D-65385 Benediktinerinnenabtei St. Hildegard zu Eibingen

Lange Zeit nur „Filialkloster“

Was ist am Rhein nicht mit dem Weinbau verbunden? Selbst über 800 Jahre alte Klöster sind in ihrer Geschichte irgendwie mit dem Weinanbau verknüpft. Das gilt auch für die Benediktinerinnenabtei St. Hildegard bei Eibingen, nur einen Kilometer nördlich von Rüdesheim entfernt auf einer Anhöhe gelegen. Die Gründung ist natürlich auf Hildegard, die erst später den Beinamen „von Bingen“ erhielt, zurückzuführen. Über Hildegard von Bingen findet man in und um Rüdesheim massenhaft Literatur. Hier nur das Wesentliche in Kürze: Hildegard wurde 1098 als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert von Bermersheim und seiner Gemahlin Mechthild geboren. Schon in frühester Jugend wurde das überaus begnadete Kind der Klausnerin Jutta von Sponheim zur  Erziehung anvertraut. Nachdem um 1112 auf dem Disibodenberg im Nahegebiet eine bedeutende Benediktabtei gegründet wurde, entschied sich Hildegard hier endgültig für die klösterliche Lebensform und übernahm nach dem Tod Jutta von Sponheims die Leitung der stetig wachsenden Frauengemeinschaft. Im Jahr 1141 begann sie mit der Niederschrift ihres ersten theologisch-visionären Werkes „SCIVIAS“. Papst Eugen III. erkannte dieses Werk auf der Synode zu Trier öffentlich an und ermutigte Hildegard als Visionärin zu neuen Werken.

Zu jener Zeit entschied sich Hildegard, die Frauengemeinschaft von der Mönchsabtei zu lösen und den Disibodenberg zu verlassen. An der Mündung der Nahe in den Rhein ließ sie das Kloster Rupertsberg erbauen. Schon 15 Jahre nach der ursprünglichen Besiedlung mit einem aus 18 Nonnen bestehenden Konvent machte das Anwachsen der Gemeinschaft die Gründung eines zweiten Klosters notwendig. Hier beginnt die Geschichte der Abtei St. Hildegard zu Eibingen.

Als Quelle der bisherigen Erläuterungen in diesem Beitrag diente der Reiseführer „Klöster und Wein im Rheingau“ (Redaktion Paul Claus/Josef Staab) aus dem Jahr 1998. Hier geht es sehr detailliert zur Geschichte weiter, doch wollen wir uns dem widmen, was der Wanderer auf dem seinem Weg hier entdeckt. Der berühmte Rheinsteig umgeht das Kloster, ebenso wie viele andere Wanderwege. Man findet jedoch auf dem kurzen Weg von Eibingen zur Abtei den gelben Weinrömer (Wein-Riesling-Route) und die Markierung H 7. In unserer empfehlenswerten Unterkunft..

Haus Panorama (Terrasse mit herrlichen Ausblick auf das Rheintal)

Sudetenstraße 3, 6538 Rüdesheim am Rhein (Stadtteil Eibingen), Tel. 06722-2897

..hält die Gastgeberin eine Lektürensammlung zum Thema bereit. Aus diesen erfahren wir, dass bereits 1148 ein bereits bestehendes Augustinerkloster gebrandschatzt wurde. So lesen wir die Geschichte hier aus einem anderen Blickwinkel: „Die Rupertsberger Äbtissin benötigte Raum für die wachsende Klostergemeinschaft. So erwarb sie Grundstück und Gebäudereste dieses Klosters, plante, brachte die Renovierungsarbeiten in Gang und noch im gleichen Jahr konnten die ersten Nonnen einen Seitenflügel beziehen und in der wieder hergestellten Kirche Gottesdienst feiern“. Zitat Ende.

Das Kloster bei Eibingen blieb gegenüber dem Kloster Rupertsberg weniger bedeutungsvoll und behielt lange Zeit den Rang eines Filialklosters. Für Hildegard aber hatte es keine untergeordnete Bedeutung. Sie liebte es wie ihre Erstgründung auf der anderen Seite des Rheins und besuchte es zweimal die Woche. In den Gründungstagen dieses Klosters war Hildegard damit beschäftigt, auf Bitten des Abtes vom Disibodenberg eine Vita des Heiligen Disibod zu verfassen.

