D-63654 Kulturhistorischer Rundweg Dudenrod

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Kleiner Rundgang durch Jahrtausende

Beim EVG-Wandern im Umfeld von Büdingen sind wir auf einen ganz besonders interessanten Rundwanderweg gestoßen: Den Kulturhistorischen Rundweg Büdingen-Dudenrod. Wie uns eine Schautafel am Ausgangspunkt vermittelt, führt dieser Rundweg den Wanderer durch eine natürliche Landschaft, die seit vielen Jahrtausenden auch vom Menschen geprägt wurde. Archäologische Zeugnisse belegen, dass die Gegend bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. So finden sich nordwestlich von Dudenrod zahlreiche gut erhaltene Hügelgräber in der Waldregion. Deren Lage – so vermittelt es uns die Infotafel – markiert den Verlauf eines vorgeschichtlichen Verkehrsweges, der bis in die Neuzeit in der so genannten Bettenstraße fortlebte.

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Startpunkt: Parkplatz Dudenrod gegenüber Otto-Heck-Str. 5

Streckenverlauf: Dudenrod – Wolfsbach – Betten – Dudenrod.
Weglänge: 3,4 Kilometer

Höhenunterschied: 130 m.
Markierung: Silhouette der Statue des Keltenfürsten vom Glauberg in weiß auf grünem Grund.
Wanderkarte: z.B. TF 50, Blatt SP, Herausgeber Hessisches Landesvermessungsamt.

Empfohlender Link mit GPS-Download:

http://www.buedingen-touristik.de/de/reisefuehrer/wandertouren/keltenpfad.html

INFORMATION:
Büdinger Tourismus und Marketing GmbH

Marktplatz 9, 63654 Büdingen

Email: info@buedingen-touristik.de

Tel.: 06042 /96370
Öffnungszeiten: Mo – Fr : 10 Uhr bis 17 Uhr

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Im Wolfsbachtal, in dem wir uns hier befinden, gibt es einige botanische und geologische Besonderheiten. Am rechten Ufer des Wolfsbaches befindet sich ein steil ansteigender Südhang bis zum vulkanischen Basalt auf der Höhe. Da der nach Norden geneigte Hang flacher abfällt, bieten diese Standorte unterschiedlichen und speziell angepassten Pflanzen Lebensraum.

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Der hier vorgestellte Rundwanderweg informiert nicht nur über die historische Entwicklung der Region, sondern gibt auch Hinweise auf die geologischen und ökonomischen Besonderheiten. Dazu werden auf der Tafel die Obstbaumkultur, die Waldnutzung, die Teichwirtschaft, die Köhlerei sowie die Pflanzen und Tierwelt aufgeführt. So hat der Wanderer die Gelegenheit, die Schönheit der Region zu genießen und gleichzeitig viel über ihre Geschichte zu lernen.

Hingewiesen wird weiter auf das Heuson-Museum im Rathaus der Stadt Büdingen, wo zahlreiche keltischen Funde zu besichtigen sind. Weitere Informationen erhält der Besucher auch in den hinter Büdingen gelegenen Steinbrüchen.

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Die erste Infotafel auf dem Büdinger Kelten-Rundwanderweg erklärt Euch, dass Streuobstwiesen die traditionelle Form des Obstanbaus prägen. Ideal erwiesen sich dabei Mischbestände aus verschiedenen Obstarten. Es wird dargestellt, dass der Streuobstanbau im 15. und 16. Jahrhundert zunahm und im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Bäume jedoch bei der Technisierung der Landwirtschaft hinderlich. So ging der Streuobstbestand in Hessen seit 1938 um sage und schreibe 90 Prozent zurück. Die wirtschaftliche Bedeutung wurde im Vergleich zu den Obstplantagen immer geringer. Heute besinnt man sich jedoch zunehmend auch auf den ökologischen Wert der Streuobstbestände. Neben ihrem Beitrag zum Bodenschutz und zur Klimamilderung dienen sie als Luftfilter und Bienenweiden. Sie sind Rückzugsgebiet für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Die Infotafel führt Steinkauz, Wendehals, Turteltaube und andere Vogelarten als Bewohner hohler Bäume auf und im reichen Bodenbewuchs finden Rebhuhn, Hase, Blindschleiche, Eidechsen und Insekten Nahrung und Unterschlupf. Außerdem bilden Streuobstwiesen um die Ortschaften einen Schutzgürtel und idealen Übergang zur freien Landschaft.

