D 34497 Stadtbummel durch Korbach (Teil 1)

Vom Lengefelder Tor zum Wollweberturm

Korbach, die Hauptstadt des Waldecker Landes, hatte ich bis vor wenigen Wochen nur von ihrer nicht so schönen Seite kennengelernt. Bei der Firma Horizont musste ich mehrfach Baustellenelemente für unsere Arbeitseinsätze in Nordhessen beschaffen. Das Industriegebiet mit den riesigen Werkshallen des Reifenkonzerns Coninental könnte fast darüber hinwegtäuschen, dass die Hansestadt (!) eine wunderschöne historische Altstadt hat und demgegenüber einen gelungenes Beispiel moderner Innenstadtgestaltung vorweisen kann.

Im August 2019 hatten wir das Glück, im Hotel Touric **** in der Medenbacher Landstraße Ecke Louis-Peter-Straße übernachten zu dürfen. Als Hotelgäste hatten wir kostenlosen Zutritt zum benachbarten Goldbad, dass sich fast mit einer Therme vergleichen lässt. Doch hatten wir auch Gelegenheit, einen Bummel durch die Stadt zu unternehmen.

Vom Hotel starte ich meine abendliche Erkungstour über die Medenbacher Landstraße zum Lengefelder Tor. Von hier schlage ich Richtung Nord ein und folge in der Straße Nordwall der alten Stadtmauer.

Ein geöffnetes Tor lässt mich erfahren, dass sich hinter der Mauer ein Friedhof befindet. Eine Metalltafel bittet die Besucher um ehrfürchtiges Verhalten und weist darauf hin, dass der Friedhof nach dem Ertönen der Friedhofsglocke zu verlassen ist.

Ich marschiere durch das Tor und befinde mich bald in einem weiträumigen Park mit vereinzelten alten Grabsteinen und mächtigen Laubbäumen. Der gepflasterte Weg führt mich direkt in die Geschichte der Stadt und bald bekomme ich an einer Infotafel eine Menge dazu vermittelt.

Es ist die Station Totenhagen / Roter Turm, in der die Frage „Fällt Weihnachten heute aus?“ als Headline einer historischen Dokumentation dient. Hier wird an das Jahr 1543 erinnert, als in Korbach Hunger, Not und Seuchen grasierten. Das Hospital war überfüllt und daher wurden die Kranken in die Kilanskirche gebracht. Dadurch drohte die Weihnachtsandacht auszufallen. Die Korbacher fanden eine Lösung: Sie stiegen auf den Turm der Kirche und begründeten eine bis heute lebendige Tradition – das Christkindchenwiegen.

Alle Tafeln diese Art in Korbach sind mit Codes versehen, über die mit der passenden Smartphone-App noch mehr Wissneswertes in Erfahrung gebracht werden kann. Herunterladen kann man sich diese App unter grimmheimat.de/schatzsuche (kostenlos).

Korbach damals: Hexenwahn und Ketzerei und über allem der Streit um den wahren Glauben. Zwischen 1514 und 1678 fanden mehrere Hexenprozesse statt und der Dreißigjährige Krieg brachte Raub, Verwüstungen und Vergewaltigungen mit sich. Bis zum Kriegsende 1648 war die Bevölkerung Korbachs von 2600 auf 1100 Einwohner geschrumpft. Von einst 547 Wohnhäusern waren nur noch 235 bewohnbar. Und was der Krieg übrig ließ, fiel 1664 einem großen Stadtbrand zum Opfer. So schrumpfte die einst stolze Stadt, in der Handel und Handwerk blühten, zu einem unbedeutenden Ackerbürgerstädtchen.

Korbach heute: An jene Zeiten erinnert der Rote Turm, der in unmittelbarer Nähe zur inneren Stadtmauer liegt und heute als Wohnhaus dient. Seinerzeit war der Turm ein gefürchtetes Gefängnis. Oft hing die rote Fahne am Turm als Zeichen einer bevorstehenden Hinrichtung. Die Tafel erzählt vom Schicksal des Korbacher Bürgers Johannes Nellen, der 1642 der Hexerei angeklagt war. Das Urteil im historischen Wortlaut. „Siehe da solt du von einer Stross zur andr gezogen, darnach in den roten Turm geworffen und nicht ehe heraus gelassen werden, bis du bekennest, das du des Zauberlastes schuldig seist.“ Nellen gelang die Flucht, andere hatten weniger Glück.

Die Tafel verweist auf das Grab des Heinrich Christian Bunsen. Dessen Sohn Carl Josias Freiherr von Bunsen wurde 1791 im nahelgelgenen Haus Ascher Nr. 10 (heute Bunsenhaus) geboren. Er war ein berühmter preußischer Diplomat in Rom und London und veröffentliche zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Die Tafel verweist auf seine Publikation „Die Basiliken des christlichen Roms“, die den Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV im Jahr 1844 zum Wiederaufbau der Konstantinsbasilika in Trier anregte. Diese ist heute Weltkulturerbe.

Alte Zeichnungen, ein Stadtplan von Korbach um 1710 und einige Fotos ergänzen diesen kompakten Einblick in die Korbacher Geschichte.

Auf dem Weg stellen wir fest, dass wir uns auf einem Abschnitt des Upland-Weserberglandweges (X6) und des Barbarossaweges (X8) befinden. Außerdem finden wir das Rautensymbol eines anderen nordhessischen Wanderweges.

Eine Einkehrmöglichkeit finden wir wenige Schritte nach der Tafel am Wollweberturm:

Restaurant Mykonos

Hagenstraße 3, 34497 Korbach, geöffnet ab 12 Uhr.

Übernachtungsempfehlung:

Hotel Touric
Touric GmbH & Co. Hotel-Betriebs-KG

Medebacher Landstraße 10
34497 Korbach

Telefon: 05631 – 9585
Telefax: 05631 – 958450
E-Mail: rezeption@touric.de

www.touric.de/hotel

 

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