D-55283 Historischer Stadtbummel in Nierstein am Rhein (3)

Von der Martinskirche zur Rheinfähre

Nierstein war zur Zeit der Karolinger (8. bis 10. Jahrhundert) ein Zentrum königlicher Macht. Man vermutet, dass sich der Königshof direkt an der Martinskirche auf dem Fronhof befand. Wir werden auf einer Tafel am Rheinufer erfahren, dass einige Könige – von den Ottonen im 10. Jahrhundert bis zu Heinrich II. und Konrad II. im 11. Jahrhundert ihre Urkunden siegelten.

Man erfährt, dass Kaiser Heinrich IV. am 18. Juni 1196 mit Kuno von Münzenberg einen Vertrag unterzeichnete, in dem Nierstein erstmals als „Civitas“ (Stadt) bezeichnet wurde. Im Fronhof befand sich ein Rittergericht, dass weitreichende Befugnisse der Stadt belegt, die bis zur Verpfändung Niersteins an die Kurpfalz (1376) Bestand hatten.

Vorsitzender des Rittergerichts war der Schultheiß als oberster Vertreter des Pfalzgrafen vor Ort. Auf der Infotafel erfährt man, besaßen zahlreiche Adelige in Nierstein und den vereinten freien Reichsdörfern Schwabsburg und Dexheim ihre „freyadeligen Höfe“ und Weinberge. Durch diese alten Adelshöfe wird das Ortsbild von Nierstein noch heute geprägt, trotz aller Verwüstungen während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) und den Pfälzischen Erbfolgekrieges (1689-1697).

Als besonders sehenswert wird auf der Tafel neben dem Metternichhof (älteste Hofanlage) auch der das barocke Herrenhaus Haxthäuserhof aufgeführt. Letzteren haben wir im letzten Beitrag bereits vorgestellt.

Vom Gelände der Martinskirche passieren wir einen Gedenkstein der Gefallenen im ersten Weltkrieg und schreiten durch das nördliche Tor der Wehrmauer.

Danach schlendern wir an der mittlerweile wieder gut belebten Außengastronomie auf dem Marktplatz vorbei und gelangen in die Rheinstraße.

Hier passieren wir viele Gasthäuser, Straußenwirtschaften und das Dalberg-Herdingsche Schloss, die Bahnunterführung und zuletzt das Gasthaus „Zum Klabautermann“.

Hier stoßen wir auf die viel befahrene Mainzer Straße (B 9). Unmittelbar dahinter befindet sich die Rheinpromenade.

Am Rheinufer gehen wir in südlicher Richtung parallel zur B 9 rheinaufwärts. Auf der anderen Seite des Rheins blicken wir auf den Campingplatz, der zur Gemeinde Kornsand gehört.

Schließlich erreichen wir die Infotafel der Stadt Nierstein, die in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gesichtsverein kreiert wurde und nicht nur Infos zur Stadtgeschichte vermittelt. Natürlich ist auch der Niersteiner Wein ein herausragender Schwerpunkt. Ganz besonders wird auf den „Roten Hang“ hingewiesen. Dieser verdankt seinen Namen einer und 290 Millionen Jahre alten Tonschieferschicht von markant roter Farbe und gilt seit Jahrhunderten als eine der besten Weinbergslagen der Welt.

Die hervorragenden Rieslinge wurden bereits von Dichtern und Schriftstellern wie Kleist, Goethe und Claudius in deren Werken gelobt. Doch nicht nur Weinkenner, sondern auch Naturhistoriker schwärmen vom Roten Hang und der „Niersteiner Fährtenplatte“. Millionen Jahre alte Versteinerungen und die filigranen Insektenspuren gehören zu den außergewöhnlichsten Fossilienfunden, die man (nach der Wiedereröffnung) des Paläontologischen Museums am Marktplatz besichtigen kann.

