D-34302 Die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen

Erinnerung an Greueltaten des NS-Regimes

In Guxhagen, 15 Kilometer südlich von Kassel gelegen, befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Benediktinerklosters. Einem städtischen Prospekt mit dem Titel „Gedenkstätte Breitenau – Ein außerschulischer Lernort“ ist zu entnehmen, dass in Breitenau während der NS-Zeit bereits in den Jahren 1993 und 1934 ein frühes Konzentrationslager für deutsche politische Gegner aus dem Regierungsbezirk Kassel eingerichtet wurde.

Während des Zweiten Weltkrieges richtete die Gestapo Kassel von 1940 bis 1945 hier ein so genanntes Arbeitserziehungslager mit etwa 7000 ausländischen und 1300 deutschen Gefangenen, darunter 150 jüdisch Verfolgte, ein. Von Breitenau wurden etwa 1800 Gefangene in verschiedene Konzentrationslager deportiert.

In besagtem Prospekt wird auf Studienbesuche hingewiesen, die sich eingehend mit der Geschichte Breitenaus in der NS-Zeit befassen. Dabei kann auf verschiedene thematische Schwerpunkte zurückgegriffen werden.

Schwerpunkt 1: Das frühe Konzentrationslager:

Dazu wird erläutert: Unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers wurden Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter verfolgt und in Konzentrationslagern Inhaftiert. Dieses System des Terrors kann beispielhaft an Persönlichkeiten aus der Region verdeutlicht werden. Damit gelangt man zum zweiten Themenschwerpunkt:

Einzelschicksale von Gefangenen aus der nordhessischen Region

Hier wird aufgeführt, dass neben den politischen Gefangenen und den vielen ausländischen Zwangsarbeitern auch zahlreiche Menschen der Region, die als Juden, Geistliche oder anders Denkende verfolgt wurden, inhaftiert waren. Beispielhaft findet man hier Fotos von Konrad Trageser und Lilli Jahn. Für viele Verfolgte war Breitenau eine Station auf dem Weg in große Konzentrationslager.

In Guxhagen wird am Lilli Jahn-Platz, direkt vor der ehemaligen Synagoge, an die im Jahr 1900 in Köln geborene Ärztin erinnert. Sie lebte ab 1926 mit ihrem christlichen Ehemann Ernst Jahn in Immenhausen. Die angesehene Arztfamilie hatte fünf Kinder. Mit der NS-Machtübernahme begann auch für Lilli Jahn die Diskriminierung und Verfolgung, Ihr Ehemann ließ sich von ihr scheiden. Im September 1943 wurde sie von der Gestapo in Breitenau inhaftiert. Nach sechs Monaten des Leidens, Hoffens und Bangens wurde sie im März 1944 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und im Juni 1044 ermordet.

An NS-Greueltaten wird von der Gemeinde Guxhagen nicht nur vor der ehemalige Synagoge und in den Gedenkstätte Breitenau erinnert. Auf unseren Wanderungen Ende Mai 2016 haben wir auf dem Fuldaberg eine weitere Gedenktafel gefunden, die an die Opfer eines Massenmordes am 30. März 1945 erinnert. Auf dieser Tafel ist zu lesen: (ZITAT) „Am Karfreitag, dem 30. März 1945, einen tag vor dem Einmarsch der amerikanischen Soldaten, wurden hier am Fuldaberg 28 Gefangene des Arbeitserziehungslagers Breitenau von Gestapo und SS erschossen. Der Massenmord geschah im Zuge der Auflösung des Gestapo-Lagers (…)

Die anderen Gefangenen wurden evakuiert und etwa 150 von ihnen in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Unter den 28 Ermordeten befanden sich 16 sowjetische, zehn französische und zwei niederländische Gefangenen“ (ZITAT ENDE). Auch die Namen der ermittelten Opfer wurden auf der Tafel aufgeführt.

Schwerpunkt 3: Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie und Landwirtschaft

Millionen Menschen wurden während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit in der Rüstungsindustrie und der Landwirtschaft gezwungen. Wer gegen Anordnungen und NS-Normen verstieß, wurde in das Arbeitserziehungslager Breitenau eingewiesen.

Schwerpunkt 4: Zum Umgang mit der NS-Zeit:

Wir wurde vom Ende des NS-Zeit bis heute mit dem damaligen Geschehen sowie mit Opfern und Tätern umgegangen. Mit dieser Frage und Erläuterungen zur Entstehung dieser Gedenkstätte befasst sich der vierte Themenschwerpunkt.

Gedenkstätte Breitenau

Brückenstraße 12, 34302 Guxhagen

Tel. 05665-3533 / Fax 05665-1727

www.gedenkstaette-breitenau.de

gedenkstaette-breitenau@t-online.de

Öffnungszeiten:

montags bis freitags 9-16 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr

Führungen finden sonntags um 14.30 Uhr statt.

Samstags und an Feiertagen in der Woche geschlossen

Der Besuch der Gedenkstätte und der Veranstaltungen ist kostenlos. Dazu gehört auch die Dauerausstellung des Kasseler Künstlers Stephan von Borstel, der durch die Verbindung von Kunst und Geschichte einen anderen Zugang zum Thema NS-Zeit ermöglicht.

Auch das Tor zur Kirche steht überwiegend offen. Sollte dies nicht der Fall sein, verweist ein Schild an der Kirchentür darau, wie man den Schlüssel erhalten kann.

Mit dem Pkw erreicht man die Gedenkstätte über die Autobahn A 7, Ausfahrt Guxhagen, Bundesstraße Richtung Guxhagen, erste Ausfahrt (links). Das Kloster ist nicht zu übersehen.

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