dabei als Burggraf von Nürnberg zu bezeichnen.“ (Originaltext ENDE).

Die historischen Ausgestaltungen fanden zum Ende der Monarchie 1918 keinen Anklang mehr. Rudolf Esterer begann im Jahr 1934 eine Überarbeitung mit dem Ziel, die Neugotik zu beseitigen und einen vermeintlichen Urzustand herzustellen. Im Hinblick auf künftige Reichsparteitage der NSDAP sollte gleichzeitig auch eine „Ehrenwohnung“ für hohe Gäste geschaffen werden.

Im letzten Kapitel wird notiert, dass die gesamte Kaiserburg 1945 in Trümmern lag. Dennoch blieben bedeutende romanische und spätgotische Bauteile fast unbeschädigt erhalten. Jener Rudolf Esterer war es, der die Anlage wieder so aufbaute, wie er sie im Sinne einer „schöpferischen Denkmalpflege“ vor dem Krieg gestaltet hatte.

Auf weiteren Seiten der website www.kaiserburg-nuernberg.de geht man auf die herausragenden Bauwerke innerhalb der Burganlage ein. Dazu gehört die Kemenate mit dem Kaiserburg-Museum. Man erfährt, dass das Gebäude aus staufischer Zeit im Jahr 1945 fast vollständig niederbrannte, von 1968 bis 1971 als genaue Rekonstruktion wieder aufgebaut wurde. Das Kaiserburg-Museum (Zweigstelle des Germanischen Nationalmuseums) befindet sich hier seit 1999. Ausgrabungsfunde, ornamentale Bauteile, Modelle und Rekonstruktionszeichnungen veranschaulichen die Geschichte der Burg und ihre militärischen Aspekte.

Auf einem hoch aufragendem Felsen im Osten des Vorhofes steht der Sinwellturm. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert und hatte die Funktion eines Bergfriedes. Angreifer konnten aufgrund seiner stattlichen Höhe frühzeitig entdeckt werden und somit bietet er heute Besuchern auch einen herrlichen Ausblick auf die Nürnberger Altstadt. Seinen Namen verdankt der Turm seiner zylindrischen Form. Im Mittelhochdeutschen bedeutete „sinwell“ etwa „gewaltig rund“.

Im Sinwellturm ist eine Foto-Ausstellung über die Zerstörungen im zweiten Weltkrieg zu sehen.

Auch das Brunnenhaus mit seinem „Tiefen Brunnen“ findet in der Historie der Burg besondere Erwähnung. Nach der Inschrift entstand das zweigeschossige Brunnenhaus im Jahr 1563. Das Fachwerk-Obergeschoss wurde 1951 erst vollständig erneuert. Zum Tiefen Brunnen, erstmalig im 14. Jahrhundert erwähnt, sind sich Experten einig, dass dieser bereits mit den ersten Bauten des Königshofs erbaut wurde. Eine Burganlage ohne autonome Wasserversorgung sei auch zu jener zeit undenkbar gewesen. Über 50 Meter wurde der Schacht in den gewachsenen Felsen getrieben. Die Brüstung aus Sandsteinquadern stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Einen Blick sollte man auch in den Palas mit den Kaisergemächern und der Doppelkapelle werfen. Diese wurden mit Geschick dem unregelmäßigen Relief des Sandsteinfelsen angepasst. Mit einer Multimediaschau werden Besucher im Foyer der Museumskasse über die Baugeschichte informiert und über die Funktionsweise des Alten Reiches erfährt man vieles in der Dauerausstellung „Kaiser – Reich – Stadt. Die Kaiserburg Nürnberg“.

Einen Blick haben wir auch in die Kaiser-Stallung geworfen. Es wurde als Reichsstädtisches Kornhaus im 15. Jahrhundert erbaut.

Zuletzt durchschreiten wir den Garten der Kaiserburg, der sich auf den 1538-1545 erbauten Bastionen befindet. Diese wurden zum Schutz vor den neuen Feuerwaffen und waren in ihrer Größe und Bauweise einzigartig.

Auch hier finden wir eine Infotafel, aus der folgendes hervorgeht (O-Text): „Nach 1945 wurde auf der Hauptbastion und auf der unteren Bastion Blumenbeete angelegt. Die landschaftliche Gestaltung geht auf Pläne des 19. Jahrhunderts zurück.

Auf der mit Bäumen bestandenen oberen Bastion, der so genannten Schweden- oder Vestnertorbastei, befand sich 1678 bis 1751 eine der bedeutendsten Sternwarten Europas.

Die frühen Burggärten, von deren Existenz seit dem 15. Jahrhundert berichtet wurde, sind nicht erhalten. Die Gartenanlagen von Kaiser Friedrich III. (1415-1493) befanden sich an der Südseite der Kaiserburg und sollen den sagenhaften Hängenden Gärten der Semiramis nachempfunden gewesen sein“. (O-Text ENDE).

Öffnungszeiten

April bis 4. Oktober: täglich 9-18 Uhr
5. Oktober bis März: täglich 10-16 Uhr
letzter Einlass: jeweils 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeit

Kontaktdaten (Führungen)

Burgverwaltung Nürnberg
Auf der Burg 17, 90403 Nürnberg

Telefon 0911 244659-0, Fax 0911 244659-300
burgnuernberg@bsv.bayern.de

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