D-65385 Die Hindenburgbrücke

Zankapfel von Auto- und Bahnfahrern

Nach knapp 30 Betriebsjahren von der Wehrmacht gesprengt

Sie bildet den südlichsten Punkt des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal: Die Hindenburgbrücke, oder besser gesagt: Das, was von ihr übrig blieb. Vom Rüdesheimer Hafenpark sind wir einen knappen Kilometer den Rhein aufwärts gewandert und fanden plötzlich die gewaltigen Trümmer und ein weißes Hinweisschild vor. In sieben Zeilen wird kurz erläutert, dass hier einst die Hindenburgbrücke als zweigleisige Eisenbahnbrücke erbaut wurde. Man sieht einige der ursprünglich sechs Pfeiler noch aus dem Wasser des Rheins herausragen.

Mit zwei Stahlfachbögen und neun Betongewölben auf rund 1000 Metern Länge war sie die zweitgrößte Brücke über den Rhein. Am 16. August 1915 wurde die Brücke nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht und nach dem Reichspräsidenten Paul v. Hindenburg benannt. Nicht ganz 30 Jahre später wurde sie zerstört. Nicht etwa von den Bomben der Alliierten, sondern durch Soldaten der deutschen Wehrmacht. Um die aus dem Westen vorrückenden amerikanischen Truppen am Rheinübergang zu hindern, jagten sie die Brücke selbst in die Luft. Und wie man an den Trümmern leicht sehen kann, war dazu eine Menge Sprengstoff notwendig.

Wir wandern die teilweise umzäunte Brückenruine weiter ab und finden vor dem noch bestehenden großen Torbogen eine große Hinweistafel, die als Quelle zu allen nachfolgenden Angaben genutzt wurde. Zunächst werden die technischen Daten zusammengefasst. Die Brücke führte von Rüdesheim hinüber nach Bingen-Kempten. An dieser Stelle ist der Rhein etwa 900 Meter breit, die exakte Länge der Brücke betrug 1.175 Meter. Einer der sechs Flusspfeiler stand auf der Rüdesheimer Aue, einer Rheininsel. Man erfährt, dass die beiden Hauptöffnungen über dem Strom komplett aus Eisen und Stahl gefertigte Bogenfachwerkträger von je 170 Metern Stützweite waren und die Brücke eine Breite von 12 Metern hatte. Sieben Meter davon nahmen die Gleisanlagen in Anspruch, auf beiden Seiten gab es auch einen Fußweg. Mit der Brücke wurden jeweils elf Kilometer lange zweigleisige Anschlussstrecken erbaut. Nur die Rheinbrücke bei Wesel war zur damaligen Zeit noch größer als die Hindenburgbrücke. In der lokalen Presse wurde sie fälschlicherweise als längste Eisenbahnbrücke der Welt gefeiert.

Zum Baubeginn im Juni 1913 hatte man zahlreiche ausländische Hilfsarbeiter, überwiegend Italiener, angeheuert. Zum Beginn des ersten Weltkrieges mussten die Bauarbeiten kurz unterbrochen werden. Fortgesetzt wurden sie bald unter Einsatz russischer Kriegsgefangener.

Weiter erfahren wir, dass die Brücke im ersten Weltkrieg vor allem dem Nachschub der deutschen Truppen an der Westfront diente. Das linksrheinische Gebiet und der Brückenkopf  um Wiesbaden wurden danach von französischen Truppen besetzt. Die beschlagnahmte Brücke wurde so umgebaut, dass sie auch für Fuhrwerke und Autos befahrbar war. Nachdem sie im Oktober 1920 auch für den zivilen deutschen  Straßenverkehr freigegeben wurde, gab  es Jahrelang Proteste wegen des hohen Brückengeldes von 4 Reichsmark. Im Juli 1930 zogen die Besatzungstruppen wieder ab. Die Deutsche Reichsbahn nahm den Personenverkehr über die Brücke wieder auf. Schon bald gab es neue Proteste, weil dadurch der Straßenverkehr auf der Brücke wieder untersagt werden musste.

Das letzte Kapitel ist der Zerstörung durch Pioniere der Wehrmacht gewidmet. Schon ab August 1942 war die Brücke mehrfach das Ziel von Luftangriffen und am 15. Januar 1945 wurde bei einem solchen die Vorbrücke zerstört. Unmittelbar nach Kriegsende begann man mit der Räumung der großen Trümmer aus der Hauptschifffahrtsrinne des Rheins. Die zerstörten Überbauten wurden 1948 aus dem Fluss geborgen und am Ufer zerlegt. Bis in die 1950er Jahre währten die Diskussionen um einen Wiederaufbau, die Deutsche Bahn zeigte nach der Eröffnung der neuen Kaiserbrücke bei Mainz kein Interesse daran. So wurde 1967 noch ein Pfeiler, der die Rheinschifffahrt behinderte, weggesprengt und als letzter Akt erfolgte 1970 der Abriss der Widerlager aus Gründen der Verkehrssicherheit.

Wer alles noch genauer und ein Bild der Brücke im Betriebszustand sehen möchte, dem empfehlen wir nachfolgenden Link:

http://www.regionalgeschichte.net/rheingauer-heimatforschung/vergangenes/im-archiv-gefunden/die-geschichte-der-hindenburgbruecke-teil-2.html

Weitere interessante Anschrift für Interessierte:

Geselschaft zur Förderung der
Rheingauer Heimatforschung e.V.
Klarastraße 4
55116   Mainz

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.