Von der Göynük-Brücke zur historischen Turmruine

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Anspruchsvolle Kurzwanderung bietet herrliche Ausblicke

Göynük/Türkei (bm). Es gibt sie tatsächlich: Markierte Wanderwege an der türkischen Riviera. Von einem ausgebauten Wanderwegenetz kann natürlich noch keine Rede sein. Aber nördlich von Göynük an der Küstenstraße D 400 zwischen Antalya und Kemer sind Wege sogar für deutsche Touristen ausgeschildert (eigentlich nur für deutsche Touristen). An der Schnellstraße D 400 befinden sich unmittelbar an der Göynük-Brücke Haltebuchten, die sich als Ausgangspunkt für Wanderungen in die Göynük-Schlucht und anderen landschaftlichen Highlights anbieten. Hier können Sie mehrere Wanderwege beginnen. Ein anstrengendes Beispiel ist der Weg zur historischen Turmruine. Feste Schuhe und gute Kondition sind dazu nötig.

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Wenn Sie an der Brücke zwischen Göynük und Beldibi in Fahrtrichtung Antalya parken, durchwandern Sie zunächst die Brücke der D.400 und werfen dabei einen Blick nach links auf das Panorama, das Ihnen die Mündung des Göynük-Flusses in das Mittelmeer bietet. Wenn Sie die Brücke durchwandert haben, folgen Sie dem Asphaltweg in westlicher Richtung durch das Göynük-Tal. Rechts Felsen, Bäume und Sträucher, links das Flussbett mit seinen schroffen, weißen Felsbrocken. Eine herrliche Landschaft. Ab Mai ist der Fluss so gut wie ausgetrocknet, in den Wintermonaten tobt hier ein reißender Fluss aus dem Taurus-Gebirge zum Mittelmeer hinab. Nach 700 Metern erblicken Sie in einer Linkskurve rot beschriftete Felsbrocken. Auf dem ersten steht: „Zum historischen Turm (Ruine). Toller Aussichtspunkt“. Auf dem zweiten wird hingewiesen: „ca. 40 Minuten, sehr steil, gute Schuhe“.

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Diesen Hinweis sollten Sie ernst nehmen. Mit Strandschuhen werden Sie sich garantiert verletzen und keineswegs sollte man dieses Stück alkoholisiert angehen. Zunächst geht es durch eine Nadelbaum-Landschaft mit einigen Palmen und üppigem Pflanzenbewuchs. Der Weg wird bald etwas steiler und der Boden felsiger. Rote Striche auf den Felsen weisen Ihnen den Aufstieg. Nach 15 Minuten haben Sie die Stelle erreicht, an der die türkischen Wegmarkierer einen Ast zum Festhalten quer an zwei Bäumen befestigt haben. Wenn Sie hier glauben, es könne kaum noch schwieriger werden, so irren Sie sich. Rot markierte Äste an den Bäumen bieten sich als Haltegriffe an. Sie werden diese besonders „Auffangmöglichkeiten“ beim Abstieg zu schätzen wissen. Im letzten Drittel sind Geröll und kleine Kletterpassagen zu überwinden. An manchen Stellen können Sie bereits einen Blick auf Göynük und die Mittelmeerküste genießen. Die letzten Meter erfordern noch einmal Ihre Kletterkünste und dann ist das Ziel erreicht.

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Die historische Turmruine offenbart sich Ihnen nun möglicherweise etwas enttäuschend. Sie sehen nur ein paar teilweise zu Quadern geschlagene Felsbrocken, die ein Aussichtsplateau abgrenzen. Die Aussicht ist dafür umso schöner. Links fällt der Blick auf die Großstadt Antalya, rechts sind Göynük, Kemer und weitere Städte im Süden zu erkennen, und vor Ihnen das tiefblaue Mittelmeer. Der Aufstieg hat sich gelohnt. Gönnen Sie sich nun die verdiente Pause, denn auch der Abstieg kostet noch Kraft.

