2018 Erlebnisbericht Nordböhmen (4): Von Nova Louka nach Kristianov

Der erste „Tausender“ im Isergebirge

(CHKO Jizerské Hory)

Man sollte es vermeiden, in bergigen Regionen alleine zu wandern. Nicht etwa, weil im Grenzeberich zwischen Sachsen und Böhmen die meisten Wolfsrudel in Mitteleuropa registriert wurden (die wollen doch nur spielen), sondern weil man sich schnell mal einen Fuß verknackst hat oder vielleicht mal Kreislaufprobleme bekommen könnte.

Frank wollte jedoch keine weiteren Anstiege mehr überwinden. Und meine Intension war (und bleibt)  die Weitererkundung des E-3 in beiden Richtungen (Ost und West). Da Frank entschieden hatte, dass sein nagelneuer Audi die ganze Woche über im gesicherten Hof unseres Hostels bleibt, war die Reichweite mit den Bussen von Liberec zu den einzelnen Punkten auf der Wanderstrecke natürlich begrenzt. Bedrichov ist von Liberec aus östliche Endstation.

So wollte ich wenigstens die nächste Etappe auf dem Fernwanderweg noch in diesem Kurzurlaub schaffen und auf dem selben Weg wieder zurück gehen.

3-28-04 Von Kristianov nach U Knejpé (5,5 km)

Markierung: blauer Balken bis Wegpunkt Na Knejpy, dann roter Balken bis U Knejpé

Höhendifferenz: 783-1000 m ü. NN

Wegbeschaffenheit: Asphalt 60%, Betonplatten 30 %, Kiesweg 10 %

So trennten sich unsere Wege an der Abzweigung in der Glasmachersiedlung Kristianov (Christiansthal). Frank marschierte in südlicher Richtung weiter und wollte den großen See namens Josefodolská prehrada (Vodní dilo Josefúv Dúl) umwandern. Er folgte dabei dem Radweg Nr. 3021 und wollte dann auf einer nicht markierten Route nach Bedrichov zurück. Wie er später berichtete, bekam er dabei einige Probleme, kam aber letztlich auch rechtzeit zum Bus nach Liberec zurück.

Zum Startort Kristianov gibt uns eine Tafel (Nr. 2) des Glasmacher-Wanderwegs einige Informationen in deutscher Sprache: ZITAT: „Die Glasmachersiedlung wurde vom Hüttenmeister Johann Leopold Riedel gegründet. Sie bestand aus dem Herrenhaus, den Häusern der Glasmacher, einer Mühle, einem Sägewerk und später auch einem Friedhof, einer Kapelle und einem Schulgebäude. Das erste Glas wurde hier am 17. Januar 1776 hergestellt. Im Jahre 1790 gründete der hiesige Kaplan Starrey die Tradition der Marienwallfahrt, die heute vom Museum für Glas und Bijouterie in Jablonec nad Nisou fortgesetzt wird. In der Glashütte wurden bis zum 7. August 1887, als sie abbrannte, Hohlgläser, Lusterbehänge und Bijouterie-Halbfertigprodukte hergestellt.“ (ZITAT ENDE.

Wie bereits erwähnt war das kleine Glasmacher-Museum geschlossen. Wir hätten uns besonders über den Imbissbterieb gefreut. Der im „Gorges“ angegebene nächste Etappenpunkt nennt sich „U Knejpé“. Das hört sich doch irgendwie nach „Kneipe“ an, dachte ich…. Ich sollte mich täuschen!

DIE WGBESCHREIBUNG: Wir verlassen die kleine Glasmachersiedlung, die auf einem weiträumigen Wiesenhang errichtet wurde, und gelangen bald wieder in dichten Wald. Rechts am Wegrand erblicken wir ein altes, etwas verfallenes Häuschen der einstigen Glasmacher. Dann geht es auf Asphalt deutlich spürbar aufwärts.

Der Weg wird zunehmend steiler und nach einer Linkskurve überqueren wir eine neuzeitliche Bachbrücke.

Dann steigt der Weg steiler an, der Fichtenwald wird noch dichter und dunkler (wo lauert der böse Wolf?) Den bald folgenden, rechts abzweigenden Kiesweg lassen wir außer Acht und gehen gerade aus immer weiter aufärts.

Ein Gedenkstein erinnert an einen Herrn Karl Jäger (Erläuterung dazu nur auf tschechisch). Kurz danach marschieren wir auf Betonplatten weiter. Ab hier wird die Vegetation abwechlsungsreicher. Zwischen den intakten Laub- uhnd Nadelbäumen sehen wir abgestorbene Fichten, die in der Oktobersonne wie riesige Fischskelette anmuteten (siehe erstes Bild in diesem Beitrag).

Schließlich erreichen wir auf exakt 1.000 Metern Seehöhe den Wegpunkt „ROZMEZI“. Es ist der höchste Punkt auf dem Rücken des Schwarzen Berges (Cerná Hora). Der Wegweiser gibt uns folgende Entfernungen an: Cihadla 1 km, U Knejpy 2 km, Smédava 5 km. Von Nova Louka sind bereits 6 km geschafft.

Auf dem Weg zur Cihadla bietet sich nach links ein Holzsteg zu einem Abstecher in das Hochmoor an. Gegenüber lädt eine massive Sitzgruppe zur Rast ein.

Weiter verläuft der Betonplattenweg um eine Rechtskurve am Rande eines Schonungszaunes des Nationalparks. Dann ist der Wegpunkt „Cihadla“ (973 m) erreicht. Hier befindet sich eine Wanderkarte und eine Schutzhütte.

Wieder ist ein Kilometer geschafft, der nicht mehr so anstrengend war. Es geht nach rechts auf einem vielbefahrenen Radweg weiter, nun wieder auf Asphalt. Nach 500 Metern folgt eine breite Abzweigung (Punkt U Knejpy“ – 981 m).

Achtung: Ab hier ist der E 3 wieder rot markiert und zweigt nach links ab. Die lange Gerade mit der blauen Markierung führt in südliche Richtung nach Josefuv Dúl (Josefsthal).

Die letzten 500 Meter zum Etappenziel Na Knejpe“ sind leicht zu meistern. Auf der Hochebene um 990 Metern Seehöhe wachsen nur junge Bäume und jede Menge seltener Pflanzen.

Dann stehe ich vor der Holzhütte, die als Zielpunkt Na Knejpé im „Gorges“ aufgeführt ist. Hier kreuzt der sehr stark frequentierte Radweg Nr 22.

Es gibt Wegweiser, Wander- und Loipenkarten, eine herrliche Aussicht – aber nichts zu trinken. Also: „Knejpé“ hat mit Kneipe nichts zu tun. Und ich hätte doch sooo gerne ein kühles Blondes….

Fortsetzung folgt.

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