D-61169 Die Friedberger Burganlage

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Vom römischen Militärlager zur Reichsstadt-Festung

Friedberg gehörte im Mittelalter zu den bedeutendsten Städten in Hessen. Der heutige Verwaltungssitz des Wetteraukreises kann auf zahlreiche Sehenswürdigkeiten verweisen, die von einer reichen Vergangenheit zeugen. Ganz besonders ins Blickfeld rücken wir in diesem Beitrag die Burganlage mit ihren zahlreichen historischen Gebäuden. Die wichtigsten haben wir hier für Euch zusammengefasst.

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Zunächst einmal etwas zur Geschichte: Dass sich auf dem Friedberger Burgberg bereits zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. ein römisches Militärlager befand, ist bei wikipedia nachzulesen. Nach mehreren Umbauten und Erweiterungen wurde das Lager zuletzt als Kastell mit dem Rückzug der Römer an die Rheingrenze um 260 n. Chr. aufgegeben. Burg und Stadt Friedberg wurden vermutlich zwischen 1171 und 1180 im Auftrag Kaiser Friedrich Barbarossas von Kuno I von Hagen-Münzenberg gegründet. Burg und Stadt waren selbständige rechtliche Einheiten mit eigenem Territorium im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Jahrhundertelang war die Geschichte Friedbergs von Reibereien geprägt, die durch das enge Nebeneinander von Burg und Stadt hervorgerufen wurden. Basis der wirtschaftlichen Entwicklung war die Tuchproduktion. Tuch aus Friedberg wurde von Lübeck bis Wien und von Schlesien bis in die Niederlande verkauft. Seit 1252 Reichstadt richtete Friedberg jährlich zwei Messen aus und im 14. Jahrhundert wurden 3000 Einwohner gezählt. Doch nach schweren Bränden und wirtschaftlicher Depression sank die Bedeutung der Stadt. Die Verlagerung des Marktschwerpunktes nach Frankfurt war ein Grund dafür, dass Friedberg nach und nach in Schuldenbergen versank. So wurde die Reichsstadt ab 1347 mehrfach an verschiedene Herren verpfändet. Nach Konflikten mit der Burg kam es 1483 endgültig zur Vorherrschaft der Burg über die Stadt. Wikipedia führt auf, dass es die reicheren Bürger nach Frankfurt zog und Friedberg im Jahr 1497 nur noch 1300 Einwohner zählte. Das Volk lebte überwiegend von Viehzucht und Feldgütern.

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Durch ihre Lage an mehreren Fernstraßen litt die Stadt auch stark unter kriegerischen Auseinandersetzungen. So hinterließen der 30-jährige und der siebenjährige Krieg sowie auch die französischen Revolutionskriege mit den einhergehenden Plünderungen ihre Narben. Bei wikipedia ist weiter zu lesen: „1802 fiel die Stadt mit damals etwa 2000 Einwohnern und 1806 die Burg Friedberg an das Großherzogtum Hessen. Allerdings wurden beide erst 1834 vereinigt“

Heute ist Friedberg kultureller Mittelpunkt der Wetterau mit vielen weiterbildenden Schulen, von denen sich einige Einrichtungen auf dem Burgareal befinden.

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Der Adolfsturm – Das Friedberger Wahrzeichen

Weithin sichtbar ist das Wahrzeichen der Stadt Friedberg – der Adolfsturm inmitten der mittelalterlichen Burganlage. Aus 58 Metern Höhe können Besucher hier für ein geringes Entgelt weit in die Wetterau blicken. Auf den städtischen Infotafeln haben wir bisher nichts über dieses über 600 Jahre alte Bauwerk gefunden. Dafür wurden wir wie so oft bei wikipedia fündig. Es handelt sich um einen so genannten Butterfassturm. Es ist ein zweiteiliger Wehrturm, bei dem der obere Turmteil einen geringeren Durchmesser hat als der untere Turmbau. Gerade im Taunus und am Mittelrhein entstanden im Spätmittelalter vieler solcher Türme, etwa in Idstein (Hexenturm), Bad Homburg (weißer Turm) oder Braubach (Marksburg). Der Hauptgrund der Errichtung solcher Türme war weniger strategischer als symbolischer Natur, klärt uns wikipedia auf. Der Verteidigungswert lag nur geringfügig höher als bei Türmen ohne Butterfassaufsatz. Auf halber Höhe befindet sich ein Rücksprung, der als umlaufender Wehrgang genutzt wurde, während der sich darüber erhebende schlankere Aufsatz die Funktion eines erhöhten Ausgucks hatte. Der Friedberger Adolfsturm ist von vier so genannten Scharwachttürmchen umgeben und bietet immerhin ein interessantes Erscheinungsbild.