Um weiteres über die Geschichte der Abtei zu erfahren, muss man in diesen Dokumenten rund ein halbes Jahrtausend überspringen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster Rupertsberg zerstört. Daraufhin siedelten  die Nonnen von dort in das Eibinger Kloster, dass übrigens im Jahr 1814 säkularisiert wurde.

Großer Sprung. Beim Versuch, die Informationslücken zu schließen, blättern wir im Ordner gesammelter Presseberichte unserer Gastgeberin herum und finden einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 14. April 1998 (Autor: Kurt Flasch). Die Headline lautet: „Wenn Hildegard die Stimme hob, hatten die Priester nichts zu lachen“ und als Subline liest man: „Aber ihre heutigen Verehrer freuen sich zu früh: Die Heilige, die gar keine war, hat ihren modernen Kult nicht verdient“. Wie nun? Heilig, oder unheilig? Der Autor beschreibt Hildegard von Bingen als eine Prophetin, die das Ende der Welt kommen sah. So konnte sie ja nicht voraussehen, dass ihre Anhänger sie 900 Jahre nach ihrer Geburt für alle möglichen frommen und weniger frommen Zwecke in Anspruch nehmen würden. Man stellt in diesem Beitrag die Frage: „Wollte sie die weibliche Hälfte der Menschheit befreien und die tierische Hälfte der Schöpfung erlösen?“ Dem Autoren Kurt Flasch sind „die Dämpfe nicht geheuer, die aus den Töpfen von Hildegards Verehrern steigen“. Weiter ist im Text der FAZ zu lesen: „Er (der Autor) hat überprüft, ob die Rezepte, nach denen diese Mixturen aus Frauentrotz und Seelentrost zusammengebraut werden, wirklich von der bemerkenswerten Frau stammen, der man sie zuschreibt. Hildegard glaubte, dass Gott durch sie redet. Wer will da mit ihrer Stimme sprechen?“ Zitat Ende.

Immer noch viel Hildegard und wenig zum mächtigen Bauwerk, dass übrigen nur einige Hundert Meter Luftlinie vom Niederwald-Denkmal entfernt steht. Suchen wir weiter und finden in der Zettel-Sammlung unserer Gastgeberin einen Ausdruck der Uni Mainz. Als Urhebernachweis hier der Link, den wir oben am Rand des Zettels noch lesen können:

http://www.Uni-Mainz.DE/~horst/hildegard/wirk/eibing.html

Wir erfahren auf dieser Seite, dass die Stifterin des ursprünglichen Augustiner-Doppelklosters die Adelige Marka von Rüdesheim war. 1148 gestiftet, war es bereits 1165 verwaist, und hier nennt man die von Kaiser Barbarossa ausgelösten Kriegswirren als Ursache. Nach der bereits erwähnten Übersiedlung der Nonnen von Rupertsberg nach Eibingen, geht die Geschichte in dieser Abhandlung mit dem 22. April 1219 weiter, vier Jahrzehnte nach Hildegards Tod. An diesem Tag unterstellte Papst Honorius III. das Kloster Eibing seinem Schutz. Die Aufsichtsrechte der Rupertsberger Meisterin hinsichtlich der Zweitgründung wurde in einer Urkunde von 1268 geregelt.

