CZ – Auf Traumpfaden in der Böhmischen Schweiz

Auf der A 5 bis zum Kirchheimer Dreieck, dann auf der A 4 bis zum Dresdner Tor, anschließend auf der A 17 bis Pirna und dann immer der Elbe entlang. Zwischen Schmilka und Hrensko (Herrnskretschen) liegt die alte Grenzstation zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Tschechien. Und schon ist man da, im Naturpark Böhmische Schweiz. Das Elbsandsteingebirge hat auf sächsischer ebenso wie auf böhmischer Seite eine Vielzahl von Attraktionen, die so recht nach dem Geschmack abenteuerlustiger und bewegungsfreudiger Wanderer sind. Auf der tschechischen Seite, im Narodni Park Ceské Svycarsko, kann man jedoch nicht davon ausgehen, dass man die Mehrzahl der Sehenswürdigkeiten bequem mit Pkw oder mit dem Bus erreichen kann. Hier muss man sich fast alle landschaftlichen Höhepunkte erwandern und oft auch erklettern.

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Ein Beispiel dafür ist das Prebischtor (Pravčická brána), das Wahrzeichen der Böhmischen Schweiz. Mit einer Spannweite von 26,5 Metern und 16 Metern Höhe ist es die größte natürliche Sandstein-Felsbrücke Europas. Kein Wanderziel im „Narodni Park Ceske Svycarsko“ wird so oft besucht. Wer sich hier auf 422 Metern Höhe auf der Sonnenterrasse oder im imposanten Berghotel/Restaurant „Falkennest“ (Sokolí hnízdo) eine kühle Erfrischung genehmigt, hat sich vorher ordentlich angestrengt. So freut man sich auf dem Prebischtor zwar jährlich über eine sechsstellige Besucherzahl, doch ein Ansturm wie etwa auf der Bastei im sächsischen Teil des Elbsandsteingebirges ist dort nicht zu befürchten.

Einige Landschaftsaufnahmen zum Film „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“ wurden hier gedreht. Da das Prebischtor nicht mehr betreten werden darf, wurden die Aufnahmen, in denen die Darsteller scheinbar über die Felsbrücke laufen, nachträglich im Studio gedreht und eingefügt. Wer die 3 Euro (70 Kronen) am Kassenhäuschen bezahlt, kann anhand der Infotafeln (auch in deutscher Sprache) noch eine Menge mehr über dieses Naturphänomen erfahren. Außerdem findet man dort jede Menge regionaler Wanderkarten und Inhaber eines Wanderheftes bekommen an der Kasse auch einen Stempel mit der Abbildung des Prebischtors.

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Auch wenn der Weg bis zur Terrasse des Restaurants „Falkennest“ schon recht anstrengend ist, sollte kann keineswegs auf die „Gipfeltouren“ verzichten. Das Prebischtor von ober zu sehen, der Blick auf den Prebsichkegel, das Umland und die schwindelerregenden Treppenstiege und Aussichtspunkte sind die zusätzliche Anstrengung allemal wert.

Das Prebischtor mit dem Falkennest liegt auf einer 18 Kilometer langen Wanderroute, die man schlichtweg „den Klassiker“ nennt. Von Hrensko, dem tiefstgelegenen Ort in der gesamten Republik, muss man zunächst ein Stück auf der Landstraße aufwärts marschieren, bevor der eigentliche Aufstieg beginnt. Man wandert dabei auf dem Fernwanderweg E 3, der auch durch unsere mittelhessische Heimat (Großer Feldberg – Butzbach – Hungen – Schotten – Hoherodskopf) führt. Zu ihm gehört auch der Gabrielensteig, der uns vom Prebischtor in das Dorf Mezni Louka (Rainwiese) führt. Dieser 6 Kilometer lange Abschnitt ist zweifellos einer der schönsten und bequemsten Wanderwege der gesamten Böhmischen Schweiz.

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In Mezni Louka finden wir Gasthäuser, ein Hotel, ein Feriendorf und auch ein Naturschutzzentrum vor. Unsere klassische Wanderroute trennt sich hier wieder vom E 3, der sich mit seiner roten Markierung wie ein roter Faden und sogar in zwei Varianten durch die gesamte böhmische Schweiz zieht. Während der E 3 in östlicher Richtung zum „Kleinen Prebischtor“ verläuft, führt uns der Rundkurs auf einer kleinen Landstraße nach Mezna (Stimmersdorf). Auch dort besteht vielfältige Einkehr- und Übernachtunsmöglichkeit.