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Auf den Turm steigen kann man von Anfang an April bis Ende Oktober an allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 14 bis 18 Uhr, Führungen durch Burg und Altstadt finden Sonntags um 14 Uhr ab Wetterau-Museum statt (Info-Telefon 06031-88215 oder 88261).

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Burgtor mit Zwinger und Graben

Das Friedberger Burgareal war zur Nordseite stets durch natürliche Hindernisse wie Schluchten und sumpfiges Gelände geschützt. Die zur Stadt ausgerichtete Südseite jedoch gibt es eine rund 200 Meter lange Verteidigungsanlage, bestehend aus Türmen, Mauer, Graben, Zwinger und dem 32 Meter breiten Burgtor. Aus dem breiten und sehr tiefen „Hirschgraben“ ragen die mit Schießscharten versehenen Mauern des Zwingers senkrecht empor. Schaut man nach links, erblickt man den „Dicken Turm“, der seit 1841 durch eine Straße von der Burg abgetrennt ist. Dieser um 1500 erbaute Batterieturm war ursprünglich 20 Meter hoch und hatte einen Durchmesser von 18,7 Metern.

Die steinerne Brücke zum Burgtor ersetzt seit 1792 eine hölzerne Zugbrücke. Der neben dem rechten Seitenturm zu einer kleinen Pforte führende Steg diente bei geschlossenem Haupttor zum Einlass von Personen.

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Jedem Besucher wird sofort das Wappen der Burg über dem Haupttor auffallen. Es stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Auf dem Brustschild des doppelköpfigen Reichsadlers mit Krone, Zepter und Schwert sind vier Felder zu sehen, in denen nacheinander St. Georg zu Pferde (Schutzheiliger der Burg). Ein Löwe, eine Burg und ein in silber und schwarz gespaltener Schild (Wappen der Stadt Friedberg).

Unter dem Wappen findet sich ein gotischer Vierpass, der ursprünglich als Schlussstein des eingestürzten Südturms diente. Er trägt die Aufschrift: Fried sy bi uch 1493.

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Burgmannenhaus zu Brendel

Am Burgmannenhaus fanden wir eine kleine blaue Tafel, auf der folgendes zu lesen war: „Die Familie Brendel von Homburg stellte mit Johann Brendel (1532 bis 1569) einen der bedeutendsten Burggrafen. Johann Brendel führte in der Burg die Reformation ein und gründete, mit (Philipp) Melanchthon befreundet und von ihm unterstützt, zusammen mit der Stadt 1543 die erste Lateinschule Friedbergs, die 1993 als Augustinerschule ihr vierhundertjähriges Bestehen feierte“. Rechnerisch müssten es ja eigentlich 450 Jahre sein – vielleicht ein Schreibfehler auf der Tafel. Diese verweist darauf, dass der Grabstein Johann Brendels ursprünglich in der Burggkirche, heute im Wetterau-Museum zu sehen ist. Eine Kopie des Grabsteins befindet sich in der Augustinerschule.

Das Haus wurde 1533 erbaut und ist heute stark verändert. Von 1905 bis 1974 diente es der Schillerschule als Mädchengymnasium und bis heute wird es vom Burggymnasium für schulische Zwecke genutzt.

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Frühklassizistische Burgkirche

Die Burgkirche ist eine der wenigen frühklassizistischen Kirchen Deutschlands. Sie wurde zwischen 1783 und 1808 erbaut. Im Dreiecksgiebel des Turms findet sich das Prunkwappen des Burggrafen Waldbott von Bassenheim und der Burgbaumeister Freiherr Rau zu Holzhausen und Freiherr Zobel zu Giebelstadt-Dorstatt. Hineinschauen konnten wir leider nicht. Aber die kleine tafel am Eingang verrät uns, dass der Innenraum ein strenger und schlichter Saal – in Form und Schmuck ganz klassizistisch – sein soll. Viel mehr verrät die Tafel nicht. Bei wikipedia.de haben wir jedoch noch herausgefunden, dass die kleine Kirche im Jahr 1947 Gründungsort der evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau war.

 

Führungen durch Burg und Altstadt finden Sonntags um 14 Uhr ab Wetterau-Museum statt (Info-Telefon 06031-88215 oder 88261).

Nähere Informationen:

Stadtverwaltung Friedberg (Hessen)
Mainzer-Tor-Anlage 6
61169 Friedberg (Hessen)

Telefon (06031) 88-1
Telefax: (06031) 91276
E-Mail: stadt@friedberg-hessen.de

www.friedberg-hessen.de

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