R-35-30 Die Traumstern-Route

Lockere Radwanderung im östlichen Gießener Land (30 km)

Auf der Internetseite des Landkreises Gießen findet man einen Beitrag vom 19. September 2016, in dem sieben regionale Radrundwege vorgestellt werden. Landrätin Anita Schneider erläutert dazu: „Sie bieten hervorragende Möglichkeiten für Tagesausflüge, aber auch für den täglichen Radverkehr zur Arbeit, Einkauf oder eine aktive Entspannung vom Alltag“. Dazu gab der Landkreis die kostenlose „Radrouten-Karte Gießener Land“ heraus.

Die sieben regionalen Freizeitrouten wurden auf der Grundlage des in 2013 erstellten Radroutennetzes des Landkreises Gießen konzipiert. Kriterien dabei waren: Die Radroute sollte nicht länger sein als eine durchschnittliche Tagestour, wenige oder geringe Steigungen enthalten, Rundtouren sein sowie bestenfalls auch mit der Bahn erreichbar sein und so oft wie möglich durch Flussauen führen. Und vor allem sollten alle Kommunen von den Routen partizipieren können.

Wie weiter zu erfahren ist, sind alle sieben regionalen Radrouten nach Zielorten beschildert und bestehende Schilder wurden zusätzlich mit den Routen-Logos versehen. Die Kosten für den Aufbau der Beschilderung mit Herstellung, Lieferung, Montage und Bauaufsicht betrugen rund 100.000 Euro. Fünf Jahre nach der Herausgabe dieser Radroutenkarte habe ich mich mal auf eine Testfahrt begeben. Als Licher habe ich mir die „Traumstern-Route“ ausgewählt.

Im Prinzip besteht der Rundkurs aus den beiden Alternativrouten von Lich zur Kreisstadt. Je nach dem, wo man in Gießen hin möchte, wählt man den Weg über Fernwald (B 457) oder den über Pohlheim (L 3358/3131). Die Traumstern-Route bildet aus diesen beiden Anfahrtsalternativen grob betrachtet einen Rundkurs.

Auf der Radrouten-Karte wird die Länge der Traumstern-Route mit 30 Kilometern angegeben. Wie genau diese Angabe letztlich ist, hängt von der Wahl des Wendepunktes in Gießen ab. Nimmt man die Bahnhöfe von Lich und Gießen als Anhaltspunkt, werden da sicherlich einige zusätzliche Kilometer anfallen. Auch wenn man die aufgeführten touristischen Highlights auf dem Rundkurs, etwa der Licher Stadtturm oder das Kloster Schiffenberg, ansteuert, wird der Kilometerzähler wohl mehr als eine 30 angeben.

Vor dem Start verschaffe ich mir einen Überblick über den Streckenverlauf auf der leider nicht interaktiven Karte – Layout 1 (giessener-land.de). Dann suche ich einen geeigneten Startpunkt. Da auf der Karte der Stadtturm von Lich abgebildet ist, versuche ich hier mein Glück.

Hier finde ich den Wegweiser zum Lutherweg, aber keinen Radwegweiser. Ich fahre vom Rathaus am Kirchenplatz hinauf durch den Torbogen und dann in der Straße Am Wall nach links an die Gießener Straße. Und hier ist der erste Wegweiser mit dem Traumstern-Symbol (Standort LI.016.4).

An den Wegweisern findet man Plaketten des Landkreises, auf denen eine Telefonnummer für Radrouten-Schadensmeldungen angegeben ist: 0641-9390-3501.

Dieser Wegweiser wird Ortsunkundige wohl vor Probleme stellen. Er ist so angeordnet, dass man glauben könnte, es würde nach rechts (die Gießener Straße aufwärts) über Pohlheim nach Gießen gehen. Als Licher weiß ich jedoch, dass das so nicht stimmen kann. Vielleicht hat jemand das Schild etwas verdreht.

Fakt ist, dass man sich hier entscheiden muss, ob man im oder gegen den Uhrzeigersinn auf die Runde gehen möchte. Ich entscheide mich für gegen den Uhrzeigersinn, also über Fernwald.

Nicht zuletzt deshalb, weil ich wissen möchte, inwieweit das Licher Kino Traumstern in die Route involviert ist. Vor dem Kino finde ich jedoch keinen Hinweis auf die Namensgebung. Das Kino war im April 2021 natürlich aufgrund der Corona-Krise geschlossen.

