03-01-00 Auf dem Ferwanderweg E 3 Teil 2

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Auf Spurensuche in Santiago de Compostella

Kurz vor High Noon erwachen wir aus einem Tiefschlaf nach zuvor mehr als 48 Stunden ohne Bettruhe. Hans holt seinen elektronischen Übersetzer und sein Spanisch-Wörterbuch zu Hilfe, um mit dem Hauswirt die Dauer unseres Aufenthaltes abzustimmen. Ob es gelungen ist, wird sich noch zeigen. Der „Café con Leche“ bringt uns schnell in Schwung. Das Ziel des Tages: Irgendwo den Einstieg in den Jakobsweg im Bereich des östlichen Teils von Santiago zu finden. Zuvor aber muss der obligatorischen Pflicht, ein paar Postkarten zu schreiben, noch Genüge getragen werden. Es ist Sonntag, 4. November 2007. Strahlend blauer Himmel, fast 23 Grad Celsius. Besser konnte es für Film- und Fotoaufnahmen kaum kommen.

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Wie wir im Nachhinein anhand eines Stadtplanes feststellen konnten, beginnt die Spurensuche an jenem Sonntag mit einer gründlichen Fehlentscheidung. Wir beschließen, vom Plaza del Matadero über die Virxa da Cerca in südlicher Richtung loszumarschieren. Wären wir anstatt dessen nur 50 Meter nach rechts gegangen, hätten wir an der „Porta do Camino“ sofort den Einstieg auf den Jakobsweg und somit auf den Fernwanderweg E 3 gefunden. So aber ging der ganze Sonntag für einen endlosen Stadtmarathon flöten. Das aber hatte den Vorteil, dass wir Santiago de Compostela sehr eingehend kennen lernen durften. Nach einer ersten Kaffeepause im „Meson Cestanos“ genießen wir das lebhafte Treiben am Rande der „Zona Monumentale“. Ein drittklassiger Musiker blökt uns irgendwann mit falschen Gitarrenakkorden ein jämmerliches „Oh Mamy Blue“ in die Ohren – das Zeichen zum Aufbruch, bevor er dafür auch noch Geld kassieren will.

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Apropos Geld: Wir haben nur durch Zufall erfahren, dass die Fassade der Kathedrale auf den Spanischen 1- bis 5-Cent-Münzen abgebildet ist. Auf dem Weg durch die Innenstadt, die mit der Kathedrale und dem Jakobsweg als UNESCO-Weltkulturerbe ausgewiesen ist, bestaunen wir das Universitätsgebäude mit seinen prachtvollen Verzierungen. Meinem Reisebegleiter Hans ist sofort aufgefallen, dass der Anteil junger Menschen hier erstaunlich hoch ist. Das wird wohl an der Universität liegen. Vielleicht aber verkriecht sich hier die ältere Generation hinter dem Fernseher. Idyllische schmale Gassen mit unzähligen Bars, Cafés und Souvenirshops führen auf große Plätze mit prachtvollen Brunnen und Denkmälern. Auf dem riesigen Vorplatz der Kathedrale ist eine Ausstellung mit großformatigen Bildern des „Camino de Santiago“ aufgebaut. Unzählige Pilger wandern mit Rucksack und Pilgerstab umher. An einem Stand werden Heiligenfiguren und sogar Pilger als lustige Stoffpuppen angeboten. Einige wandeln in der Kleidung eines Apostels umher und im Torbogen südlich des Hauptportals der Kathedrale zeigt heute ein Dudelsackspieler sein Können. Nahe der Kathedrale findet sich das ‚Hostal de los Reyes Católicos‘, das seit 1499 als Königliches Hospiz zur Aufnahme von Reisenden diente und heute eines der bekanntesten und luxuriösesten Parador-Hotels ist. Das Hotel ist eines der ältesten der Welt. Laut wikipedia verfügt es über vier Kreuzgänge, elegante Räume und einen prächtigen Speisesaal.

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Nun aber beginnen wir unsere Spurensuche ernsthaft und wandern durch die lebhafteste Straße in der Altstadt Santiagos, der Rúa de Franco. Hier finden sich die zahlreichen Edelrestaurants mit den galicischen Spezialitäten wie Pulpo cocido oder Vieira.

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In den Schaufenstern erblicken wir stattliche Tintenfische, riesige Schinken, edle Weine und die todgeweihten Fische, Langusten, Hummer und anderes Meeresgetier. Wir können uns eine Einkehr in ein solches Lokal sowieso nicht leisten und wandern weiter über den „Praza de Galicia“ in die „Alameda“ oder „Parque da Ferradura“, von dessen Promenade sich ein sehr schöner Blick auf die Altstadt und die Vorderseite der Kathedrale bietet.

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Wie bei wikipedia.de zu erfahren war, fand im Schatten der Bäume noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts der traditionelle Compostelaner Viehmarkt statt, während sich am anderen Ende dieses „Hufeisens“ (= Ferradura) das Denkmal für die galicische Dichterin Rosalía de Castro befindet. Wir staunen über den herrlich angelegten Park mit seinen vielfältigen Blumen, Palmen und Monumenten. Eine geruhsame Atmosphäre herrscht hier. Und dazu wird das Rauschen des nahe gelegenen Atlantiks über Lautsprecher in den Bäumen übertragen.

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Am südlichen Ende des Parque da Ferradura gehen wir ein gewaltiges Treppenportal hinab und stoßen auf einen Kunstpark. Von hier schlagen wir die Richtung Nordost ein, um endlich irgendwo auf die Jakobsmuschel, das Symbol des Jakobsweges und somit auch des E 3, zu stoßen. Wir durchkreuzen dabei den modernen, wesentlich lauteren Teil der Stadt. Schließlich folgen wir einem Weg zu einem imposanten Bauwerk in Richtung Osten. Eine Schautafel verrät uns, dass es sich hierbei um den „Convento de Santa Maria de Belvis“ handelt. Aha! Was immer das heißen mag. Auf Englisch wird uns vermittelt, dass dieses Kloster im 14. Jahrhundert vom Dominikaner-Orden gegründet wurde.

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Der gegenwärtige Barockbau stammt allerdings aus dem 17. bis 18. Jahrhundert. Die Abendbeleuchtung wird eingeschaltet und taucht das Bauwerk in ein atmosphärisches Licht. Sechs Stunden sind wir bereits unterwegs, ohne irgendein Zeichen des Jakobsweges gefunden zu haben. Wir orientieren uns wieder in Richtung Stadtzentrum und wollen die Suche für heute aufgeben. Zum Abschluss wollen wir uns noch einen Absacker in einer typischen Einheimischen-Kneipe gönnen und landen in der Bar Sande Javichy. Das ist aber eine spezielle Geschichte

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