2007 Auf den Spuren der Kelten in der Wetterau

Das keltische Kalenderbauwerk am Glauberg

Die Wetterau gehört sicherlich nicht zu den attraktivsten Wandergebieten Hessens. Als eine der Kornkammern in der Mitte Deutschlands war die Region jedoch vor Jahrtausenden schon aufgrund der Fruchtbarkeit des Bodens bei unseren Vorfahren als Siedlungsgebiet geschätzt. Neuzeitliche Ausgrabungen erbringen dafür stetig neue Beweise.

Wichtiger Hinweis: Beitrag aus dem Jahr 2007!

Bei der Jahresabschlusswanderung des SV Phönix Düdelsheim am letzten Wochenende 2007 wandelten die Teilnehmer nicht nur auf der historischen Bonifatius-Route, sondern auch auf den Spuren der Kelten. Der Wanderweg führte an den Glauberg, an dem ein keltisches Kalenderbauwerk entdeckt und rekonstruiert wurde. Die Erläuterungstafeln erzählen eine spannende Geschichte, die wir für Euch zusammengefasst haben.

„Zwischen Himmel und Erde“ steht als Überschrift der ersten Erläuterungstafel. Diese klärt zunächst darüber auf, dass in allen vorgeschichtlichen Kulturen die Zyklen von Sonnen und Mond die Grundlagen für das Kalendersystem bildeten. Durch die Beobachtung der Gestirne konnten der Fortgang der Zeit und der stete Wechsel der Jahreszeiten genau erfasst werden. Weil sich dadurch die günstigsten Termine für Aussaat und Ernte ermitteln ließen, war ein solches Verständnis für die bäuerlich geprägte Gesellschaft in der Vorzeit äußerst wichtig. Die Pfostenspuren und das Grabenwerk gaben den Archäologen lange Zeit Rätsel auf. Nach neuesten Untersuchungen waren sie Teil eines frühkeltischen Kalenderbauwerks, mit dem regelmäßig wiederkehrende Ereignisse am Firmament beobachtet werden konnten.

Die Informationstafel klärt weiter darüber auf, dass das Hauptaugenmerk wie in fast allen antiken Kulturen auf den Aufgangspunkten der Gestirne lag. Die Pfosten dienten demnach als Pfeilmarken, um bestimmte Kalendertage anhand der Aufgangspunkte von Sonne und Mond zu ermitteln. Das Kalenderbauwerk am Glauberg diente vornehmlich der Beobachtung des östlichen Himmels. Wie das geschah, wird anhand von Skizzen auf der Erläuterungstafel eingehend dargestellt.

Wie in den Tafeln weiter erläutert wird, besaß das Kalenderbauwerk nicht nur einen praktischen Nutzen für den Alltag der Menschen in keltischer Zeit. Durch den Zusammenhang mit den Grabmalen ist der Bau vor allem als kultische Anlage zu sehen. Die keltischen Druiden konnten von hier aus das genaue Datum von Feiertagen und heiligen Zeiten bestimmen. So weist das Bauwerk auf eine überregionale sakrale Bedeutung des Glaubergs in frühkeltischer Zeit hin. Die Rekonstruktion einer solchen Anlage aus dieser Zeit ist bislang einmalig. Dem interessierten Besucher werden exakt errechnete Beobachtungspunkte angegeben, von denen aus sich die auf Fotomontagen dargestellten Visierlinien nachvollziehen lassen.

Weitere Schautafeln stellen Fundstücke dar, die bei den Ausgrabungen zum Vorschein kamen. Unter anderem entdeckten die Ausgräber eine lebensgroße Statue, die einen Krieger mit Brustpanzer, Schwert und Schild darstellt. Als ebenso sensationell wird die Entdeckung des Systems von Gräben und Wällen, das den Fürstengrabhügel weitläufig umgibt. Diese monumentale Grabanlage wurde in Teilen rekonstruiert und ist bisher ohne Beispiel. Man deutet diese Anlage als Einfassung eines heiligen Bezirks frühkeltischer Zeit.

Drei Heimatforscher waren es, die 1988 bei einem Rundflug kreisförmige Verfärbungen im heranreifenden Getreide entdeckten und das Landesamt für Denkmalpflege auf die heiße Spur brachten. Der zunächst noch unklare Befund wurde 1994 archäologisch untersucht. Bereits im ersten Jahr der Ausgrabung stieß man auf einen riesigen, eingeebneten Grabhügel mit einem Durchmesser von 50 Metern und einer Höhe von 6 Metern. Dieser Grabhügel ist heute in seiner ursprünglichen Form und Größe rekonstruiert.

Die Anlage ist Teil des „Archäologischen Parks Glauberg“ (APG). Informationen können über die Gemeinde Glauberg, Tel. 06041-8268-0 bezogen werden. Fundstücke sind im Glauberg-Museum zu besichtigen, das ab dem 27. Januar nach der Winterpause wieder geöffnet ist.

Zum keltischen Kalenderbauwerk gelangt man wie folgt: Autobahn A 45, Ausfahrt Altenstadt, über die B 521 in Richtung Büdingen bis Düdelsheim. Am Ortseingang links in die Straße Am „Glockengang“, dort Parken. An der Wegverzweigung links und ca. 2 km zu Fuß in nordwestlicher Richtung auf befestigtem Feldweg zur Kalenderanlage (weithin sichtbar).

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