Allerdings treffe ich den früheren Schluckspecht-Wirt „Jogi“ Schäfer, der vor dem Lokal „Statt Gießen“ am arbeiten war, in der Hoffnung, die beliebte Kneipe mit ihrem schattigen Biergarten bald eröffnen zu können.

Ich fahre die Gießener Straße weiter, über die Kreuzung an der ARAL-Tankstelle vorbei und wechsele danach auf den Radweg. Auf diesem biege ich nach links in Richtung Waldschwimmbad ab und gelange auf die Alte Gießener Straße, die nahezu frei von Autoverkehr ist. Sie wird in der Regel nur von Schwimmbad-Besuchern und Bewohnern des Albacher Hofes genutzt, zumal die westliche Ausfahrt Richtung Fernwald versperrt ist.

Im und am Waldschwimmbad herrscht zurzeit rege Bautätigkeit. Man ist offenbar zuversichtlich, was den Fortgang der Coronakrise betrifft.

An der Pforte zum Waldschwimmbad findet man eine Infotafel, in der sich einst eine große Übersichtskarte zu den Rad- und Radwanderwegen des Landkreises Gießen befand. Die Karte ist leider nicht mehr vorhanden.

Auf der Alten Gießener Straße passieren wir im Albachtal den Oberen Albachteich und kurz darauf die Zufahrt zum Albacher Hof.

Am Abzweig der Kreisstraße von der B 457 nach Albach halten wir uns rechts und wechseln auf den Radweg (Wegweiser km 3,3), der uns nach wenigen Metern dann nach links durch die Autobahnbrücke (A 5) nach Fernwald-Steinbach bringt.

Am Ortseingang sind 4,4 Kilometer der offiziellen Strecke geschafft. In der Hauptstraße bietet sich am linken Straßenrand eine Sitzgruppe zur Rast an. Außerdem findet man hier ein Gasthaus (Essen zurzeit zum Mitnehmen) und eine Metzgerei.

Wir biegen nach rechts in die Straße „An der Kirche“ ein, passieren die Hessenapotheke und in der Linkskurve die 1848 erbaute evangelische Kirche.

Wir folgen den Verkehrsschildern in Richtung Annerod und wechseln nach links auf den Radweg. Einige Ruhebänke säumen den Radweg.

Auf halber Strecke in der Waldgemarkung Tannkopf (Nr. 121) finden wir den nächsten Wegweiser (Standort FW.005.1), der uns 7,4 absolvierte Kilometer nachweist. An dieser Stelle kreuzt der „Lahn-Ohm-Wanderweg“ des VHC (blauer Punkt).

Wir erreichen den Fernwalder Ortsteil Annerod in der Steinbacher Straße, die in die Hausener Straße übergeht. Hier könnte man zu den erhofften Zeiten nach dem Lockdown in den Abendstunden in den „Struwwelepeter“ einkehren.

Am Abzweig der Erlenstraße (Standort FW.033.1) können wir an einem schönen Rastplatz bei Kilometer 8.9 pausieren. Fast gegenüber im Tiefenweg können wir uns in einer Bäckereifiliale (Lukasch) mit Backwaren oder Getränken versorgen.

Wir folgen dem Tiefenweg, der bald nach links abzweigt, an der Alten Schule vorbei zur evangelischen Kirche führt. Ab hier verläuft die Traumstern-Route gleichauf mit dem „Butterweg“ (St.-Thomas-Morus-Pilgerweg) und dem Lahn-Kinzig-Weg.

Den Abschnitt von Annerod nach Gießen haben wir als Wanderweg (Lahn-Kinzig-Weg) sehr ausführlich vorgestellt. Dabei haben wir auch festgehalten, dass das Gasthaus „Zur Krone“ seine Pforten geschlossen hat (eventuell folgt ein neuer Pächter nach der Corona-Krise).

Die Traumstern-Route verläuft weiter im Tiefenweg, an der Kirche und dem Heimatmuseum vorbei nun leicht abwärts in den Wald im Krebsbachtal. An allen Verzweigungen behalten wir stets die Richtung bei – zunächst Nordwest, dann West.

