D-8364 Auf dem Geokulturpfad Bad Tölz

Von Bad Tölz durch die Isarauen nach Wackersberg

Geo-Lehrpfade gibt es fast in jeder Wanderregion. Jede Landschaft hat schließlich ihre geologische Besonderheit. Man kennt diese Geo-Wissenswege vom Odenwald oder auch aus dem Vogelsberg – und in der Regel sind sie zwischen 4 und 15 Kilometer lang.

Mit diesen vermeintlichen Erkenntnissen machte ich mich am 7. Dezember 2013 bei 8 bis 10 cm Neuschnee auf den Geokulturpfad von Bad Tölz. Direkt an der Isarbrücke, die in die unter Denkmalschutz stehende Marktstraße mündet, fand ich am Isarufer den Wegweiser.

Zu meinem Erstaunen zeigte der Wegweiser nur in eine Richtung, nämlich flussaufwärts. Die meisten mir bekannten Lehrpfade können in beiden Richtungen begangen werden. Dieser eben nicht, und man sollte sich in diesem Falle an die Richtung halten. Aus der entgegengesetzten Marschrichtung kann man nämlich leicht eines der ohnehin spärlich aufgestellten Markierungsschilder übersehen.

Mein Startpunkt liegt also an der Isarbrücke, wo ich eine Infotafel (Station 4) vorfinde und viel Interessantes zum einst emsig betriebenen Flößerhandwerk und zum Salzhandel vorfinde. Mehrere Wegweiser zeigen mir an, dass der Geokulturpfad zumindest zunächst gleichauf mit den Wanderwegen W 3 nach Wackersberg (4 km) und TL nach Lenggries (9 km) verläuft. In südlicher Richtung führt der Weg direkt am Isarufer am Zentralparkhaus und einem Sportpalast vorbei.

Nachdem ich eine Straßenbrücke (B 472/B 13) unterquert habe, ist nur noch freie Natur in Sicht. Ich stehe vor dem Landschaftsschutzgebiet Isarauen und finde neben einer Infotafel auch ein Kästchen mit interessanten Broschüren zu dieser Wildflusslandschaft, die zu den wertvollsten ihrer Art in ganz Mitteleuropa gehört.

Das Landschaftsschutzgebiet Isarauen

Eine der wertvollsten Wildflusslandschaften Mitteleuropas

Das Landratsamt Bad Tölz – Wolfratshausen erläuert in der Broschüre „Landschaftsschutzgebiet Isarauen zwischen Bad Tölz und Sylvensteinstausee zunächst die wichtigsten Merkmale des „Wildflusses“ Isar. Es sind die riesigen Kiesbänke, die vom Hochwasser aufgeschoben und immer noch ständig verändert werden. Eine solche kann man gut von der Isarbrücke in Bad Tölz bestaunen. Diese Kiesbänke werden „Gries“ genannt und erstrecken sich über den gesamten Auenbereich des Flusses. Zahlreiche Orte (Beispiel Lenggries oder Obergries) führen diese Bezeichnung in ihrem Namen.

Das fließende Wasser – so ist zu lesen – schwemmt Wasserinsekten und modernde Pflanzenteile (Gemist) bei den Kiesbänken an. Diese bilden die Grundlage für eine besondere Lebenswelt aus Insekten und Vögeln, die durch die Flussregulierungen vom Aussterben bedroht sind. Aufgeführt werden hier elf Laufkäferarten, drei Spinnenarten und viele andere Tiere der „roten Liste“.

Auch die Pflanzenwelt ist einzigartig. Die ersten Pflanzen, die sich auf den Kiesbänken ansiedeln, sind alpine Schwemmlinge wie Knorpelsalat, Schnee-Pestwurz, Silberwurz und Zwergglockenblume. Später folgen Weidenarten und die Deutsche Tamariske. „Auf stabilen, nur noch selten überschwemmten Kiesböden geht die Entwicklung weiter zum Schneeheide-Kiefernwald, der sich durch eine große Artenvielfalt (z. B. seltene Orchideen) auszeichnet“, heißt es weiter im Prospekt.

