3-26-38 Etappenziel Liberec (Reichenberg)

Von Horni Hanychov ins Stadtzentrum (5,5 km)

An der südwestlichen Grenze des Liberecer Stadtteils Horni Hanychov (Oberhanichen) endet die Markierung des E 3. Es ist sehr einfach, den Abschnitt zum Wiederbeginn der Markierung am Zoo zu überbrücken. Man steigt einfach in die Straßenbahnlinie 3 und fährt bis zur Endstation. Die Fahrt kostet 22 Kronen (weniger als 1,- Euro – Stand April 2017).

Natürlich kann man diesen Abschnitt auch ebenso leicht erwandern, indem man den Gleisen der Linie 3 folgt. Bis zum Zentrum geht es stetig und sanft bergab. Oberhalb des Wendepunkts der Straßenbahnlinie 3 haben wir einen Wegweiser mit der Höhenangabe 520 m entdeckt. Im Zentrum befinden wir uns auf 374 m. Wir verlieren somit auf 5,5 Kilometern 146 Höhenmeter. Die 102.000-Einwohner-Stadt liegt im „Reichenberger Kessel (Liberecká kotlina) des Zittauer Beckens (tschech. Žitavská pánev), der vom Isergebirge im Nordosten und dem Jeschkengebirge (tschechisch Ještědský hřbet) im Südwesten begrenzt wird. So kann man sich vorstellen, dass der Abschnitt vom Zentrum zum Zoo (Lidovy Sady = Volkspark) wieder ansteigt.

Bevor wir uns auf den Weg machen, können wir uns mit etwas Glück im Informationszentrum mit Orientierungsmaterial eindecken. Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, wann dieses Infozentrum geöffnet ist. Möglicherweise steht es nur während der Wintersport-Saison zur Verfügung.

Fast immer zur Verfügung steht das Gasthaus „Hospoda Domov“ (montags bis samstags von 11.00 bis 22.30, sonntags von 11 bis 16.30 Uhr). Es ist ein Gasthaus der gehobenen Klasse. Chefkoch Norbert Hojda ist Mitglied des Nationalteams der Köche- und Zuckerbäckerassoziation der Tschechischen Republik. Klar, dass sich das auch bei den Preisen etwas bemerkbar macht. Doch im Vergleich zu den Preisen in unseren deutschen Restaurants kann man auch im „Domov“ (deutsch: Zuhause) noch von „Schnäppchen“ reden. Eine Stärkung hier vor der Wanderung ins Stadtzentrum Liberec ist sicherlich kein schlechter Rat.

Horni Hanychov steht für Wintersport. Mehrere große Parkebenen unterhalb der Kabinen-Seilbahn machen deutlich, dass in den Wintermonaten Hochbetrieb herrscht. Man findet an mehreren Stellen große Infotafeln zu den einzelnen Pisten und übersichtliche Wegepläne. Neben der bereits vorhandenen Gastronomie entstehen derzeit neue lokale für Sportbegeisterte.

Nicht nur Skifahrer, sondern auch Mountainbiker können sich hier am Jested mit seiner Gipfelhöhe von 1.012 Metern richtig austoben. Bei unserem Besuch im April 2017 waren die Vorbereitungen auf die Biker-Saison an der Talstation Skalka auf 544 Metern Seehöhe im vollen Gange.

Aus der Stadtgeschichte

Im 13. Jahrhundert erschlossen deutsche Siedler das kaum bewohnte Gebiet und rodeten die Wälder am alten Handelsweg von Böhmen zur Ostsee. Reichenberg wurde im Jahr 1352 erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem Ende der Hussitenkriege um 1433 begann eine ruhige Zeit des Aufbaus. Die deutsch-tschechische Sprachgrenze verlief bereits damals knapp zehn Kilometer südwestlich der Stadt.

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt im 16. Jahrhundert. Bei wikipedia erfährt man, dass die Familie von Redern, das neue Herrschergeschlecht auf Friedland, den Aufbau der Textilerzeugung förderte. In einer Gegend, in der außer Flachs nicht viel wächst, war das eine gute Einnahmequelle. So konnte sich Reichenberg vom Dorf zu einer größeren Siedlung entwickeln und wurde im Jahr 1577 von Kaiser Rudolf II. zur Stadt erhoben. (Quelle: wikipedia)

Im Dreißigjährigen Krieg wurden Reichenberg und Umgebung von durchziehenden Armeen stark in Mitleidenschaft gezogen. Es dauerte etwa 70 Jahre, bis sich das verwüstete Land von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, den Pest- und Choleraepidemien erholt hatte.