Nach etwa 1200 Metern durch den Wald stoßen wir auf die Europastraße. Wie schon auf dem Lahn-Kinzig-Weg kann man sich über den Müll am dortigen Waldparkplatz ärgern.

Ein Radwegweiser zeigt noch 4,0 Kilometer nach Gießen an. Nach links könnte man direkt den Schiffenberg ansteuern (3,4 km). Am Werksgelände der Fa. Rhenus vorbei führt die Route kerzengerade in westlicher Richtung weiter und schließlich durch die Unterführung des Gießener Rings (A 485).

 

Der Weg verläuft immer noch im Gleichlauf mit dem Lahn-Kinzig-Weg an den Eichendorfring und über einen Fußweg zur Anneröder Straße. Hier beschließe ich, auf die Tour durch die Stadt zu verzichten. Die meisten Sehenswürdigkeiten bis zum Kirchenplatz bzw. zum Bahnhof haben wir in anderen Beiträgen auf pedestrial.de schon vorgestellt.

Also versuche ich, im Osten der Stadt auf den Rückweg zum Schiffenberg zu gelangen und biege im Anneröder Weg nach links in die „Rehschneise“ ein, halte mich rechts und gelange über einen Fußweg durch ein kleines Waldstück an die Licher Straße.

Hier fahre ich ein Stück nach rechts und biege nach der Fußgängerampel links in die Memeler Straße. Diese führt mich an die Graudenzer Straße. An deren Ende steht das Restaurant „Rosmarin“ – und ich vor einem Rätsel….

Mit „Kopfkompass“ fahre ich anschließend durch die Schul- und Unigebäude und schaffe es über Studentenwerk und Mensa tatsächlich, auf den Radweg zum Schiffenberg zu gelangen. Tatsächlich sehe ich am ersten Wegweiser auch das Symbol der Traumstern-Route wieder.

Ab hier sind es 12 Kilometer nach Lich und 5,3 km zum Schiffenberg. Die 12 Kilometer nach Lich stimmen aber nur, wenn man den Abstecher zum Schiffenberg auslässt. In der Gegenrichtung stehen 3,4 Kilometer bis Gießen-Stadtmitte und 24 km bis Wetzlar an.

Da ich aber keine Lust auf Stadtverkehr mit langen Wartezeiten an Ampeln habe, steuere ich gleich den Gießener Hausberg an.

Der Rad- und Fußweg am „Bach von Anneberg/Schiffenberg“ führt mich an die Rathenaustraße. Zum Glück geht es geradeaus weiter durch ein Waldstück, in dem ich die Wanderwegmarkierungen des Jägerpfades (Roter Balken) und des Lahn-Ohm-Weges (Blauer Punkt) finde.

Der Weg führt am Audimax vorbei an die Karl-Glöckner-Strtaße. Hier ist es vorerst vorbei mit Naturerlebnis. Es geht nach rechts an den Schiffenberger Weg und dann nach links durch die Unterführung des Gießener Rings.

Wie befürchtet verläuft der Weg nun direkt an der Hauptstraße – und nun wird es auch ein bisschen anstrengend. Nach einem mäßig schweren Anstieg erreiche ich den Waldparkplatz (Parkplatz Forstgarten). Hier befindet sich ein Anfahrtspunkt für Rettungsfahrzeuge (GI-3), eine (nicht entfernte) Karte zu den Radwegen im Landkreis und einen Wanderwegeplan für den Bereich um den Schiffenberg.

Da ich mir vorstelle, dass die Traumsternroute über die Zufahrtsstraße zum Schiffenberg verläuft, beschließe ich, vom Parkplatz Forstgarten auf einem der Waldwege hinauf zu fahren. Nicht nur aus Rücksicht auf die vielen Spaziergänger ziehe ich es vor, meinen Drahtesel an den steileren Passagen zu schieben….

Spätestens hier spüre ich den radsportlichen Trainingsrückstand. Aber ich genieße auch den Sonnenschein und das immer mehr durchschimmernde Grün im Wald. Am Brauhofsweiher hat die 50er-Vereinigung des Jahrgangs 1955 ein neues Holzportal angebracht.

Schließlich ist es geschafft. Aufgrund der Corona-Beschränkungen herrschte wenig Betrieb auf dem Gießener Hausberg. Einen großen Teil der Tische und Bänke hat man mit „Flatterband“ gesperrt. Immerhin war das Kiosk geöffnet, an dem ich mich mit einem Eis für den anstrengenden Anstieg belohne.

