2018 Erlebnisbericht Nordböhmen (3): Von Bedrichov weiter östlich

Stausee Bedrichov

Aufbruch in das Isergebirge (Teil 1)

Goldenes Oktoberwetter am Montag, 15. Oktober 2018. Keine Wolke am Himmel und ein fettes Frühstück vor der Nase. Der erste Pluspunkt für unser Domizil. Allerdings nur Pulverkaffee und sehr wortkarges Personal. Wie hieß Guten Morgen noch mal auf Tschechisch?

Wir fanden heraus, wo die Teller und Löffel versteckt sind, wo man den Toaster anschließt und auch, dass man das Geschirr nur „anspülen“ muss. Von 7 bis 10 Uhr könnte man sich richtig den Bauch voll hauen. Wollten wir aber nicht.

Vor dem Hostel rackerte ein Bautrupp im Bachbett der jungen Neiße. Sicherlich ging es dabei um Absicherungsarbeiten vor den nächsten Hochwasser-Fluten.

Unser Plan war: Den Fernwanderweg E 3 ab Bedrichow (unsere vorherige Endstation) weiter in Richtung Nordost zu erkunden.

Also ging es mit der Linka (Linie) 15 nach FÜGNEROVA und von dort mit der Linie 18 für 24 Kronen nach Bedrichow. Erstaunlich, dass diese 30-minütige Fahrt um eine Krone billiger ist als die Stadtfahrt vom Inter Hostel zum Buszentrum.

Zuvor sind wir aber noch einmal in das städtische Tourismus-Büro in Liberec (100 Meter vom Rathaus entfernt), um uns mit interessanten Broschüren und Fahrplänen zu versorgen.

Am kleinen Stausee am Nordzipfel von Bedrichow hatten wir vor Jahresfrist unsere Erkundungen auf dem E 3 beendet. Gegenüber am Kiosk mit der Schnitzfigur hatten wir 2017 noch ein Gruppenfoto gemacht. Und dort standen wir jetzt wieder. Hier beginnt die Wegbeschreibung des Abschnitts

3-27-03: Von Bedrichov (Friedrichswald) nach Kristiánov

Markierung: Gelber Balken bis Nova Louka (Neuwiese), danach blauer Balken

Strecke 6,5 km

Höhenunterschied 665-8xxxx m (Überwiegend ansteigend, aber nur mäßig schwer)

Gleichlauf mit dem neuen Lehrpfad „Auf dem Weg der Glasmacher des Isergebirges“

Die Größe des Parkplatzes vor der Skiarena lässt erahnen, was in Bedrichov mit Beginn der Wintersaison los sein muss. Bei einer späteren Tour haben wir festgestellt, dass fast jedes zweite Haus eine Pension oder ein Hotel ist und dass noch massenhaft weitere Parkplätze bereit stehen.

Von Bedrichov führt uns der Weg zu 40 Prozent auf Kieswegen, ansonsten leider auf Beton oder Asphalt durch Buchen- und Mischwälder auf die lang gezogenen Berghänge eines Granitmassivs. Auf unserer Wanderkarte wird deutlich, dass es fast nur aufwärts gehen kann. Jeder eingezeichnete Punkt auf der Karte liegt höher als der vorhergehende.

Vom Bedrichover Teich (laut H.J. Gorges: Stausee) führt der Weg in nördlicher Richtung auf den Waldrand zu. Am Waldrand finden wir einen Klettergarten mit Kletterturm und eine Siegertafel des 50-km-Gedächtnis-Skilaufes an eine verunglückte Peru-Expedition. Hier sind alle Sieger dieses Rennens seit 1968 bis 2018 aufgeführt.

Daneben finden man eine große Schnitzfigur, mehrere Infotafeln (nur auf tschechisch) und Wander- bzw. Skiloipenkarten.

Der breite Kiesweg schlängelt sich den Fichtenwald hinauf und folgt einer Hochspannungsleitung. An einer Wegegabelung finden wir eine erste Wanderkarte. Auf dem höchsten Punkt dieses Abschnitts (U Nové Louky) sind 791 Höhenmeter erreicht.

Der Wegweiser zeigt uns nur noch 0,5 km zum Wegpunkt Nova Louka (Neuwiese) an. Wir gehen nach rechts auf einem Asphaltweg weiter und stehen bald vor einer historischen Gaststätte, die in den Jahren 1756 bis 1757 aus einer Glasmachersiedlung des Hüttenmeisters Johann Josef Kittel gegründet wurde.

Das herrschaftliche Umgebindehaus war 2018 zur Sanierung umrüstet und präsentierte sich unserer Erkundungsgruppe nicht in schönster Pracht. Wie uns eine Infotafel vor Ort erläutert, wurde die Glashütte im Jahre 1769 Eigentum der Familie Riedel. Hier wurden Hohlgläser und Halbfertigprodukte für die Glasbijouterie hergestellt.

Weiter ist auf der Infotafel zu lesen (O-Text): „Ihr Schicksal erfüllte sich im Jahre 1844, als sie die Grafen von Clam-Gallas erwarben. Diese ließen das Herrenhaus aus dem Jahr 1797 zu einem Jagdschlösschen umbauen, das bis heute noch hier steht. Der Tschechoslowakische Staat wurde im Jahr 1929 Eigentümer der Gebäude und Grundstücke. Heute dient das Gebäude als Bergpension und Restaurant (ZIT Ende).

Die benannte Bergpension nennt sich Hotel Sámalova Chata. Es ist natürlich auch mit dem Auto zu erreichen. Da hier ganze Busgruppen eintreffen, könnte es eng mit einem Sitzplatz werden.

