D-34399 Eco-Pfad Gieselwerder

Burgen, Museen und Wasser

Arbeiten an einer alten Sandsteinbrücke über die Weser haben uns im November 2018 nach Gieselwerder geführt. Hier habe ich die Markierungen des Frau-Holle-Pfades (X 4), des Märchenlandweges und des Hugenotten-Waldenser-Weges entdeckt. Um auf diesen Wegen Erkundungswanderungen durchzuführen, war die Zeit abends zu knapp.

Doch es bot sich eine andere Wander-Alternative an: Der „Eco Pfad Burgen Museen Wasser Gieselwerder“.

Der Rundweg ist etwa 6 Kilometer lang und ist eine ideale Möglichkeit, den 1093 erstmals urkundlich erwähnten Ort kennen zu lernen. In den Flyern wird empfohlen, sich viel Zeit für diese Tour zu nehmen, da viele Sehenswürdigkeiten und Museen auf dem Weg liegen.

„Der Weg spannt den Bogen vom Mittelalter, in dem die beiden Burgen und die Furt durch den Fluss wichtige und umkämpfte Stützpunkte an der Weser darstellten, bis zur Schifffahrt und Flößerei im letzten Jahrhundert.“ heißt es auf der Homepage zum Weg. Hier finden Sie auch einen Streckenplan und viele weitere wichtige Infos.

Hier der dazugehörige Link: Eco Pfad Burgen Museen Wasser Gieselwerder – Streckenverlauf (eco-pfade.de)

Ein günstiger Startpunkt liegt an der Brückenstraße. Vor dem Burghof befindet sich der Parkplatz Tanzeplatz, wo das das Auto kostenlos abgestellt werden kann.

Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein stattliches Fachwerkhaus, in dem sich 2018 ein Griechisches Lokal befand. Wir gehen in Richtung Weserbrücke und werfen einen Blick in den Burghof, wo sich das Rathaus befindet.

Unsere Internetrecherchen haben ergeben, dass Gieselwerder um 1240 auf einer langgestreckten Insel, einem so genannten Werder, lag und dass dort eine Burg errichtet wurde. Der trennende Kanal war sumpfig und wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts trocken gelegt.

Von der Burg sind nur noch Fragmente der mittelalterlichen Ummauerung erhalten. Das Rathaus im Burghof wurde erst 1914 fertiggestellt. Der Wanderer bzw. Besucher findet dort auch ein Modell der Wasserburg im 15. Jahrhundert.

Der Straßenname „In der Laake“ erinnert an die Zeit, als Stadt und Burg noch auf einer Insel abgetrennt waren.

Am Burgtor finden wir eiserne Kanonenkugeln, die beim Bau der ersten Weserbrücke im Jahr 1839 aus der Weser geborgen wurden. Sie steckten in eisernen Planken und stammen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Wir gehen weiter und gelangen an die Weser. Der gut beschilderte Eco Pfad führt uns nach links durch die Brücke, die wir mit unserer Bohrfirma im November 2018 untersucht hatten. Nach der Brücke geht es nach links zurück an die Straße „In der Laake“ und danach wieder nach rechts zum Weserufer. Bald stoßen wir am Weserufer auf eine erste Infotafel.

Unter dem Titel „Wasserstraße Weser“ wird erläutert, dass sich die Wasserschifffahrt in Gieselwerder erst seit dem Ende des 16. Jahrhundert nachweisen lässt. Im 18. und 19. Jahrhundert lebten zur Blütezeit über 200 Männer von diesem Gewerbe. Erst in den 1980er Jahren kam der Schiffsverkehr auf den Oberweserhäfen zum Erliegen.

Es wird weiter auf zwei Werften verwiesen, die bis 1956 bedeutende Arbeitgeber von Gieselwerder waren. Beide Werften bauten Schiffe aus Holz, die später von den eisernen Schiffen verdrängt wurden. Viel älter als die Schifffahrt war die Flößerei, Zum Bau von Schiffen, Häusern und Hafenanlagen wurden seit dem Mittelalter Baumstämme aus den umliegenden Wäldern die Weser abwärts befördert, letztmalig im Jahr 1964.

Wir gehen am Weserufer weiter flussaufwärts und gelangen erneut an die Straße „In der Laake“. Hier erreichen wir eine zweite Infotafel, wo einst die „Spitzenburg“ stand. Hier wird erläutert, dass auf der Sediment-Insel (Werder) zwei Burgen standen. Die ältere der beiden wurde 1551 Spitzenburg genannt. Sie stand am nordwestlichen Ende der Insel und wurde vermutlich um 1050 von der Adelsfamilie von Werder erbaut. Sie lebte hier bis 1230 und danach gingen Burg und Ländereien in den Besitz des Erzbischofs von Mainz über. Man erfährt weiter, dass die Burg 1303 zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Die Mauern wurden in der Folgezeit abgetragen und schon im 16. Jahrhundert war sie vollständig verschwunden.