Von 1373 bis 1417 trug Benigna von Algesheim die Würde des Äbtissinen-Amtes – länger als Hildegard selbst. Es wird hier erwähnt, dass die Nonnen im Kloster Eibingen zum Teil bürgerlicher Herkunft waren. Dann macht die Geschichtsschreibung wieder einen 150-Jahre-Sprung. Wir erfahren, dass im ausgehenden 15. Jahrhundert und danach häufig Spannungen austraten – unter anderem zwischen Kurmainz und Pfalz – die sich bis in den Klosterbereich auswirkten. Eine Klosterreform erfolgte in Eibingen im Jahr 1505 unter dem Mainzer Erzbischof Jakob von Liebenstein. Es wird erläutert, dass auch diese die rückläufige Entwicklung  nicht stoppen konnte. So lebten 1575 nur noch drei Schwestern, die schließlich auf Anweisung des Erzbischofs Daniel Brendel von Homburg in die Zisterzienserinnenabtei Marienhausen übersiedelten. Dadurch konnte das Kloster Eibingen den vor der Welle der Reformation flüchtenden Augustinerinnen von St. Peter bei Kreuznach viele Jahre eine Bleibe bieten. Bevor auch dieser geschichtliche Überblick zum Dreißigjährigen Krieg weiterleitet, wird noch erwähnt, dass Cunigundis Freiin von Dehrn, Äbtissin von Ruppertsberg, nach langen und zähen Verhandlungen die urkundlich verbürgte Rückgabe des Klosters Eibingen erwirkte.

Die Schweden waren es, die 1632 im Dreißigjährigen Krieg das Kloster Rupertsberg nieder brannten. Für die Nonnen, die mit den Hildegard-Reliquien 1636 erst über Köln nach Eibingen  kamen, brachen Zeiten von Not und Entbehrungen an. Vor dem plündernden Kriegsvolk flüchteten die Nonnen zunächst nach Mainz und kehrten erst 1641 zurück. Als letzte Äbtissin von Rupertsberg legte Anna Lerch von Dirmstein bereits 1642 mehr oder weniger  unfreiwillig ihr Amt nieder und danach gab es der Abhandlung der Uni Mainz zufolge einen „gedeihlicher Zeitabschnitt“. Mit der jungen Äbtissin Magdalena Ursula von Sickingen blühte das monastische Leben im Wechsel von Gebet und Arbeit wieder auf. Sie starb im Alter von 52 Jahren anno 1666 an der Pest. An sie erinnert ein Wappen an der sandsteinernen Türumrandung im Innenhof der Eibinger Pfarrkirche.

Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage ermöglichte auch bald größere Bauvorhaben. Es wird dokumentiert, dass die Erneuerung der ursprünglich quadratischen Klosteranlage in drei Etappen verlief. Unter Aufsicht des Architekten Giovanni Angelo Barello wurde von 1681 bis 1683 Kirche und Westflügel restauriert und einem 1701 von Papst Clemens XI. ausgestellten Ablassbrief zufolge hatte die Hildegard und dem Hl. Rupert gewidmete Kirche sieben Altäre. Aus dieser Zeit wird berichtet: „Der Besuch der Klosterkirche nahm zwar zu, doch entwickelte sich keine eigenständige Wallfahrt nach Eibingen“.

Was nun bei allen erwähnten Nachschlagwerken noch fehlt, ist die eingangs in einer Kurzbeschreibung erwähnte Verbindung zum Wein. Da werden wir aber bei wikipedia fündig. Hier steht geschrieben: „Dem Lebensunterhalt der Gemeinschaft dienen das Klosterweingut, der Klosterladen, die Kunstwerkstätten und die Aufnahme und Betreuung von Gästen. Auch werden Wallfahrer und Pilger zum Schrein der Hl. Hildegard in der ehemaligen Kloster- und jetzigen Pfarrkirche von Eibingen betreut“.

Auch bekommen wir dort Informationen zur jüngeren Geschichte: Wir erfahren, dass das Kloster im Zeitraum 1900 bis 1904 im neoromanischen Stil neu erbaut und von Fürst Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg gestiftet wurde. Besiedelt wurde es nach der Fertigstellung von Benediktinerinnen der Abtei St. Gabriel. Im Zuge des Klostersturms der Nationalsozialisten wurden die Schwestern 1941 von der Gestapo vertrieben, konnten nach Kriegsende jedoch zurückkehren.

Äbtissin ist seit 2002 Mutter Clementia Killewald und seit 2002 gehört das Kloster zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Benediktinerinnenabtei St. Hildegard
Postfach 1320, 65378 Rüdesheim am Rhein
Klosterweg, 65385 Rüdesheim am Rhein
Telefon: 06722/499-0
e-mail: benediktinerinnen@abtei-st-hildegard.de

http://www.abtei-st-hildegard.de

 

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.