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Beim Abstieg gilt: Achten Sie genau darauf, wo Sie Ihren Fuß hinsetzen. Ein Fehltritt kann auch bei leichten Kletterpartien schmerzhafte Folgen haben. Schnell ist man über einen Felsgrad gestolpert oder auf Geröll ausgerutscht. Keine Hektik also aufkommen lassen. Auch abwärts weisen Ihnen die rot markierten Felsen den Weg. Sollten Sie auf 20 Metern keine Markierung vorgefunden haben, vergewissern Sie sich, ob Sie nicht vom Weg abgekommen sind. Wir raten Ungeübten dringend davon ab, eigene Abstiegsrouten auszuprobieren. Wenn Sie schließlich den Nadelwald erreicht haben, sollten Sie nicht übermütig werden. Auch hier kann man leicht stolpern oder auf Geröll wegrutschen. Erst wenn der Asphaltweg erreicht ist, darf die Konzentration nachlassen.

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Am Asphaltweg angekommen, können Sie entweder auf dem gleiche Weg zur Goynük-Brücke zurückwandern (nach links) oder 300 Meter nach rechts gehen und in ein Cafe-Restaurant („Ali’s Garten Cafe“) einkehren. Wenn Sie diesem Weg weiter folgen, kommen Sie zu den Wasserfällen und Höhlen des Göynük. Hierzu aber eine Warnung und weitere Erläuterungen, die wir bei Internet-Recherchen unter http://www.kemer-tr.info/Goeynuek-Schlucht.htm gefunden haben. Dort heißt es: Die Flut im Dezember 2003 hat weite Strecken des markierten Weges ins Meer gespült. Stellenweise muss man durch Wasser waten, also unbedingt wasserfeste Badeschuhe mitnehmen. Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, alleine oder ohne Bergsteigerausrüstung höher in die Schlucht hinauf zu klettern oder gar einen Weg vom Berg bei Ovacik hinunter ins Tal zu finden.

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Wie ernst diese Warnungen zu nehmen sind, zeigt diese erschreckende Bilanz des Autoren: Im Sommer 2005 sind drei Menschen bei dem Versuch ohne alpine Ausrüstung, Seile und Sicherung, durch die Schlucht zu klettern, abgestürzt und zu Tode gekommen. Ende Juni war es ein einzelner Bergsteiger aus der Nähe von Dresden, der nach dem Besteigen des Tahtali auch noch die Göynük Schlucht ganz alleine bewältigen wollte – seine Leiche konnte in dem unwegsamen Gelände erst nach 10 Tagen gefunden werden. Ende August 2005 ist ein junger Deutscher, der mit Freunden unterwegs war, abgerutscht und mit dem Kopf auf einen Felsen geprallt – er war sofort tot. Nur vier Wochen später musste wieder eine Rettungsmannschaft aufgestellt werden, um nach einem belgischen Touristen zu suchen. Auch er konnte nach mehreren Tagen leider nur noch tot geborgen werden.

Und noch eine abschließende Mahunung des Autoren: Die Rettungstrupps treffen unterwegs immer wieder Touristen, die in Shorts und Badelatschen auf dem Weg in die Berge sind. Es kursieren auch immer noch fotokopierte Karten von angeblichen Wanderwegen durchs Gebirge. Diese „Wanderwege“ gibt es nicht mehr, den alten Karten zu folgen ist leichtsinnig! Die Gefährlichkeit des Gebirges wird oft unterschätzt, man sollte sich unbedingt an gebahnte Wege halten und niemals alleine losziehen. Die Wege sind sehr steinig und es kommt nach jedem Regenfall zu größeren oder kleineren Bergrutschen. Steine können sich jederzeit aus dem Hang lösen und auf die Wanderer fallen. Festes Schuhwerk, ein Handy oder wenigstens eine Trillerpfeife im Gepäck können Schlimmeres verhüten.

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