D-38855 Zu Gast im weihnachtlichen Wernigerode

Teil 1: Vom Parkplatz Anger zum Rimkertor

Fast 35 Jahre ist es her. Mit einer 13-köpfigen Gruppe wanderte der BSC Lich in 13 Tagen wenige Monate nach der Grenzöffnung zur Licher Partnerstadt Tangermünde an der Elbe, nachdem im Vorjahr bei einer 23-Tage-Wandertour die südfranzösische Partnerstadt Dieulefit besucht wurde. Wernigerode erreichten wir nach einem spektakulären Abstecher über den Brocken.

Auf dem Campingplatz bei Wernigerode wurden wir von der örtlichen Presse erwartet, die unserer „beispielhaften West-Ost-Mission“ eine ganze Seite in der Wernigeröder Tageszeitung widmete.

Da wir uns aber an einen engen Zeitplan halten mussten, blieb wenig Zeit, die wunderschöne Stadt Wernigerode zu besichtigen.

Mir selbst ist besonders das eindrucksvolle Rathaus in Erinnerung geblieben, dass ich unbedingt noch einmal näher betrachten wollte. Dass es mehr als drei Jahrzehnte dauern würde, hätte ich nicht gedacht…

Das Busunternehmen Gimmler (Wetzlar) bot mir die Gelegenheit. Für 36 Euro wurde eine Tagesfahrt zum Weihnachtsmarkt in Wernigerode angeboten. Verglichen mit einem Bahn-Ticket ein Top-Angebot, dass ich mir nicht entgehen ließ.

Startpunkt Parkplatz Hessenhallen in Gießen, Abfahrt 7.20 Uhr. Der Bus gut besetzt, aber nicht ganz voll. Und die beiden Busfahrer mussten bekanntgeben, dass sich die Fahrtzeit von über 3 Stunden leider verlängert, weil ein Schweinetransporter auf der A 49 verunglückte, was wiederum zu einer Vollsperrung führte. So blieb nur die A 7 über das Kirchheimer Dreieck, die erst weit in Niedersachsen verlassen wurde. Ankunft auf dem großen Busparkplatz „Am Anger“ war etwa 11.40 Uhr, bis 17 Uhr blieb Zeit, die Stadt und den Weihnachtsmarkt zu erkunden.

Für mich war nicht unbedingt der Weihnachtsmarkt die Hauptattraktion der Reise. Die Busfahrer wiesen uns besonders auf das hoch über der Stadt gelegene Schloss hin, dass man auch mit einer Bimmelbahn direkt vom Parkplatz aus ansteuern kann. Der Fußweg, so warnte er die überwiegend älteren Teilnehmer, sei sehr anstrengend. Davon ließ ich mich nicht abschrecken, wollte aber zunächst einmal die Altstadt kennenlernen. Und diese war leicht zu finden. An einer Tankstelle vorbei mussten die Teilnehmer einfach nur in der vorherigen Fahrtrichtung des Busses weiter marschieren und erreichten so schnell das Rimkertor. Auf einer kleinen Tafel erfährt man, dass das Rimkertor seinen Namen von dem im 15. Jahrhundert wüst gewordenen Dorf Rimbek erhielt. Hier stand einst eine stattliche Anlage mit Vortor, Zwinger und Hauptturm, die nach einem Brand 1833 so schwer beschädigt wurde, dass sie zehn Jahre später abgebrochen wurde. Auf dem symbolischen Turmgestell heißt die Stadt heute an dieser Stelle ihre Gäste willkommen.

Eine Bronzefigur verweist darauf, dass in diesem Eingangsbereich zur Einkaufsmeile auch das erste Gaswerk von Wernigerode (1863 bis 1900) befand. Eine Infotafel verweist auf die besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt, zu denen natürlich auch das Rathaus gehört. Wer am Rimkertor nach rechts abbiegt, erreicht nach 700 Metern auch den Bahnhof der berühmten Harzer Schmalspurbahnen.

Das habe ich mir aber für später aufgehoben. Auf der „Breiten Straße“ marschiere ich in die Altstadt, passiere ich die „Alte Brennerei“ und „Hung`s Food House“, bei dem ich mir später eine asiatisches Gericht gönne.

Die besonderen Spezialitäten der Region wie Wurst vom Pferd oder Flugenten-Leber haben wir nicht so zugesagt, muss ich zugeben…

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