D-1521 Auf dem Lutherweg

Von Münzenberg nach Rockenberg (5,6 km)

Startpunkt ist die Pforte der Burg Münzenberg, des Wetterauer Tintenfasses, das wir Euch unter der Rubrik Burgen/Wetterau schon eingehend vorgestellt haben. Wer sich für die Geschichte der alten Stauferburg interessiert, kann sich auch auf der Homepage des Vereins Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg e. V. (www.freundeskreis-muenzenberg.de) informieren.

Der Abschnitt von Münzenberg nach Rockenberg verläuft nicht auf kürzester Linie. Man könnte dem Hessischen Fernradweg R6 folgen und dabei 1,5 Kilometer einsparen. Allerdings ist diese Route nicht besonders attraktiv und man würde einige Highlights auf der Strecke umgehen.

Gemeinsam mit dem Fernwanderweg E3 führt der Lutherweg von der Burgpforte in südliche Richtung hinab zum Hattsteiner Hof. Im Original-Verlauf zweigen E3 und Lutherweg noch vor der Rückseite des ehemaligen Solms-Laubachischen Wirtschaftshofes, der in seiner heutigen Form zu Beginn des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, rechts ab.

Wer sich für das beeindruckende Ensemble am Fuße der Stauferburg interessiert, kann auch einen kleinen Umweg um das Gebäude (nach rechts) einlegen und gelangt dann über einen Parkplatz auf den Lutherweg zurück. Auch zum Hattsteiner Hof gibt es auf der oben genannten Homepage des Münzenberger Freundeskreises nähere Informationen.

Auf dem Originalweg gehen Sie auf der Rückseite des Herrenhauses auf einen mittelalterlichen Torturm zu und verlassen dann die Stadtgrenze. Es geht hinaus ins freie Feld. Hier lohnt sich ein Blick zurück auf die stattliche Burg.

Rechter Hand sind bei gutem Wetter Teile der Stadt Münzenberg, das zu Lich gehörende Eberstadt und der Münzenberger Stadtteil Ober-Hörgern zu sehen. Sie wandern auf Asphalt und gelangen schnell an eine erste Kreuzung.

Der Lutherweg ist an dieser Stelle (Stand Dezember 2020) nicht beschildert. Sie können jedoch der Jakobsmuschel folgen. Der Fernwanderweg E 3 läuft nämlich bis nach Santiago de Compostella gleichauf mit dem berühmten Pilgerweg (Camino).

An dieser Kreuzung zweigt der Radweg R6 nach links ab. Lutherweg und E3 verlaufen geradeaus. An den Bäumen am rechten Wegrand sieht man, dass die Münzenberger Vogelschützer fleißig waren und zahlreiche Nistkästen angebracht haben. Zum Zeitpunkt unserer Erkundungswanderung (18.12.2020) hatte man diesen Abschnitt zu einem Weihnachtswanderweg verziert. Einige Ruhebänke laden zur Rast ein.

Nach etwa 900 Metern wandern Sie an einem Gebüsch entlang und sollten den Zugang zu einer grausigen Sehenswürdigkeit nicht verpassen. Rechts steht der Galgen, ein Relikt der einstigen „Blutgerichtsbarkeit“, dass wir Ihnen in einem der jüngsten Beiträge erst vorgestellt haben. Der Münzenberger Galgen gehört zu den wenigen noch erhaltenen gemauerten Hinrichtungsstätten seiner Art in Oberhessen. Er besteht aus zwei sechsseitigen Steinsäulen mit Querbalken, die auf gemauerten Bruchsteinsockeln stehen.

Auf der Homepage des Freundeskreises kann man nachlesen , dass die Verhängung der Todesstrafe in damaliger Zeit in den Händen der Herren von Münzenberg lag. Nur sie durften die so genannte „Blutgerichtsbarkeit“ oder „Gerichtsbarkeit über Hals und Hand“ ausüben. Am 22. Mai 1742, demnach 221 Jahre nach Luthers Durchreise, wurde die letzte Hinrichtung vollstreckt.

Wir gehen weiter und gelangen an eine Obstwiese mit Rastplatz. Hier wurde für die Wanderer auf dem Lutherweg eine massive Sitzgruppe für etwa 6 Personen aufgestellt.

Allerdings hat man hier mit der Markierung gespart. Folgen Sie hier der E-3-Mrakierung nach rechts. Es ist ein morastiger Abschnitt, der an die Kreisstraße Münzenberg-Rockenberg führt und dann geradeaus auf einem Grasweg durch Wiesen- und Ackerglände weiter verläuft.

Nach 150 Metern erreichen Sie eine Kreuzung mit Wegweiser. Hier wird der Wanderer um Verständnis dafür gebeten, dass auf einem Abschnitt von 1,5 Kilometern mit Rücksicht auf die Landwirte keine Markierung angebracht werden konnte.