Obwohl die beiden Herren hinter dem Tresen nicht sonderlich freundlich waren, raten wir dringend zu einer Einkehr. Auf den nächsten vierzehn Kilometern gibt es auf dem E 3 zumindest vor der Wintersaison keinerlei Gastronomie oder Einkaufsmöglichkeit.

Hinweis: Der E 3 verläuft auf diesem Abschnitt gleichauf mit dem neuen Glasmacherweg (18 km). Eine Faltbroschüre zu diesem Weg ist (auch in deutscher Sprache) in jedem Touristikbüro des Isergebirges erhältlich.

Unmittelbar vor dieser Gaststätte zweigt der fein geschotterte Weg nach rechts ab, weiterhin blau markiert. Am Ende des Umgebindehauses finden wir eine Infotafel mit Karte und u. a. deutschem Erläuterungstext. Leicht abwärts passieren wir eine Schranke und steuern wieder auf einen Wald zu. Zunächst wandern wir durch Feuchtwiesen, dann durch sumpfiges Gelände mit einzelnen Bäumen, dann wieder durch Mischwald. Wer tschechisch spricht, kann auf einer Infotafel viel über dieses einzigartige sumpfige Gebiet erfahren.

Blatny Rybnik

Nach 500 Metern erreichen wir einen idyllischen Waldsee, vor dem wir dir nächste Infotafel zum Glasmacherweg (Nr. 4) finden. Hier ist zu lesen: ZITAT „Der große Brennholzverbrauch der Glashütten von Neuweise und Christiansthal führte die Obrigkeit Reichenberg im Jahr 1781 zur Entscheidung, in der Nähe der Siedlungen ein Sägewerk zu erreichten, das beim Betrieb vom aktuellen Wasserstand unabhängig ist. Graf Christian Philipp von Clam-Gallas ließ deshalb am Blattenbach einen Teich anlegen. Das Sägewerk war bis zum Jahr 1920 in Betrieb.Danach diente das Wasserrad zum Antrieb des Kraftwerks der Forstverwaltung“. (Zitat Ende).

Gemeinsam mit der grünen Markierung geht es nun nach links auf die 2,5 Kilometer lange Asphaltstrecke nach Kristianov. Auch am linken Wegrand gibt es in tschechischer Sprache noch viele Infotafeln. Wir passieren den Auerhahnstein (Felsblock mit Kreuz) und überschreiten den Großen Kamnitz-Bach (Velky Kamenicky Potok).

Die Kleinstraße steigt sanft an und führt durch herrlichen Wald, in dem sich abgestorbene Fichten wie riesige Fischskelette im herbstlichen Sonnenlicht präsentieren. Der sauere Regen hat die früheren Monokulturen zum schnellen Holzwachstum großflächig vernichtet. Junger und artenreichen Wald wächst jetzt nach.

Immer weiter leicht aufwärts finden wir an einer weiteren Brücke die 3. Tafel des Glasmacherweges. Hier wird uns folgendes erklärt: WORTLAUT: „Im Jahre 1835 ließ der Hüttenmeister Carl Josef Riedel aus Christiansthal diese Steinbrücke errichten. Gleichzeitig ließ er ein Wasserleitungssystem anlegen, das ein Jahr später fertig gestellt wurde und das Wasser bis ins Herrenhaus führte. Der Weg über die Kamnitz-Bach in Richtung Neuwiese und weiter nach Reichenberg und Gablonz war für Christiansthal überlebenswichtig, da dieser Weg den Ort geschäftlich an die Welt anschloss“. ZITAT ENDE.

Auf dem weiteren Weg fällt uns ein bemoster, knorriger alter Baum auf. Dann ist der nächste Wegweiser in Höhe der Glasmachersiedlung Kristianov oder Christiansthal erreicht.

Auf unserer Broschüre zum Glasmacherweg finden wir zum kleinen Museum in der Glasmachersiedlung Kristianov folgende Stihpunkte: Interaktive Exposition der Geschichte´einer der bedeutendsten Glasmachersiedlungen im Isergebirge + Zusammensetzung des Siedlungsmodells verbunden mit der Suche des Schatzes des sagenhaften Zauberers Tamann + Verkauf von Souvenirs und Imbiss + Sitzmöglochkeiten im gemütlichen Umgebindehaus oder auf der überdachten Terrasse mit Blick in die Landschaft. Öffnungszeiten: Von Mitte Mai bis Mitte Oktober (gemäß der aktuellen Wetterlage). Die Öffnungszeiten müssen auf der Webseite des Mueums (www.msb-jablonec.cz) nachgeprüft werden.

Die Mitte des Oktobers haben wir am 15. Oktober 2018 offenbar verpasst. Das Wetter war nicht schuld, dass das Museum geschlossen war. Und wir hatten doch so sehr auf eine Einkehr gehofft.

Der kleine Ort Christiansthal bestand nur aus ein paar Häusern, einem Friedhof, einer großen Hütte und einigen Infotafeln und Wegweisern. Die Karte machte sehr deutlich, dass es zum nächsten Etappenziel auf dem E 3 kräftig bergauf gehen muss. Da entschied sich Frank, lieber auf einem Seenrundweg zurück nach Bedrichov zu wandern. Ich aber wollte unsere E-3-Erkundung unbedingt noch ein Stückchen nach Osten erweitern. So haben wir uns getrennt und am Abend in Liberec wieder gefunden.

Empfohlene Wanderkarte: Chránéná Oblast JIZERSKÉ HORY – Touristiká a Lyzarska Mapa

1:25.000 (Keine ISBN gefunden).

Fortsetzung folgt

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