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Von Mezna geht es dann sehr steil hinab in die Kamnitzschlucht. Hier warten nicht nur traumhafte Wanderwege, sondern auch unterhaltsame Stechkahn-Fahrten auf die Besucher. Bei der kürzeren Wegvariante über Mezna führt uns die Kahnfahrt durch die Edmundsklamm (Edmundova Souteska), benannt nach dem Fürsten Edmund von Clary Aldringen. Die Fürstenfamilie Clary-Aldringen leistete gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine unglaubliche Pionierarbeit für den (Wander)Tourismus. Mit welchem Aufwand hier zu jener Zeit die Wanderwege entstanden, sieht man noch deutlicher, wenn man die längere Variante der klassischen Rundstrecke ab Mezni Louka über die Wilde Klamm (Divoka Souteska) abwandert. Am Steilufer der Kamnitz (Kamenice) wurden Wege in und durch den Fels geschlagen und abenteuerliche Steige mit Holz- und Stahlplanken angebracht. Und bei der langen Wegvariante darf man auch für ein paar Euro zwei Mal in den grünen Kunststoff-Stechkahn steigen. Die Überfahrten dauern 15 und 20 Minuten, wobei die Fährmänner der Fantasie durch Vergleiche von Felsformationen mit der Tier- und Fabelwelt auf die Sprünge helfen. Vom der unteren Anlegestelle der Edmundsklamm sind es nur noch 2,5 Kilometer, bis Hrensko auf dem bequemen Pfad wieder erreicht ist. Und hier gibt es eine Fülle von Einkaufs-, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten. Geht man bis zur Einmündung der Kamnitz in die Elbe (Labe), findet auf der linken Seite das Tourismusbüro vor. Hier kann man sich mit Wanderkarten, Broschüren und Urlaubsmagazinen eindecken, Unterkünfte buchen und natürlich auch Postkarten mit Briefmarken kaufen.

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Was Edmund von Clary-Aldringen im Bereich der Kamnitzschlucht für den Tourismus schuf, war in der Region um Jetrichovice (Dittersbach) das besondere Anliegen des Fürsten Rudolf von Kinsky. Die so genannte Dittersbacher Schweiz ist eine herausragende, aber deutlich weniger frequentierte Wanderregion. Aber hier ist auch Kondition und etwas Schwindelfreiheit notwendig. Auch hier zieht sich der E 3 durch Berg und Tal und lässt sich mit den grün, blau oder gelb markierten Wegen wunderbar zu Rundkursen kombinieren. Auch kann man einem neu entstandenen Lehrpfad folgen, der keines der landschaftlichen Highlights auslässt und mit vielen Infotafeln Wissenswertes vermittelt. Und zu den Highlights gehört die Hütte auf dem spitz zulaufenden Marienfelsen (Marija Skala). Betrachtet man diese vom Tal aus, kann man sich kaum vorstellen, ohne bergsteigerische Erfahrung dort hinauf zu gelangen. Doch es ist einfacher, als man denkt. Nur bei Schnee- oder Eisglätte sollte man besser auf den Aufstieg verzichten.

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Über eindrucksvolle Stationen wie die Wilhelminenwand und Balzers Lager erreicht man eine weitere Felsformation mit einer kleinen Hütte auf dem Gipfel: Rudolfov Kamen (Rudolfstein). Um diese zu erklimmen, sollte man wirklich trittsicher und schwindelfrei sein. Aber es geht auch bequemer in der Dittersbacher Schweiz. So kann man zum Beispiel auch im Paulinengrund (Pawlina Udoli) auf dem E 3 gemütlich am Kamnitzufer bis nach Studenec (Kaltenberg) wandern. Vorausgesetzt: Die ständig wiederkehrenden Hochwasserschäden wurden rechtzeitig wieder beseitigt.

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Das Hochwasser ist natürlich ein großes Problem für die Menschen in der Böhmischen Schweiz. Davon sind nicht nur die Städte und Dörfer direkt an der Elbe betroffen. Auch in der Kamnitzschlucht reißen die Sturzfluten die Bootsanlegestellen weg, Bäume stürzen von den Felshängen und immer wieder müssen mit hohem Arbeitsaufwand Straßen und Häuser vor den bröckelnden Sandsteinfelsen geschützt werden. Es ist keine reiche Region, trotz aller touristischer Attraktionen. Viele der traditionellen Umgebindhäuser sind dem Verfall preisgegeben und so mancher Gastroniom fristet ein Leben am Existenzminimum. In der Stadt Decin (Tetschen) wurde ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung aufgrund von Zahlungsproblemen von der Stromversorgung abgekoppelt. So wird im Winter verheizt, was immer nur brennt. Das riecht man natürlich, und man sieht es an den rußbedeckten Felsen.

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Ein bisschen mehr Tourismus könnte der Region also nicht schaden. Und die böhmische Schweiz ist nicht nur ein Wanderparadies. Die böhmische Küche ist berühmt für ihre herzhaften und süßen Spezialitäten und das frisch gezapfte Bier überzeugt jeden Kenner. Und für viele Urlauber noch entscheidender Aspekt: Die unglaublichen Preise. Für den halben Liter Bier zahlt man in der Regel 30 bis 35 Kronen (1,20 bis 1,50 Euro), ein böhmischer Sauerbraten mit Knödeln, Rotkraut und Preißelbeeren kostet meistens weniger als 100 Kronen (4,- Euro). Und in den Dörfern abseits der Touristenpfade wird es noch billiger. Ob das auf lange Sicht so bleibt, steht natürlich in den Sternen.

Information: NATURPARKZENTRUM
Cescé Svýcarsko – turistické informace
407 17 Mezna 71
Tel. 412 513 537
www.ceskosaske-svycarsko.cz
meznalouka@ceskosaske-svycarsko.cz

Geöffnet: Nur von April bis Oktober täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr

Information:

Turistické Informace

Tel. + 420 412 554 286

e-Mail: hresnko@ceskosaske.svycarsko.cz

Geöffnet: April bis Oktober von 9-13 und 14-18 Uhr

November bis März von 10-13 und 14-16 Uhr.

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