Es geht nach links auf Asphalt weiter. Der Beschreibung zufolge soll der Wanderer bzw. Pilger vor dem Hochspannungsmast nach rechts abbiegen. Nach einigen Hundert Metern zweigt ein Asphaltweg nach links und direkt danach auch nach rechts ab. Ist das der richtige Abzweig?

Nein, dass ist er nicht. Es ist vermutlich der Abzweig, an dem sich der E3 vom Lutherweg trennt. Dieser verläuft nämlich nach Griedel und Butzbach weiter. Der Lutherweg führt tatsächlich auf einem total verdreckten Ackerweg geradeaus den Hügel hinauf.

Erst unmittelbar vor dem Hochspannungsmast erreicht man den Rechtsabzweig, der dann aber schnell wieder auf einen Asphaltweg nach links weiter führt. Hurra, die Markierung ist wieder da.

Der Asphaltweg führt durch dichtes Gestrüpp. Es ist das Betriebsgelände des ehemaligen Sandabbaus bzw. der Erddeponie Rockenberg. Schilder weisen darauf hin, dass das Betriebsgelände nicht betreten werden darf. Aber schon bald endet der Zaun und man erreicht die „Hölle von Rockenberg“.

Dieses Naturschutzgebiet haben wir Euch auch in einem unserer letzten Beiträge ausführlich vorgestellt. Eine Infotafel vor Ort erläutert uns , dass das Gebiet bereits seit Mitte der 1990er Jahre unter Schutz steht und das der südliche und östliche Teil schon in historischer Zeit durch die Huteweide mit einer Schafherde entstand.

Bis heute pflegen Weidetiere Teile des Gebietes. Man erfährt weiter, dass einige der seltenen Arten, insbesondere die Sumpfschildkröte, aber auch Lebensräume wie Halbtrockenrasen, Calluna-Heide und Silikatfelsen als schützenswert in der FFH-Richtlinie aufgeführt sind.

Sie gehen weiter auf der oft sehr verschmutzten Zufahrtsstraße zur Erddeponie und erreicht schon bald das Naturschutzgebiet „Klosterwiesen“ mit der größte Schilffläche in ganz Mittelhessen. Im Hintergrund blickt man auf Butzbach und den Hausberg, bei gutem Wetter auch weiter bis tief in den Taunus.

Wir gehen hier links weiter und steuern auf die Gemäuer der Rockenberger Jugend-Justizvollzugsanstalt zu. Die Anstalt war bis 1811 ein Kloster (Kloster Marienschloss). Die Stacheldrahtrollen auf den hohen Mauern zeugen heute von weniger frommen Bewohnern.

Wir befinden uns im Gambacher Weg und nähern uns dem Etappenziel. An den Pfosten weisen Aufkleber zum Lutherweg darauf hin, dass der Pilgerstempel an der Pforte des ehemaligen Klosters Marienschloss erhältlich ist.

An der nächsten Kreuzung biegen wir links ab und gehen an der evangelischen Kirche vorbei. Dann gelangen wir an die Münzenberger Straße und gehen hier nach rechts weiter. Vor der Marien-Apotheke finden wir einen Wegweiser zum Lutherweg, der uns die nächsten Stationen aufführt.

In südwestlicher Richtung sind Nieder-Weisel (4,4 km), Ostheim (6,5 km) und Bad Nauheim (17,0 km) aufgeführt. In der Gegenrichtung finden wir Münzenberg (5,6 km), Trais (8,1 km) und Lich (16,3 km). Anhand dieser Entfernungsangaben kann man leicht feststellen, dass Martin Luther offenbar nicht immer die kürzesten Wegverbindungen genutzt hatte. Über das heute bestehende Straßen- und Wegenetz könnte man von Lich nach Bad Nauheim sicherlich 5 oder 6 >Kilometer einsparen.

Es ist der der Standort ROB 001 Rockenberg, Scheidegasse, UTM 32 U 0481176/5586463, 156 m ü. NN. Info-Telefon 06636-9189630.

Wenn Sie an der Marien-Apotheke die Straße nach Butzbach überqueren, erreichen Sie die Bushaltestelle Rathaus (ÖPNV-Anbindung nach Butzbach bzw. Bad Nauheim). Dahinter bietet sich das „Rote Haus“ als hervorragende Einkehrmöglichkeit an. Leider war dies im Dezember 2020 aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich.

Der Lutherweg führt nach der Bushaltestelle und noch vor dem Roten Haus nach rechts weiter. Sollten Sie Proviant für die nächste Etappe benötigen, finden Sie auf der Hauptstraße wenige Schritte weiter auch einen Bäckerei und eine Metzgerei vor. Gegenüber befinden sich Filialen der Volksbank und der Sparkasse. Am Ortsausgang in Richtung Steinfurth / Bad Nauheim befindet sich ein EDEKA-Markt.

Kontakt:

Gemeindeverwaltung Rockenberg
Obergasse 12, 35519 Rockenberg
Telefon: 06033 96390 – Fax: 06033 963910
E-Mail: gemeinde@rockenberg.de

www.rockenberg.de

 

 

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