2021 Unterwegs in der Böhmischen Schweiz

Auf dem Gabrielensteig

Das Prebischtor (Pravcická brana) mit dem Hotel Falkennest (Restaurant „Sokolí hnízdo“) erreicht man entweder von Hrensko (Herrnskretschen) oder von Mezni Louka (Rainwiese). Zu früheren Zeiten konnte man das Wahrzeichen des Nationalparks Böhmische Schweiz auch über den so genannten „Fremdenweg“ erreichen. Dieser wurde jedoch gesperrt, weil er über die deutsch-tschechische Grenze verlief.

Zum Prebischtor haben wir auf der Internetseite www.ceskesvycarsko.cz noch einige zusätzliche Informationen gefunden. Hier heißt es, dass das größte Sandstein-Felsentor Europas bereits zum Ende des 18. Jahrhunderts viele Besucher anlockte.

Diese fanden zu jener Zeit jedoch weder ein Gasthaus noch gesicherte und ausgebaute Wege vor. Diese Wege waren ein Werk des Fürsten Edmund von Clary-Aldringen. Am 3. November 2021 haben wir einen der schönsten Wanderwege in seinem Fürstentum erwandert: Den Gabrielensteig. Man vermutet, dass er nach der Schwester des Fürsten benannt wurde.

Wir starten unsere Tour auf dem Höchsten Punkt oberhalb des Prebischtors und genießen noch einmal die atemberaubende Aussicht auf die Kamnitz-Schlucht mit der (nach dem Fürsten benannten) Edmundsklamm. Weiter südöstlich sehen wir den kegelförmigen Rosenberg (Ruzovsky vrch, 600 m ü. NN), den wir bei einer früheren Tour bereits erklommen haben.

Zu den vielen Informationen, die wir den Infotafeln auf diesem Felsenmassiv entnehmen können, haben wir im Internet noch herausgefunden, dass das Prebischtor im Jahr 2009 in der engeren Auswahl der „Neuen Sieben Weltwunder“ stand.

Nach der Sperrung des Zugangs auf die Felsenbrücke (1982) wird das Tor mit modernen Messgeräten ständig überwacht und weitgehendst vor Schäden, die nicht zuletzt durch mehr als 200.000 Besucher jährlich verursacht werden, geschützt.

Direkt unter dem Torbogen findet man noch Inschriften, die Besucher im 19. Jahrhundert hinterließen. Da kam es noch vor, dass ihnen Pächter des Gasthofs eine Leiter ausliehen, um sich dort zu verewigen.

Doch nicht nur Besucher und die Erosion, sondern auch die hohe Luftverschmutzung und der saure Regen setzen dem monumentalen Naturgebilde zu.

Es geht abwärts mit unserer Wandergruppe. Bei immer noch strahlendem Sonnenschein verlassen wir die obersten Regionen des Felsentores und gelangen durch eine Felsenhöhle und über das beeindruckende Brückenensemble wieder auf den Fernwanderweg E3.

Nach rechts kämen wir auf kürzestem Wege wieder (auf unserem Hinweg) zurück nach Hrensko. Wir wollten aber in östlicher Richtung weiter nach Mezni Louka (vormals Rainwiese). Und dieser 6 Kilometer lange, wunderschöne Wanderweg ist als Gabrielensteig einer der beliebtesten in der Böhmischen Schweiz.

Am Startpunkt finden wir wieder eine Infotafel, die hier den Titel „Die Wiege des Tourismus“ trägt. Hier der Wortlaut: „In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der Zeit, wann die Böhmische Schweiz von den ersten Wanderern entdeckt wurde, entstanden auch die ersten Hotels und Restaurants, welche die damaligen Herrschaftsbesitzer gründeten.

Die Entwicklung des Tourismus in der Böhmischen Schweiz ist sehr eng mit dem Adelsgeschlecht Clary-Aldringen, dem Besitzer der hiesigen Herrschaft in den Jahren 1634-1945. Edmund Fürst von Clary-Aldringen ließ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Gegend für die Besucher zugänglich machen und eine Reihe von Wanderwegen, incl. Gabrielensteig, welcher zum Prebischtor führt, errichten.