Im Siebenjährigen Krieg fand am 21. April 1757 zwischen preußischen und österreichischen Truppen das Gefecht bei Reichenberg statt.

Einen Schauplatz dieses Krieges findet man, wenn man nicht der Straßenbahnlinie folgt, sondern an der Querung der Straße Kubelinka nach links der Nationalstraße 35 (E 442) folgt.

Die 1705 erbaute St. Johann-Nepomuk-Kapelle wurde bei diesem Gefecht schwer beschädigt, wenig später aber wieder instandgesetzt. Auf alten Radierungen, die die Schlacht bei Reichenberg darstellen, ist die Kapelle deutlich zu erkennen. Hier zogen sich die österreichischen Truppen nach verlorener Schlacht in Richtung Hanychov, Vesec und Dlouhé Mosty zurück. In der Nähe der Kapelle befinden sich mehrere Orte, an denen die gefallenen Soldaten begraben wurden. Eine Schautafel vor der Kapelle klärt eingehend über die Kavallerie und die Aufteilungen der Truppen auf (auch in deutscher Sprache) .

Nachfolgend einige Bilder, die Euch Eindrücke zum Wegverlauf an der Straßenbahnlinie 3 vermitteln.

Kirche an der Haltestelle Harnichow Kostel

Die Haltestation „Viadukt“. Ab hier findet man erstaunlicherweise „Dreischienengleise“ vor. Die Erklärung findet man bei wikipedia: (ZITAT: „Nach der Samtenen Revolution von 1989 begann eine Neuorientierung der Stadt Liberec. Investoren zeigten Interesse an einem Wiederaufbau. Das historische Zentrum der Stadt wurde renoviert und die Infrastruktur verbessert. Dabei wurde die alte meterspurige Straßenbahn auf Regelspur (teilweise mit Dreischienengleis) umgebaut. (ZITAT ENDE)

Vom Viadukt verkehrt die noch auf Meterspur betriebene Linie 11, die einzige Überlandbahn zum benachbarten Jablonec. Bei der Fahrt (26 Kronen) sollte man sich gut festhalten, wenn man keinen Sitzplatz bekommt.

Nach dem Viadukt gelangt man in das Zentrum der Stadt Liberec.

Auf keinen Fall sollte man auf einen Bummel durch die Altstadt verzichten. Um alle Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen, müsste man Wochen in der Stadt verbringen.

Vorstellen möchten wir Euch an dieser Stelle das Rathaus, das zwischen 1888 und 1893 nach Plänen von Franz von Neumann erbaut wurde. Seine Ähnlichkeit mit dem Wiener Rathaus hat der Stadt den Beinamen „Wien des Nordens“ eingebracht. Als ein Schauplatz der jüngeren Geschichte ging das Rathaus im August 1968 ein. ZITAT wikipedia: Während der Niederschlagung des Prager Frühlings durch Truppenverbände des Ostblocks gab es am 21. August 1968 in Liberec Todesopfer unter der ortsansässigen Bevölkerung, als diese gegen die sowjetischen Okkupationstruppen demonstrierte und von einem Schützenpanzerwagen aus das Feuer auf die vor dem Rathaus versammelten Menschen eröffnet wurde. Eine Gedenktafel mit neun Gliedern einer Panzerkette an der Vorderfront des Rathauses erinnert heute an die Toten. Die Demonstranten leisteten im Wesentlichen gewaltfreien Widerstand, so nutzten sie z. B. Lücken in den Marschkolonnen der Okkupationstruppen aus, um an Kreuzungen in der Stadt und der Umgebung die Panzerkonvois in falsche Richtungen umzuleiten, damit diese die Orientierung verlieren. Am 23. August 1968 waren deshalb viele Straßenschilder der Innenstadt von Liberec ausgetauscht. Fast jede Straße hieß nun „Dubčekova ulice“ – auch, um die Verbundenheit mit Parteichef Alexander Dubček zu zeigen. Auf der Spitze des Rathausturms entfalteten Kletterer eine große schwarze Fahne. Erinnerungen an den Roman Der brave Soldat Schwejk von Jaroslav Hašek sollten geweckt werden. (ZITAT ENDE).

Eine ausführliche Zusammenfassung der wechselvollen Geschichte von Liberec bzw. Reichenberg findet Ihr unter dem nachfolgenden Link:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liberec