CZ-36221 Stadtbummel durch Nejdek

Die Burg und die Dekanatskirche St. Martin

Nejdek (einst Neudek) im böhmischen Teil des Erzgebirges war Ziel einer Winterreise im Februar 2026. Von Lich sind es über die Autobahn A 4 laut Navi 388 Kilometer, bei denen man jedoch mehr als 70 Kilometer Landstraße einkalkulieren muss. Man passiert dabei die Wintersport-Regionen um Klingenthal und Oberwiesenthal und sollte unbedingt wintertaugliche Reifen aufgezogen haben.

Die 7.700-Einwohnerstadt Nejdek gehört zum Kreis (Okres) Karlsbad (Karlovy Vary) und liegt im Tal der Rohlau (Rolava). Sie liegt an der alten Handelsstraße von Leipzig nach Karlsbad, die zwischen Oberwildenthal und Jeleni über die Grenze nach Böhmen führte.

„Neudek gilt als älteste Bergstadt des  Westerzgebirges und entstand vermutlich durch Zinnseifner aus Oberfranken, die sich gegen Ende des 13. Jahrhunderts unterhalb der Burg Neudek niederließen,“ ist bei wikipedia zu lesen.

Unsere dreiköpfige Gruppe war im  Hotel*** Anna mitten im Stadtzentrum hervorragend untergebracht. Das Haus war überwiegend mit Wintersportlern belegt – und die sollten in den schneereichen fünf Tagen voll auf ihre Kosten kommen. Rund um Nejdek gibt es richtig attraktive Wintersport-Regionen, die mit dem Pkw in wenigen Minuten erreichbar sind. Wir waren nicht auf Ski- oder Rodelspaß, sondern auf mittlere Wanderungen eingestellt und machten uns nach der Einquartierung auf eine kleine Ortsrunde.

Vom Hotel in der Straße „nám Karla IV“ marschierten wir in nördlicher Richtung zur katholischen Stadtkirche „Kostel sv. Martina“. Es ist ein barocker Kirchenbau unterhalb der Burg Neudek, dessen erhaltener Bergfried ihr als Glockenturm dient.

Seit Februar 1964 ist die Kirche geschütztes Kulturdenkmal. Bei wikipedia findet man folgende geschichtliche Hintergründe: „Der heutigen Kirche geht ein gotischer Vorgängerbau voraus, den Peter Plick von Plickenstein zwischen 1341 und 1354 errichten ließ. Ausgrabungen am Wasserwerk von 1909, bei denen man menschliche Knochen und Gerippe fand, belegen zudem die Existenz eines alten Friedhofes der die Kirche umgab, jedoch schon vor 1600 aufgelassen wurde.

1352 ist die Pfarrei erstmals urkundlich ein einem päpstlichen Zehentregister nachgewiesen. Die Libris Erektionibus vom 24. Juli 1354 berichtet auch erstmals von einer Kirche in Neudek in der nach dem Tod des alten, ein neuer Pfarrer präsentiert wurde. Am 23. Mai 1360 übte Peter Plick erneut das Präsentationsrecht aus.“(O-Text Ende)

In einem ganz anderen Licht erschien uns die katholische Martinskirche einige Tage später bei strahlendem Sonnenschein – aber immer noch 8 Grad Minus. Jede Menge Statuen sind rund um die Kirche zu finden. Die Mariensäule im südlichen Bereich scheint erst in den letzten Jahren Gesellschaft von vier Heiligen bekommen zu haben.

Auch bei wikipedia ist nichts über die vier bärtigen Herren zu erfahren. Die Barockkirche selbst wurde in den Jahren 1755/56 erbaut. Eine Innenbesichtigung der Kirche war nicht möglich. Wir waren zur falschen Zeit vor Ort. So zogen wir weiter zur Burg Neudek, von der nur noch der gotisch-romanische Turm erhalten ist.

Geschichte der Burg Neudek

Jener gotisch-romanische Turm ist das Wahrzeichen der Stadt Nejdek. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Anlage als herrschaftliche Wehrburg gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Wie bei wikipedia zu erfahren ist, ließen sich unterhalb der Burg oberfränkische ZINNSEIFNER nieder. Aus deren Ansiedlung soll der Orts Neudek hervorgegangen sein.

Ritter Konrad Plick von Plickenstein war gemäß eines Lehensbriefes vom 20.September 1341 erster Besitzer der Burg. Dessen Sohn Peter erbte Burg und Schloss und 1446 ging die Burg an die Grafen Schlick über. Nachdem Graf Stephan Schlick 1602 Neudek an Friedrich Colonna Freiherr von Fels verkaufte, war die Burg bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges vermutlich noch bewohnt.

Es wird weiter aufgeführt, dass die Herrschaft im Zuge der Gegenreformation 1633 an den Grafen Hermann Czernin gelangte. Man vermutet, dass dessen Neffe Graf Humprecht Johann Czernin die Abtragung des maroden Gemäuers veranlasste und den Baustoff zur Errichtung des neuen Schlosses verwendete. So verblieb bis heute nur der Turm direkt an einem imposanten Felsen.

Im Felsen finden wir eine Erinnerungstafel an Ignác Sichelbarth mit der Datierung seines Todestages 1780 in Peking. Der 1706 in Neudek geborene Jesuit war Missionar und Maler, der in Peking in den Mandarin-Rang erhoben wurde.

Goethe in Neudek

Gegenüber vom Burgturm befindet sich die Poliklinik und vor deren Eingang ein Gedenkstein an einen besonders bemerkenswerten Besucher: Johann Wolfgang von Goethe.

Auf einer Infotafel in drei Sprachen (auch in deutsch) wird erklärt, dass er als Dichter und Wissenschaftler von Weltformat bei seinen Reisen durch Böhmen zweimal nach Neudek führten. Am 17. August 1786 war er vom Anblick des Turmfelsens angeblich derart gefesselt, dass er ihn mit einer Zeichnung festhielt.

Seiner geliebten Charlotte von Stein schrieb er in einem Brief: „Es regnete den ganzen Tag und den Turmfels habe ich ohne beyhülfe der Geister aus einer gegenüber liegenden Scheune gezeichnet. Ich habe viel Freude, dass ich ihn dir schicken kann. Unglücklicher Weise war mein Papier zu klein und es geht also ein Rief durch die Zeichnung, die dich aber doch freuen soll“. O-Text Ende.

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