Nicht nur auf der Infotafel, sondern auch durch mehrere Plakate an der Rheinpromenade stellen wir fest, dass es zahlreiche große Weinfeste zu allen Jahreszeiten in und um Nierstein gibt. Die meisten davon fielen in den letzten Monaten der Corona-Pandemie zum Opfer. Nach und nach aber findet man auch am Rheinufer wieder zur Normalität zurück.

Doch nicht nur Infotafeln, sondern auch die Wegweiser des Lutherweges 1521 sind am Rheinufer vorzufinden. Die gelbe Umrandung der Wegmarkierung verrät, dass wir uns auf einem Zubringerweg und noch nicht auf dem Originalweg befinden. Letzterer beginnt an der Fähre Nierstein, von der wir noch 1,0 km entfernt sind.

Am 26. Juni 2021, dem Tag unserer hier beschriebenen KulTOUR-Wanderung, begann der Niersteiner Kultursommer 2021 mit einem ABBA-Tribute Concert und einem Kindertheater. Auch viele kleine Nebenveranstaltungen waren nach langer Corona-Pause wieder erlaubt. Auf unserem Weg am Rheinufer stoßen wir bald auf einen belebten Platz mit Weinausschank. Die Gäste holten sich nach strengen Corona-Regeln ihre Weine oder Cocktails und legten sich entspannt auf hölzerne Liegen mit Blick auf den Rhein. Ob an diesem Freitagabend eventuell ein Rhein-Feuerwerk angesagt war, haben wir nicht erfahren.

Wenige Schritte weiter erreichen wir das Rhine Crossing Monument, ein Gedenkstein, der an die Rheinüberquerung amerikanischer Truppen zum Ende des 2. Weltkrieges erinnert. Es war eine Schlüsseloperation an der Westfront, die als „Nierstein Crossing – Silent Crossing“ in die Militärgeschichte einging, weil sie fast ohne Kampfhandlungen vonstatten ging. Der Granitstein mit Bronzetafel wird von Infotafeln und zwei Fahnenmasten mit der deutschen und amerikanischen Flagge flankiert. Der Text auf der Bronzetafel lautet: “An dieser Stelle errichtete das 249. Pionierbataillon, nachdem es die 5. Infanteriedivision der U.S. Armee bei Oppenheim unterstützt hatte, am 22. und 23. März 1945 im ersten erfolgreichen Sturmangriff zur Rheinüberquerung seit Napoleons Zeiten eine 366 Meter lange Pontonbrücke, um Teile von General George S. Pattons 3. Armee über den Rhein zu bringen. Der Bau der Brücke dauerte nur 18 stunden. Diese bemerkenswerte bauliche Leistung trug zweifellos dazu bei, den Krieg früher zu beenden und somit unzähligen Menschen auf beiden Seiten des Konflikts das Leben zu retten.“

Eine weitere Infotafel klärt uns über den Verlauf des Rhein-Terrassen-Weges auf. Dieser rund 60 Kilometer lange Wanderweg verläuft zwischen Mainz und Worms entlang der Rheinebene durch die rheinhessischen Weinberge. Die parallel verlaufende Bahnlinie ermöglicht es, bequem an den Ausgangsort zurück zu kehren. Ein Weg mit Tradition, der bereits seit 1907 rege genutzt wird.

Rustikale Sitzgruppen säumen den weiteren Weg am Rheinufer und bieten den zahlreichen Radtouristen und Wanderern Rastgelegenheit. Es folgt ein schattiger Abschnitt entlang der Mauer eines prachtvollen Anwesens und schließlich haben unser Ziel, die Anlegestelle der Rheinfähre Landskrone, erreicht. Ab hier werden wir auf dem Originalverlauf des Lutherweges weiter wandern.

Kontaktdaten:

Stadt Nierstein

Bildstockstraße 10, 55283 Nierstein, Tel. 06133-960 500

e.Mail: info@stadt-nierstein.dewww.nierstein.de

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