D-1521 Auf den Lutherweg

Von Hungen an den Inheidener See

Der Marktplatz der Schäferstadt Hungen ist Ausgangspunkt dieses Abschnitts über rund 3 Kilometer. Hier findet der Wanderer eine Schautafel, die den Bezug von Hungen als Station auf dem beschwerlichen Weg des Reformators von Wittenberg zum Reichstag nach Worms. „Hungen – ohne Sakramente und Geleucht“ lautet der Titel. Hier wird erklärt, dass der solmsische Amtmann Heinrich Riedesel im Jahr 1521 die ersten Impulse die ersten Impulse zur Kirchenreform in seine Heimatstadt Hungen brachte. Als Teilnehmer am Reichstag zu Worms erstattete er Bericht.

Wörtlich heißt es (O-Text auf der Tafel): Der Einfluss der reformatorischen Lehre Luthers in Hungen ist 1531 in einem Brief des Grafen Philipp von Solms-Lich nachgewiesen. Dieser beanstandet gegenüber seinem Vetter Bernhard zu Solms-Braunfels, dass der amtierende Pfarrer „Änderungen in den Zeremonien“ vorgenommen habe. In einem Mainzer Visitationsprotokoll von 1549 ist festgehalten, dass in den meisten Kirchspielen die Pfarrer „beweibt“ und „Sakramente und Geleucht“ abgeschafft seien. (O-Text Ende).

Auf einer Infotafel zur Wanderroute „Auf Schäfers Spuren“ erfahren wir, dass Schafe für die früher in Hungen anwesenden adligen Herren eine wichtige Rolle spielten. Dafür boten die Weiden rund um die Schäferstadt ideale Bedingungen. Hier ein Auszug aus der Tafel (O-Text): Hungen wird im Jahr 782 erstmals urkundlich genannt. Der Ort kam damals in den Besitz der Reichsabtei Hersfeld, die Hungen 1404 an die Herren von Falkenstein-Münzenberg verkaufte. Deren Erben, die Grafen von Solms, saßen vom Beginn des 15. bis ins 19. Jahrhundert in Hungen. In diese Zeit fällt die Blüte der herrschaftlichen Schafhaltung in Hungen. Die Grafen hielten sich eine große Herde von Schafen, gehütet von einem eigenen Schäfer.

Aus dieser zeit resultierte das Schäferfest, dass alle zwei Jahre über mehrere Tage gefeiert wird. Unser Foto oben stammt aus dem Jahr aus dem Jahr 208, als das Festgelände und die gesamte Innenstadt aus Sorge vor terroristischen Anschlägen mit Betonpollern gesichert wurde.

Auch die evangelische Stadtkirche, die wir auf unserer Strecke nach wenigen Schritten schon passieren, wird im Zusammenhang mit dem Lutherweg erwähnt. Sie sei ein sichtbares Zeugnis für die Einführung des reformierten Bekenntnisses 1581 durch Graf Konrad von Solms-Braunfels. Weiter heißt es auf der Infotafel (O-Text): „Beispielhaft sind die steinerne Kanzel und die durchgehenden Bankreihen ohne Prozessionsgang. Das Kirchenschiff wurde 1607 neu erreichtet und versetzt an den Turm aus dem 12. Jahrhundert und an den Chorraum von 1518 angebaut. Architektonisch ist es mit dem benachbarten Hungener Schloss verwandt.“ (O-Text Ende).

Vom Marktplatz mit der Raucherskulptur (Standort HUN 004/144 m ü. NN) folgen wir dem Wegweiser in nördliche Richtung (Friedberg 29,2 km, Utphe 6,5 km, Trais-Horloff 4,0 km) weiter und gelangen in die Straße Liebfrauenberg mit dem Glockengießerhaus. An deren Ende können wir nach rechts eine kleine Besichtigungsrunde im Areal des Hungener Schlosses drehen. Der Weg führt jedoch nach links in Richtung Bitzenstraße. Auf der linken Seite steht die evangelische Stadtkirche.

Gegenüber sehen wir einen Fußweg, der uns hinab zur Horloff führt. Hier finden wir die Markierungen der Schäferroute, des Hungener Rundweges, des Horloffweges und des Fernwanderweges E3. Nach der Horloffbrücke gehen wir 20 Meter nach rechts und wechseln über eine zweite Brücke wieder die Uferseite.

Dieser Weg ist gerade an Wochenenden stark von Spaziergängern und Radfahrern frequentiert. Er verläuft lange an der rechten Uferseite der Horloff. Der kleine Fluss entspringt im Vogelsberg oberhalb von Götzen und Betzenrod in einem Waldstück am Segelflugplatz auf 554 Höhenmetern und mündet nach 44,5 Kilometern bei Ober-Florstadt in die Nidda.