Auf unserem Weg finden wir auch die Markierungen des Radweges R1 und der D-Route. Auf diesen sind es noch 14 Kilometer nach Bad Karlshafen. Der Eco-Pfad zweigt jedoch schon bald nach links ab. Wir entfernen uns vom Weserufer und gelangen an die Hauptstraße (Neustadtstraße). Leider blieb an den kurzen Novembertagen nicht genug Zeit, zum nächsten Etappenpunkt zu gelangen.

Die 6 km lange Hauptstrecke führt weiter nach Westen in den Reinhardswald hinein und hat mit dem Freilichtmuseum Mühlenplatz einen weiteren interessanten Punkt, der mit einer Infotafel versehen ist. Darüber ist auf der o.g. Homepage zu lesen: „Die weiträumige Freilichtausstellung zeigt Mühlen, Schlösser, Burgen, Kirchen und historische Rathäuser im Maßstab 1:25 bzw. 1:40. Der aus dem Reinhardswald fließende Lumbach treibt die Räder verschiedener Wassermühlen an. Seit den ersten Modellen in 1969 ist die Anlage kontinuierlich gewachsen und inzwischen überregional bekannt.“ (O-Text Ende). Hier die Anschrift:

Freilichtmuseum Mühlenplatz, Mühlenplatz 10, 34399 Oberweser-Gieselwerder
Tel. 05572 9373-0, www.muehlenplatz-gieselwerder.de

„Wasser bergauf“ ist der Titel einer weiteren Infotafel zum Eco-Pfad. Sie befindet sich an einem Graben im Reinhardswald mit sehr geringem Wassergefälle, der im Verhältnis zur benachbarten Landstraße mit stärkerer Neigung eine optische Täuschung verursacht.

Leider musste ich die Kurzvariante des Eco-Pfades (4 km) wählen und über die Neustadtstraße und Brunnenstraße zurück zu meiner Unterkunft gehen.

Weitere Anlaufpunkte auf dem Eco-Pfad konnte ich bei kleineren Erkundungstouren an späteren Tagen kennenlernen. Dazu gehört das Weberei-Museum Kircher im Steinweg (Hausnummer 2). Es war seinerzeit bis Frühjahr 2019 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Das Museum bietet eine Zeitreise durch die Weberei und Textilgeschichte von der Antike bis in die Neuzeit, Handarbeitsschule, Museumsdiele mit regelmäßigen Veranstaltungen sowie wechselnde Sonderausstellungen. Informieren kann man sich telefonisch unter 05572-4448 oder im Internet:

www.weberei-museum-kircher.de

In direkter Nachbarschaft zu meiner Unterkunft (Pension Schweinsberger) steht das Schiffermuseum. Leider stand ich in meiner begrenzten Freizeit auch hier stets vor verschlossenen Türen. Darüber ist auf der Homepage zum Eco-Pfad zu lesen: Die Binnenschifffahrt war für Gieselwerder über Jahrzehnte prägend. Das Museum informiert über das Leben der Schiffer und deren harter Arbeit an Bord. Es werden unter anderem Schiffsmodelle, Reedereiflaggen, Stückgutverladung und ein originales Ruderhaus gezeigt. (O-Text Ende).

Der südöstlichste Punkt des Wanderweges liegt an der Wüstung Rypoldessen, die erst 1409 urkundlich erwähnt wurde und schon zu dieser Zeit eine Wüstung war. Anhand von Keramikscheiben konnte nachgewiesen werden, dass der Ort Rypoldessen vom 8. bis 14. Jahrhundert bewohnt war. Er lag zwischen Gieselwerder und dem Weseraltarm.

Der Exo-Pfad Gieselwerder ist einer von vielen im Großraum Kassel. Er wurde gefördert von der Europäischen Union, vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, vom Landkreis Kassel und von der Gemeinde Oberweser.

Nähere Infos:

Gemeinde Wesertal (ehemals Oberweser)
In der Klappe 1A
34399 Wesertal
Tel.: 05572 9373-0
Fax: 05572 – 9373-40
Mail: rathaus@gemeinde-wesertal.de

Tourische Angebote finden Sie auch unter Solling-Vogler-Region im Weserbergland e. V. Touristikzentrum, Tel. 05536 960970, www.solling-vogler-region.de

Unsere Unterkunftsempfehlung:

Pension Klaus Schweinsberger

In der Klappe 9, 34399 Wesertal-Gieselwerder
Telefon: 05572-7467 | Fax: 05572-999638
www.pension-schweinberger.de | Email

Die Pension liegt direkt neben dem Schiffermuseum in unmittelbarer Nähe zur Weserpromenade. Fünf Doppelzimmer und ein Dreibettzimmer zum Preis von 21 bis 24 Euro pro Person/Nacht (Einzelzimmeraufschlag 10 Euro) stehen zur Verfügung.

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