Zum Kloster Schiffenberg finde ich bei wikipedia folgende Kurzbeschreibung (O-Text): Das Kloster Schiffenberg ist eine ehemalige Klosteranlage auf dem Gießener Hausberg (281 Meter). Es befindet sich am südöstlichen Rand des Gießener Stadtwalds nahe dem Stadtteil Petersweiher und dem Pohlheimer Ortsteil Hausen.

Die doppelchörige, ursprünglich dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querschiff und oktogonalem Vierungsturm aus dem 12. Jahrhundert ist weitgehend erhalten. Aufgrund ihres Alters und ihrer architektonischen Bedeutung wurde ihr im Juli 2012 der Rang eines Bauwerks von nationaler Bedeutung zuerkannt.

Im Sommer werden die Basilika und der Hof für kulturelle Veranstaltungen wie den Gießener Kultursommer und Gottesdienste genutzt. (Zitat Ende)

Während sich die Kioskbetreiber über guten Absatz von Kaffee, Kuchen, Eis und kühlen Getränken freuen durften, stand das Team des geschätzten Schiffenberg-Restaurants wartend vor dem Eingang. Natürlich war auch die Kunstgalerie nebenan geschlossen.

Schön, dass auf dem Schiffenberg ein kostenloses WC stand. Nicht schön, wie es von einigen Zeitgenossen hinterlassen wurde. Um Euch nicht den Appetit zu verderben, verzichte ich auf die Veröffentlichung eines „Beweisfotos“.

Ich mache noch einen Rundgang durch die altehrwürdigen Gemäuer und begebe mich auf die Schlussetappe. Diesmal nehme ich die Zufahrtsstraße zur Kreuzung und mache mal richtig Tempo auf kurvenreicher Strecke. Attraktiver wäre es jedoch gewesen, dem roten Balken (Jägerpfad) zu folgen. Aber ich wollte ja wissen, wie die Traumstern-Route weiter verläuft.

An der Kreuzung der L 3131 (Schiffenberger Weg) fahre ich auf dem Radweg nach links weiter. Dann führt die Route über den Parkplatz des Bestattungswaldes am Schiffenberg und danach auf die Alte Gießener Straße im Pohlheimer Stadtteil Hausen.

In Hausen führt die Route dann an der Grundschule vorbei nach rechts in die Garbenteicher Straße und verläuft dann ein kurzes Stück aufwärts parallel zu den Gleisen der Lahn-Kinzig-Bahn.

Schnell ist dann der nächste Pohlheimer Stadtteil Garbenteich erreicht. Abwärts geht es die Schiffenberger Straße hinunter, dann um eine Linkskurve und vor dem Landgasthof und Hotel „Zum Grünen Baum“ nach links in die Licher Straße.

An diesem Punkt weist der Wegweiser noch 5,4 Kilometer bis nach Lich aus. Möglichkeit zur Proviantaufstockung bietet zur passenden Zeit die neben dem „Grünen Baum“ befindliche Metzgerei Maid.

Der Licher Straße folge ich über die erste Kreuzung geradeaus und passiere die Pizzeria „Da Giovanni“ und das Vereinsheim des Kleintierzüchtervereins.

Die Licher Straße verengt sich zu einem Rad/Fußweg, der an die L 3131 heranführt und leicht ansteigt. Nach dem Abzweig der L 3131 (nach Dorf-Güll) am Wegweiser-Standort POL.002.2 fahren wir die restlichen 4,2 Kilometer auf dem Radweg an der L 3358 weiter in südöstlicher Richtung. Wenn die Autobahnbrücke (A 5) überquert haben, geht es bis zum Zielort nur noch bergab.

Etwa 3 Kilometer rollen wir ohne große Kraftanstrengung durch den Wald, passieren die ehemalige Limes-Kaserne (heute Bereitschaftspolizei) und erreichen Lich in der Garbenteicher Straße. An deren Ende stoßen wir wieder auf die Gießener Straße, auf der wir die Runde begonnen haben.

Mein Fahrrad-Tacho zeigt 30,3 Kilometer in dieser Version der Traumstern-Route an.

Hilfreicher Link:

Layout 1 (giessener-land.de)

 

 

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