
Stadtbummel vom Hauptbahnhof zur Tepla
Eine Tagesfahrt nach Karlsbad (Karlovy Vary) war wohl der Höhepunkt unserer Reise in den böhmischen Teil des Erzgebirges im Februar 2026. Von unserem Hotel Anna in Nejdek, das wir mittlerweile sehr zu schätzen wussten, war es nur ein zehnminütiger Fußweg bis zum Bahnhof.

In der Straße Nádrazni passierten wir auch eine weitere empfehlenswerte Gaststätte, die vor allen Dingen mit böhmischen Spezialitäten lockt: Das Restaurace U Záby. Im Hotel hatten wir uns über die Abfahrtszeiten der Bahn nach Karlsbad informiert.

Fünf Minuten vor Abfahrt öffnete der Schalter, die nette ältere Dame sprach sehr gut Deutsch und gab uns noch ein paar Tipps. Wir sollten bis zum letzten Haltepunkt durchfahren, um auf kurzem Wege ins Stadtzentrum zu gelangen.

Recht hatte sie. Der blau-weiße Regionalzug der „Ceské drahy“ war fast pünktlich. Die Fahrt durch die erzgebirgische Winterlandschaft dauerte etwa 20 Minuten. Dann konnte es auf Entdeckungstour durch Karlovy Vary gehen.

Schade, dass das Wetter heute so mies war. Eiskalter Wind und einige heftige Regenschauer trübten den Entdeckerspaß ein wenig. Aber es gab ja unzählige Einkehrmöglichkeiten.

Vom Hauptbahnhof in die Bali Coffee Bar
Karlovy Vary Dolni Nadrazy – so hieß der Bahnhof, an dem wir unsere Entdeckungstour starteten. Wir waren denkbar schlecht vorbereitet und marschierten ohne Plan los.

Vorbei an prachtvollen Häusern, die vom Wohlstand in der Blütezeit des Kur- und Badebetriebs in der Mitte des 19. Jahrhunderts zeugten, zogen wir durch die 49.000-Einwohner-Stadt, die mit zehn anderen Orten (darunter auch Bad Kissingen) zum UNESCO-Welterbe der bedeutendsten Kurstädte Europas gehört.

Einen besonderen Beitrag hierzu leistete der Balneologe und kaiserliche Leibarzt Josef von Löschner mit seinen Publikationen über die böhmischen Bäder und die Wirkung ihrer Heilkraft. Doch um zu einem Kurort von Weltruf aufzusteigen, war zunächst einmal der Anschluss an das europäische Eisenbahnnetz im Jahr 1870 erforderlich.

Die Heilwirkung der Karlsbader Thermalquellen war allerdings schon im 14. Jahrhundert bekannt. Wie bei wikipedia zu erfahren ist, gibt es zur Entdeckung verschiedene Sagen: „Nach einer soll ein durstiger Hirsch mit seinen Hufen die erste warme Quelle freigelegt haben. Daran erinnert der Hirschensprung (Jelení skok) oberhalb des Tals der Tepl mit der Hauptpromenade. Nach einer anderen Sage soll ein Jagdhund einer Jagdgesellschaft des Kaisers Karl IV. in eine Grube gefallen sein und sich dort an dem zutage tretenden heißen Wasser fast verbrannt haben. Die Jagdbegleiter sahen das dampfende Wasser, kosteten vorsichtig davon und unterrichteten den Kaiser. Dieser wusste wohl von der Heilwirkung einer heißen Quelle und ordnete die Besiedlung rund um diese (erste) Quelle an, die beim Austritt über 70 Grad heiß ist.“ (O-Text Ende).

Wir waren bei Kälte und leichten Schneefall zunächst nicht auf der Suche nach Thermalquellen, sondern nach einer warmen, gemütlichen Kneipe.

Am prachtvollen Grandhotel “Ambassador“ vorbei landeten wir schon nach 800 Metern Wegstrecke in der „Bali Coffee Bar“. Mir war dort ein heißer Kaffee lieber als ein Bier vom Fass, meine Freunde allerdings waren da anderer Meinung.

Ans Ufer der Tepla
Wenn mal schon einmal zu Gast in einer der bedeutendsten Kurstädte ist, sollte man doch wenigstens die Thermalquellen gesehen haben. Als der Himmel etwas heller wurde, zogen von den Bali Coffee Bar weiter – immer noch ohne Plan.

Ein solchen fanden wir bald irgendwo, und auch ein paar Wegweiser. Mir deren Hilfe erreichten wir.. die Eger (Landessprache Ohre)… oder die Tepl (Tepla), die in Karlsbad in die Eger mündet.

Wir beschließen, auf der nördlichen Seite des Flusses nach Westen und auf der südliche Seite wieder nach Osten zu wandern. Auf diese Weise kamen tatsächlich einige Kilometer zustande.

Wir stießen auf einige Denkmäler und Statuen von Persönlichkeiten, die uns wenig bekannt waren. Einige davon stammen wohl noch aus der Zeit des kommunistischen Regimes bis 1989.

Erst danach wurde Karlsbad und sein Kurbetrieb wieder auf internationales Publikum ausgerichtet und erfährt seitdem Fördermaßnahmen zur Steigerung der Anzahl der Kurgäste.

An beiden Ufern des Flusses gibt es herrliche Wanderwege, die auch durch gepflegte Parkanlagen führen.

Gastronomische Kleinbetriebe bieten allerlei Spezialitäten an, allerdings wenig überdachte Sitzplätze. Und der Himmel wird schon wieder dunkler.

Ein Blick auf den Streckenverlauf an jenem 18. Februar 2026 ergibt endlich Klarheit. Es ist nicht die Eger, sondern die Tepla, an deren von Prachtbauten und Luxushotels gesäumten Ufern wir bei leichtem Schneefall umher wanderten.

Überwiegend haben wir die hier befindlichen Thermalquellen über die Straße „T.G. Masaryka“ erreicht. Kleine Kneipen wie die Tipác Sport Bar oder das Restaurant “Staroceska“ mit seinen tschechischen Spezialitäten locken zur Einkehr.

Mir fällt auf, wie sehr sich die Stadtbilder der berühmten Kurort im UNESCO-Welt-Kulturerbe doch gleichen. Ganz besonders im Vergleich zum bayerischen Bad Kissingen, das wir Euch erst vor kurzem vorgestellt haben.

Am Hotel Thermal vorbei erreichen wir eine der Trinkhalle, an der sich vor allem Touristen aus Fernost angesammelt haben und fleißig Selfies produzieren. Auch gastronomisch ist Asien stark in Karlsbad vertreten.

Auch wir sollten kurz vor der Rückfahrt in einem großen Asia-Restaurant mit hervorragendem Essen landen. Da war aber noch der Rückweg zum Bahnhof.

Dieser führte am anderen Ufer der Tepla wieder am Obelisken „Kasna se sklenenim“ vorbei und dann in der „T.G. Masaryka“ zum „Home of Becherovka“ im Návštěvnické Centrum.

Da wir auf früheren Reisen schlechte Erfahrungen mit dem weltbekannten Likör gemacht haben, verzichteten wir auf einen Besuch des Visitor Centers mit dem Jan Becher Museum.

Wir zogen es vor, nach der problemlosen Rückfahrt mit der Bahn nach Nejdek in die Sportbar zu gehen, um dort mit wohlbekannte Getränke wie Pilsener Urquell und Jägermeister auf einen gelungenen Ausflugstag anzustoßen.