Zu den gefiederten Raritäten gehört der Flussregenpfeifer, ein schnell trippelnder Vogel mit gelbem Augenring und schwarzem Kopfband. Diese ebenfalls gefährdete Art legt ihre Eier in Kiesmulden ab und die gut getarnten Jungvögel werden oft ungewollt zertreten. Daher gibt es mit einem weißen V auf blauem Grund gekennzeichnete Kiesinseln, die zum Schutz der bodenbrütenden Vogelarten – zu denen auch der speziell aufgeführte Flussuferläufer zählt – vom 1. April bis 20. Juli nicht betreten werden dürfen.

Das Prospekt weist daher darauf hin, dass im gesamten LSG Isarauen ohne zeitliche Begrenzung weder das Zelten und Lagern, Feuermachen und Grillen und natürlich auch das Ablagern von Müll streng untersagt ist und das Naturschutzwacht, Bergwacht und Polizei mit der Überwachung der Verbote beauftragt sind. Bei Verstößen drohen Strafen bis zu 10.000 Euro.

Unsere Natur kann nur mit Ihrer Hilfe erhalten werden“ lautet der Schlusssatz, verbunden mit dem Appell, die Wege nicht zu verlassen und keine Pflanzen zu pflücken oder auszugraben

Zurück zur Wegbeschreibung:

Ich wandere weiter am Isarufer durch eine herrliche Winterlandschaft und habe ein traumhaftes Alpenpanorama im Blickfeld. Eine Infotafel führt die heimische Vogelwelt auf, der Weg verläuft gleichauf mit fünf Heilklimatischen Wanderwegen im Heilklima-Park Tölzer Land. Diese sind:

HK 17: Rund um Wackersberg (13,8 km)

HK 22: Über den Isarweg nach Wackersberg (9,5 km)

HK 23: Isarrauschen (5,4 km)

HK 27: Isarweg nach Lenggries und zurück (20,4 km)

Außerdem finde ich die Markierungen des Laufparks Isarwinkel

Strecke 3 – Isarlauf 10 km

Strecke 4 – Isarlauf 20 km

Auch befinde ich mich im Nordic-Fitness-Park Tölzer Land, zu dem Tafeln mit Übungsvorschlägen gehören. Die nächste Infotafel klärt mich über die typischen Bewohner eines Fließgewässers auf und der Weg entfernt sich allmählich vom Isarufer. Eine erste Rastmöglichkeit (die vielen Ruhebänke auf dem Weg sind völlig zugeschneit) bietet die kleine „Blick-ins-Glück-Hütte“, ein Unterstand, der maximal vier Personen einen überdachten Sitzplatz bietet.

Etwa 500 Meter weiter zeigt mir ein Wegweiser, dass ich hier bereits 4 Kilometer von der Tölzer Isarbrücke zurückgelegt habe. Jetzt wird’s aber schwierig mit meinen Sommer-Turnschuhen (richtige Wanderschuhe passten nicht mehr in den Koffer), die obendrein nicht mehr wasserdicht sind. Der Geokulturpfad zweigt hier vom Isarweg rechts ab. Und ab hier marschiere ich auf einem Abschnitt, der nicht vom Schnee geräumt wurde.

An diesem Trennpunkt der Wanderwege finde ich die Station 5 der Geokulturpfades vor. Hier bekomme ich erklärt, dass die Landschaft des Isartals von der jüngsten Eiszeit geprägt wurde und eine Tafel veranschaulicht die Talquerschnitte zwischen Bad Tölz und Lenggries.

Es geht also nun in westlicher Richtung weiter. Junge Nadelbäume finde ich am Rande des Weges, der weiterhin mit dem HK 17, HK 22 und HK 23 sowie der Wegmarkierung W 9 gekennzeichnet ist. Er führt mich nach etwa 500 Metern an die Landstraße Nr. 2072 in Höhe der Ansiedlung Bibermühle. Eine Einkehrmöglichkeit finde ich hier (km 4,5) nicht. Es gibt allerdings eine Bushaltestelle des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO), die eine Rückfahrt nach Bad Tölz ermöglicht. Nach etwa 300 Metern auf der Straße führt der Weg am Ortsende nach links auf einen Serpentinenpfad. Hier verläuft der Geokulturpfad nur noch mit dem HK 22 gemeinsam weiter, hinzu kommt die Richard-von-Weizsäcker-Runde (12 km). Es geht 300-400 Meter steil aufwärts. Rund 100 Höhenmeter habe ich überwunden und kann oben am Waldrand auf ein großes weißes Feld blicke. Hier steht die Tafel der 6. Station des Geokulturpfades mit dem Titel „Wackersberg“.