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Die Tafel Nr. 8 steht an einer Stelle, an der die katastrophalen Stürme (besonders „Wibke“ im Winter 1990) den alten Baumbestand völlig vernichteten. Nur ein paar junge Buchen blieben übrig, doch durch Samenanflug (Eschen und Ahorn) entstand in den Folgejahren eine Naturverjüngung. In die Lücken wurden zusätzlich Eichen, Linden und Fichten gepflanzt. „Wenn sich der Wald nicht natürlich verjüngt, muss eine Pflanzung erfolgen“, ist auf der Tafel zu lesen. Früher wurden dazu überwiegend drei- bis fünfjährige Nadelholzpflanzen verwendet, heute setzt man vermehrt Laubhölzer wie Eichen und Buchen. Doch neben den Stürmen ist unser Wald auch anderen Gefahren ausgesetzt. Bränden zum Beispiel. Diese wirken sich besonders in Nadelwäldern verheerend aus. Auch der Borkenkäfer gehört zu den Bedrohungen des Waldes. Bei Überpopulation können die Borkenkäfer ganze Fichtenwälder vernichten. So sind Mischwälder aus Laub- und Nadelbäumen am stärksten resistent gegen solche Bedrohungen.

Wie die Tafel Nr. 8 weiter aufführt, können auch Rehe und Mäuse bei Überpopulation zu einer ernsten Gefahr für den Wald werden. Rehe beißen die Triebe und Knospen jungen Pflanzen ab, die darauf verkrüppeln und nicht mehr hoch wachsen. Mäuse fressen bei Massenvermehrung junge Laubholzpflanzen weg. Und dem Wald drohen noch weitere Gefahren… (Quelle: Infotafel vor Ort).

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Tafel Nr. 9 auf dem Rundweg gibt ausführliche Erläuterungen zur erwähnten „Bettenstraße“ als „Forstweg mit Vorgeschichte“. Das „Betten“ war ursprünglich Teil des mittelalterlichen Bannforstes. Es wird geschildert, das Grund und Boden später verschiedenen Adelsgeschlechtern gehörten. Besonders wird hier die Dynastie Ysenburg-Büdingen aufgeführt. Die umliegenden Gemeinden hatten in dieser Gemarkung das Recht auf Nutzung durch Holzeinschlag und Vieheintrieb. Um einer Übernutzung des Forstes entgegen zu steuern wurde im Jahr 1605 die „Ysenburger Waldordnung“ für das Betten erlassen. Mitte des 18. Jahrhunderts war das alte Waldgefüge dennoch zerstört. Im Jahr 1832 wurde die Wüstung nach jahrzehntelangem Streit auf das Haus Ysenburg und 15 beteiligte Gemeinden aufgeteilt, von denen wiederum neun ihren Anteil an die Ysenburger verkauften. Diese Gemeinschaftswaldungen wurden von der Bettenstraße erschlossen. Wie uns die Tafel Nr. 9 weiter wissen lässt, markierte der Verlauf der Bettenstraße einen alten Handels- und Verbindungsweg, der schon von den Kelten begangen wurde. Die Kelten betrieben auf den Hochflächen bereits Viehwirtschaft und Hügelgräber deuten darauf hin, dass es hier bereits Siedlungen gab.

