R1-127 Erkundungstour Kassel Südost

Auf dem R1 vom Kasseler Stadtrand zur Sperresiedlung

Was tun, wenn man gerne mal die Wanderregion in den Randbereichen der documentra-Stadt Kassel erkunden möchte und bei Nachteinsätzen in einem Hotel inmitten des Industriegebiets am Lohfeldener Rüssel einquartiert wurde? Zum Glück hatte ich ein Fahrrad dabei, denn zu Fuß ist von dort aus nicht viel Sehenswertes zu erreichen.

Vom Hotel folge ich einem Radwegweiser nach Lohfelden-Crumbach, von dort weiter nach Fuldabrück-Bergshausen. Unterwegs waren von einer Anhöhe die Bauwerke des Lohfeldener Rüssels an der A 7 zu bestaunen.

Ich erreiche Bergshausen. Hier stoße ich immerhin schon mal auf den Fernradweg R1. Steil fällt die Hauptstraße in Bergshausen ab und dann gelange ich in die Uferstraße. Die Plaketten an den Schildern verraten wir den Standort R1 – 127.

In der Uferstraße kommt bald die gewaltige Fuldabrücke Bergshausen ins Blickfeld. Mit einem Auto über diese Brücke gefahren bin ich schon oft. Von unten habe ich sie nun zum ersten Mal gesehen. Was für ein Bauwerk.

Bei wikipedia konnte ich mehr über diese Brücke erfahren. Sie ist 700 Meter lang und maximal 55 Meter hoch. Hier ein Wikipedia-Ausschnitt zur Geschichte (O-Text): Schon im Jahre 1934 wurde das Südkreuz Kassel geplant, um die Stadt Kassel in Richtung Osten über Eisenach mit Dresden und Kassel in Richtung Westen mit Dortmund zu verbinden. 1941 begannen noch die Arbeiten für die Gründung der Brücke, kriegsbedingt wurden diese aber bald eingestellt.

Zwischen den Jahren 1959 und 1962 erfolgte der Weiterbau. Es wurde ein Überbau des Bauwerks mit einem Fahrstreifen je Richtungsfahrbahn durch eine Arbeitsgemeinschaft von Aug. Klönne (heute Thyssen Engineering GmbH), Philipp Holzmann und Teerbau GmbH (heute Eurovia) errichtet. Neun Jahre später 1971 folgte mit dem Ausbau auf zwei Richtungsfahrstreifen der zweite Überbau. Die Baukosten betrugen 20,3 Millionen Mark.

Direkt vor den Brückenpfeilern lockt das Terrassenlokal „Fulle Maria“ zu einer Einkehr. Da herrschte schon vormittags viel Betrieb auf den Terrassen. Überwiegend Radtouristen.

Rechts von mir fließt die Fulda, links steht Wald. Mit Binding-Bier und italienischen Spezialitäten lockt links dann noch das Ristorante „Al Povite“, ehemals Landgasthaus Waldfried. Dann führt der R1 auf einem breiten Asphaltweg mit Ruhebänken am Fulda-Ufer weiter.

Nach etwa 8 Kilometern gibt es auf einer der Ruhebänke eine erste kleine Rast. Eine Menge Radfahrer waren bei herrlichem Sonnenschein unterwegs.

Auf dem R1 passiere ich ein Hinweisschild der DLRG-Wachstation Lohfelden-Fuldabrück am Stromkilometer 73,1 (Uferstraße 8, 34277 Fuldabrück, Tel. 0561-516245) und dann eine kleine Ansiedlung mit schmucken Sandsteinhäuschen. Dazu werden wir ein paar Kilometer weiter mehr erfahren.

Der R1 führt an einer überdachte Fußgänger- und Radfahrerbrücke, an der wir auf die ersten Wanderwege stoßen. Einer davon ist der in ganz Nordhessen fast überall präsente Märchenlandweg (geschwungenes M). An der Brücke finden wir auch eine Tafel zur nordhessischen Geschichte. Sie erläutert uns, dass der preußische Staat in den 1920er Jahren 200 Meter flussabwärts von dieser Stelle eine Talsperre mit Turbinenkraftwerk plante.

Die zuvor gesehenen sechs Sandsteinhäuser wurden für das Talsperrenpersonal erbaut. Noch heute spricht man hier von der „Sperresiedlung“. Das Unternehmen scheiterte durch steigende Löhne, Konkurrenz durch Kohlekraftwerke und die allgemeine Notlage (Inflation).

Der nächste R-1-Abschnitt von der Sperresiedlung nach Dennhausen verläuft gleichauf mit dem Märchenlandweg und ist bei pedestrial.de bereits online.

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