Außerdem baute er Hotels, Restaurants, errichtete Aussichtsplätze und Rastlauben. In jener Zeit wurde auch die romantische Kamnitzklamm für die Kahnfahrt zugänglich gemacht.“ (O-Text ENDE).

Auf der Homepage www.ceskesvycarsko.cz finden wir noch einige weitere Erläuterung zum Gabrielensteig. Er ist nicht nur Teil des Fernwanderweges E 3 und des EB (Wanderweg der Freundschaft Eisenach-Budapest), sondern auch Teil des Lehrpfades „Rund um das Prebischtor“, der in Mezní Louka beginnt, über das Prebischtor führt und an der Wegkreuzung „Tři prameny“ endet.

Auf den 6 Kilometern werden wir 12 Infotafeln an markanten Stellen vorfinden, die unter anderem mit ihren „Meilensteinen“ über den jeweiligen Standort informieren. Ich habe meinen Begleiter/innen versprochen, dass sie von unserem Startpunkt nun keine nennenswerten Steigungen mehr zu befürchten haben. Und dies bewahrheitete sich dann auch.

Wir haben nicht nur die Texte auf den Infotafeln gelesen, sondern auch im Internet nach zusätzlichen Informationen gestöbert. Dort finden wir den wichtigen Hinweis, dass man sich auf dem Gabrielensteig in der Nationalpark-Zone 1 – der Zone mit dem strengsten Schutz – befindet.

Die dazu gehörige Grundregel, den markierten Wanderweg nicht zu verlassen, wird jeder Wanderer wohl freiwillig befolgen. In östlicher Richtung geht es links senkrecht die Felswände hinauf und rechts des Weges meistens ebenso steil hinab.

So einige Felsen und Wurzeln mussten überklettert werden, wenn man sich nicht ganz nah an den Abgrund traute. Im Klartext heißt das, dass man auch für diesen Weg ein gewisses Maß an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringen muss.

Wir haben auch am zweiten Wandertag im Elbsandsteingebirge riesiges Glück mit dem Wetter, während wir erfahren, dass es in Mittelhessen in Strömen regnet. So genießen wir die Sonnenstrahlen und die herrliche Farbenpracht des herbstlichen Waldes.

Die Infotafeln verraten uns viel über den Waldbestand von einst und heute im Nationalpark. Und sie führen auf, dass das Leben auf den Sandsteinfelsen ein unendlicher Kampf um das Überleben ist. Nur abgehärtete Baum-, Strauch-, Flechten- und Insektenarten können hier existieren.

Oft bestaunen wir freiliegende Baumwurzeln, die wie mit Fangarmen nach Wasser in den Felsspalten streben. Wie wir auf einer Tafel erfahren, herrschen hier Temperaturen von 50 Grad im Sommer bis -20 Grad in den Wintermonaten.

Wir haben uns viel Zeit genommen, diese Wegpunkte genauer zu betrachten und keinen Aussichtspunkt auf dem Gabrielensteig auszulassen. Dabei bewegten wir uns stets in einer Höhenregion von ca. 400 Metern ü. NN.

Schließlich ging es abwärts, und zwar: Steil abwärts. Zunächst über Steintreppen, dann über Treppensteige. Zum Glück waren an besonders kritischen und rutschigen Stellen Handläufe oder Geländer angebracht. So kamen alle letztlich unversehrt in Mezni Louka an.

Von hier wollten wir ursprünglich weiter in die Edmundsschlucht. Doch leider war es dazu schon viel zu spät. So hofften wir auf den Busbetrieb.

Leider aber konnten wir dem Fahrplan nicht entnehmen, ob überhaupt noch ein Bus nach dem 31. Oktober fährt. Freundliche Menschen nahmen uns zuletzt in einem Wohnmobil mit und setzten uns fast vor der Haustür unseres Domizils in Hrensko ab. Glück gehabt.

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