Der Weg ist angenehm zu gehen. Rechts Gartengrundstücke mit kunterbunten Gartenhütten, links die Horloff mit einem Wehr und einer alten Mühle.

Wir behalten stets die Richtung bei und lassen die im spitzen Winkel von links einmündenden Pfade außer Acht. Der Fernwanderweg E3 verlässt den Lutherweg schon bald. Weiterhin gleichauf verlaufen die Schäfer-Route, der Hungener Rundweg und der Horloffweg.

Nachdem wir die hohe Brücke der Bundestraße B 457 durchwandert haben, lassen wir einen Weg nach links über eine Brücke außer Acht und laufen auf Asphalt weiter.

Nun rückt der Weg etwas weiter vom Horloffufer ab. Nach Westen ausgerichtete Ruhebänke laden zum Pausieren ein.

Dann erreichen wir ein besonderes Highlight auf der Strecke: Den Schützenberg. Auf einer Infotafel der Route „Auf Schäfers Spuren“ (Wetterauer Hutungen) ist hier folgendes zu lesen (O-Text): Der Schützenberg ist ein kleiner Teil des EFH-Gebietes Horloffaue zwischen Hungen und Grund-Schwalheim. Markantester Teil ist der Basaltaufschluss in einem alten Steinbruch. (…)

Um den alten Steinbruch herum finden sich kleinflächig so genannte Basalt-Magerrasen. Dabei handelt es sich um Grünland auf sehr nährstoffarmen Untergrund, das deshalb sehr niederwüchsig und oft sehr artenreich ist. Das angrenzende Streuobst ist gekennzeichnet durch etwas höherwüchsige trockene Mähwiesen. (O-Text Ende).

Weiter wird hier erklärt, dass der Artenreichtum zwar nicht spektakulär, aber doch bemerkenswert ist. Nachgewiesen wurden unter anderem die Zauneidechse und Sumpfschrecke. Dazu kommt eine hohe Zahl von Tagfaltern und auch für Wildbienen ist der Schützenberg ein beliebter Lebensraum.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass man hier auf einem Vulkan steht. Aus dem Vogelsberg flossen große Mengen gasreicher Lava hier an die Erdoberfläche und erstarrten zu einem porenreichen Gestein.

Nach dem Schützenberg geht es weiter durch das Landschaftsschutzgebiet und zuletzt an die Gleise der Lahn-Kinzig-Bahn heran. Beim Bahnübergang trennen sich die bis hier gleichauf verlaufenden Wanderstrecken vom Lutherweg. Der Schäferweg, der Hungener Rundweg und der Horloffweg führen nach rechts über die Gleise, der Lutherweg geht geradeaus östlich der Bahnlinie weiter. Zudem stößt man an dieser Stelle auch auf den alten Limes-Wanderweg.

Doch im Grunde bleibt es gleich, ob man das nächste Etappenziel auf dem Weg dies- oder jenseits der Bahnlinie ansteuert. Es sind nicht die schönsten Abschnitte des Weges. Auf dem Lutherweg gehen wir bis zur nächsten Kreisstraße, wo wir auf den Limes-Radweg stoßen. Links geht es zum Hof Grass (1,6 km) mit seinen Limes-Ausstellungsräumen. Der Lutherweg führt jedoch nach rechts über die Bahngleise weiter in Richtung Inheiden. Am ersten Abzweig verlassen wir die Kleinstraße und biegen links ab. Wir durchwandern die Freizeit-Grundstücke am Inheidener bzw. Trais-Horloffer See. Immer geradeaus im Karl-Schulz-Weg ist das Seeufer bald erreicht.

Am Ende des Karl-Schulz-Weges stehen wir vor einem leider schon mit Grünspan überzogenen Wegweiser. Wir finden hier die Markierungen des Hungener Rundweges, des Drei-Seen-Rundweges, des alten Limesweges und des Hungener RW 4. Wir gehen nach links weiter, am DLRG-Stützpunkt vorbei und erreichen das Etappenziel „Sonja`s Strandbar“.

Bei unserer Wanderung im Corona-Dezember 2020 war hier weit und breit kaum ein Mensch zu sehen. Im Sommer herrschte hier noch Hochbetrieb. Der See gehört zu den größten Sommerattraktionen in ganz Mittelhessen. Das alljährliche Seefest, das 2020 erstmals seit vielen Jahren wegen der Pandemie ausfallen musste, lockt mit seinem Höhenfeuerwerk und Live-Musik Zehntausende an.

Unzählige Male sind wir im Sommer vom Strand bei Sonja‘s Strandbar zum „Seeteufel“ auf Trais-Horloffer Seite geschwommen. Und Trais-Horloff ist das nächste Ziel auf unserem Lutherweg.

Infos zum Schäfer-Wanderweg: www.wetterauer-hutungen.de

Infos zum Lutherweg: Startseite: Lutherweg in Hessen e.V. (lutherweg1521.de)

 

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