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Gesicherte Angaben zum Ursprung des Namens „Betten“ sind der Infotafel nicht zu entnehmen. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass er in der älteren Literatur von den „Drei Beten“, den keltischen Göttinnen Anbet (Erdenmutter), Wilbet (Mondmutter und Herrin der Lebensquelle) und Borbet (Göttin der mütterlichen Sonne) abgeleitet wird. Doch weist die Infotafel auch auf eine andere Erklärung hin (ZITAT): „Schon im frühen Mittelalter wurden von den zur Waldnutzung Berechtigten durch den Grundherrn bittweise, später aber befehlsweise, Abgaben gefordert, besonders Geldleistungen. Da sie zunächst erbeten worden waren, nannte man sie „Bete“ oder auch „Bede“. (Quelle: Info-Tafel vor Ort)

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Station Nr. 10: Die Welt der Lebenden

Mit der „Welt der Lebenden“ befasst sich eine der Informationstafeln an zehnter Station des Rundweges. Auf Grundlage der Erkenntnis, dass Gräberfelder in prähistroischer Zeit meist in der Nähe von Siedlungen lagen, vermutet man, dass auch die Siedlungen, zu denen die Grabhügelfelder nördlich von Bodenrod gehörten, in nur geringer Entfernung lagen. Der dichte Waldbestand hat jedoch ihre Entdeckung bis heute verhindert. Im ersten Jahrtausend vor Christus lebten die Menschen überwiegend in kleinen Dörfern. Nur auf Höhensiedlungen wie dem Glauberg oder dem Altkönig im Taunus könnten der Tafel zufolge mehrere Hundert Menschen gelebt haben. Noch bevor die Römer kamen, im ersten und zweiten Jahrhundert v. Chr., sollen im Rhein-Main-Gebiet große keltische Städte entstanden sein. Dazu zählte man die Salzsieder-Seidlung in Bad Nauheim und das so genannte Heidetränk-Oppidum im Taunus. Hier konzentrierten sich Handel und Handwerk und die Kelten entwickelten in dieser Zeit sogar ein eigenes Münzwesen. Auch vom Gebrauch einer Schrift wird berichtet. Wie die Tafel 10 weiter vermittelt, lebten die Menschen in den umliegenden Siedlungen überwiegend von der Landwirtschaft. Noch heute gebräuchliche Getreidearten wie Weizen, Gerste und Dinkel wurden angebaut, als Haustiere wurden neben dem Hund auch Pferde, Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine und Hühner gehalten. Wie man weiter durch die Tafel erfährt, spielten die Jagd und das Sammeln von Pflanzen kaum eine Rolle. (Quelle: Infotafel vor Ort)

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Station Nr. 10: Von Göttern und Druiden

Die zweite Tafel am Standort der Station 10 befasst sich mit dem Thema „Von Göttern und Druiden“. Hier heißt es: „Anders als viele heute Menschen betrachteten die Kelten die sie umgebende Welt als belebt und beseelt. Eine ganze Reihe von weiblichen und männlichen Göttern und Geistern war jeweils für verschiedene Bereiche des Lebens und der Natur zuständig“ (Zitat Ende). Auch nachdem die Römer die meisten keltischen Stämme unterworfen hatten, wurden einige dieser Gottheiten weiterhin verehrt. Die Tafel Nr. 10 schildert, dass die Kelten durch Bitten und Opfergaben stets versuchten, die Götter versöhnlich zu stimmen oder gar deren Hilfe zu erlangen. Hierzu wurden oft besondere Plätze wie Quellen, Höhlen, Berge oder Flüsse aufgesucht. Wie die antiken Schriftsteller überlieferten, wurden die wichtigen Opferhandlungen von den so genannten Druiden geleitet. Da sich diese Druiden auch mit Naturwissenschaften und Rechtssprechung befassten ist es bedauerlich, dass ihr Wissen nur mündlich weitergegeben und nie aufgeschrieben wurde. Aus der Feder ihrer Gegner, der Römer und Griechen, stammt das wenige, was heute über Druiden und ihre Lehre bekannt ist. Festgehalten wurde jedoch die starke Religiösität der Kelten und ihr fester Glaube an eine Wiedergeburt.

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