Der Ort Wackersberg liegt etwa 1 Kilometer nördlich im Blickfeld, der Pfeil des Geokulturpfades zeigt auch in diese Richtung. Allerdings ist kein Weg unter der Schneedecke auszumachen. Was bleibt also übrig, als mit besagten Turnschuhen durch den Tiefschnee zu stapfen. Auf halbe Strecke deuten Holzstangen an, wo ein Weg verlaufen könnte. Und schließlich erreiche ich den Ort mit nassen Socken.

Aus 748 Metern habe ich den höchsten Punkt der bisherigen Strecke erreicht und beschließe – nicht zuletzt aufgrund der nassen Socken – hier einzukehren. Da kam mir der Gasthof ALTWIRT in Wackersberg wie gerufen.

Einkehrmöglichkeit:

Gasthof Altwirt Wackersberg

Inh. Konrad Goldner jun.

Dorfstraße 1

83646 Wackersberg

Tel. 08041-4812

e-Mail: altwirt-wackersberg@t-online.de

www.altwirt-wackersberg.de

Öffnungszeiten:

Sommer Do-Di 10.30-22.00 Uhr

Winter Do-Mo 10.30-22,00 Uhr

Ein Schweinebraten mit Knödeln und Salat mit einem großen Bier (Sorte: Bräu im Moos aus Tüssling) kostete mich 12,60 (ohne Trinkgeld). Die nette Bedienung im standesgemäßen Bayerndirndl hat ein Trinkgeld aber durchaus verdient. Anstelle von „Guten Appetit“ sagt man hier „An Guatn“. In der gemütlichen beheizten Stube herrschte Hochbetrieb. Im großen Hauptraum mit der urigen Theke gibt es eine Bühne. Hier wird nicht nur zünftige Musik, sondern auch Volkstheater geboten. Das Haus empfiehlt sich auch als Feriendomizil und bietet auch Kutschfahrten an.

Vergeblich versuche ich, den Witzen, die am Nachbartisch erzählt werden, zu lauschen. Leider verstehe ich so gut wie nichts. Ich wage es auch nicht, ein Foto vom beheizten Gastraum mit all den Gästen zu machen und halte deshalb nur den Vorraum des Gasthauses mit der Kamera fest.

Nach meiner erholsamen Pause gehe ich zum Ortsmittelpunkt in Wackersberg weiter und stelle fest, dass ich die Markierung des Geokulturpfades verloren habe. Vermutlich geht es in westlicher Richtung zur „Pestkapelle“ weiter. Deshalb breche ich die Bearbeitung des Geokulturpfades hier ab und wandere auf anderen Wegen nach Bad Tölz zurück.

Später erfahre ich im Internet (http://www.outdoor-wandern.de/bayern/wanderwege/item/553-detail), dass der Geokulturpfad zwölf Infostationen aufweist und eine Gesamtlänge von 30 km hat. Wörtlich ist hier zu lesen:

ZITAT: Der Geokulturpfad mit 12 Schautafeln vermittelt Wissenswertes über Entstehung und Formung des lsarwinkels und über Zusammenhänge zwischen Lebewelt, Landschaft und deren Vorgeschichte sowie die Abhängigkeit kultureller Errungenschaften von natürlichen Begebenheiten. Er ist durch und rund um Bad Tölz auf markierten Wegen leicht erwanderbar, auch in einzelnen Teilstücken, oder mit dem Fahrrad, da er in das bestehende Netz von Wanderwegen integriert und mit dem Logo des Geokulturpfades markiert ist. ZITAT ENDE

Nähere Infos:

Tourist-Information Bad Tölz

Max-Höfler-Platz 1

8364 Bad Tölz

Tel. 08041-7867-0

e-Mail: info@bad-toelz.de

www.bad-toelz.de

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