L 1521 Lutherweg: Von Lich nach Ober-Bessingen (7,7 km)

Unser Erkundungsteam am 30.12.2017 an der Wüstung Hausen

Im Gleichlauf mit dem Wetterweg durch das Wettertal

Am 30. Dezember 2017 wanderte eine Licher Wandergruppe von Lich über Ober-Bessingen zum Ausflugslokal „Hessenbrückenhammer“ zwischen Laubach und Wetterfeld. Die Gruppe wählte die kürzeste Route und stellte dabei fest, dass der Weg in voller Länge mit den Symbolen des neuen „Lutherwegs 1521“ markiert ist. Was als Gaudi-Tour geplant (und auch durchgeführt) wurde, hatte somit auch den Charakter einer allerersten Wegerkundung.

Das L in Frakturschrift mit der Jahreszahl 1521 markiert den Weg und wird durch zahlreiche Infotafeln und auch mit Geo-Plaketten ergänzt. Auch so manche neue Rastplätze und Gedenkstätten wurden dabei geschaffen.

Auch beim Bummel durch die Altstadt von Lich findet man die Markierung, obwohl der Weg an sich über den Egelseeweg und den Bahnhof führt und die Stadt „im Herzen der Natur“ gleich wieder in südwestlicher Richtung verlässt.

Auf den Infotafeln des Weges findet man nicht nur Erläuterungen, Höhenangaben und GPS-Daten, sondern auch einen so genannten QR-Code. Mit der entsprechenden App lässt sich alles Wissenswerte auf das Smartphone laden. Verwiesen wird auf die Homepage www.lutherinlich.de.

Hier findet der interessierte Wanderer eine Fülle von Informationen, die auf den Fund eines „Furierzettels“ beruhen.

Es wird zunächst darauf hingewiesen, das Martin Luther 1521 auf seinem Weg von Wittenberg zum Reichstag nach Worms und auf dem Rückweg von Worms bis zur Wartburg durch die Licher Region zog. Der Furierzettel, der im Archiv der Licher Marienstiftgemeinde aufbewahrt wird, belegt die Verteilung und Unterbringung von 89 Pferden einer Reisegesellschaft, der auch ein Dr. Luther angehörte. Er soll im alten Pfarrhaus in der Braugasse übernachtet haben. Erwiesen ist, dass Luther am 8. April 1521in Gotha oder Eisenach war und sechst Tage später in Frankfurt. Innerhalb dieser Tage, so vermutet man, weilte der Reformator also in Lich. Für weitere Details empfehlen wir die o.g. Website oder auch die generelle Homepage zum Weg: www.lutherweg1521.de

Bei der Stadtverwaltung Lich und in den Kirchen sind Begleithefte und Prospekte zum Lutherweg und seinen angegliederten Rundwegen erhältlich. Die Ergänzung durch Rundwege erklärt, warum man die Wegmarkierung „gefühlt überall“ im Licher Stadtgebiet findet.

In diesem Beitrag beschränken wir uns zunächst auf den Abschnitt vom Licher Bahnhof bis Ober-Bessingen in Ausrichtung von West nach Ost. Vom Bahnhof kommen folgen wir der Bahnhofstraße nach rechts bis zum Ende und biegen dann links in den Egelseeweg ein.

Wir passieren das Toyota-Autohaus Eise und wandern im Egelseeweg bis an die Kreuzung Am Schäferling. Sollte noch Proviant benötigt werden, besteht hier die letzte Möglichkeit zum Einkauf in einem Supermarkt. Dazu muss man den Lutherweg etwa 400 Meter nach links verlassen = 800 Meter Umweg).

Unmittelbar nach dieser Kreuzung finden wir die erste Infotafel zum Thema „Egelsee“ vor. Hier ist zu lesen: „1302 taucht erstmals der Name EGELINSEE urkundlich auf. Ob es sich um einen See handelte, in dem Blutegel vorkamen, ist bisher ungeklärt. 1751 wird diese Gemarkung LAND AM EGELSEE oder AM WASSEN genannt, was jedenfalls auf ein Feuchtgebiet hinweist“ (O-Text Ende).

Wir gehen weiter gerade aus und steuern auf eine Unterführung der Umgehungsstraße (N 457) zu. Neben der L-Markierung finden wir die VHC-Symbole blauer Ring (Taunus-Rhön-Wanderweg), weißer Punkt (Oberhessischer Fachwerkweg), des Wetterweges sowie des Radfernweges R6 und zusätzlich auch die neuen Markierungen RRR (Römer, Residenzen, Reformatoren) und das Turmsymbol für den Radweg Solmser Land. Das gelbe Schild mit dem Symbol des Licher Stadtturms galt für den 24 Kilometer langen Rundweg der Stadt Lich, der jedoch mittlerweile verändert wurde und in seinem alten Wegverlauf nicht mehr vom VHC betreut wird.

Der Wetterweg (gelbes Markierungsschild mit rotem W und zwei Wellenlinien) ist wie der Licher Stadtrundweg eine Kreation des 2003 geschaffenen Wanderwegekonzeptes „Westlicher Vogelsberg“ und verläuft bis Ober-Bessingen vollkommen synchron mit dem Lutherweg.

Am ehemaligen Sägewerk vorbei wandern wir durch die Unterführung und gehen gerade aus weiter. Den Abzweig am Radwegweiser lassen wir rechts liegen und erreichen bald eine Natur-Beobachtungsstation, die über einen Treppenweg zugänglich ist. Dort finden wir das nächste Infoschild zum Lutherweg mit folgendem Text zur Wetteraue: „Die Wetteraue wurde hier von Lich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder renaturiert. Es wurden Überflutungsflächen geschaffen, die extensiv als Weideflächen genutzt eine Auenlandschaft entstehen ließen. Neben anderen Vogelarten siedelte sich auch der Storch wieder an. (O-Text Ende).

Einige Schritte weiter stellen wir fest, dass nicht nur neue Wegweiser, sondern auch neue Ruhebänke am Wegrand aufgestellt wurden. Der asphaltierte Wirtschaftsweg gabelt sich. Alle Wandwege einschließlich Lutherweg führen nach links weiter an einen ersten Lutherweg-Wegweiser. Vom Licher Bahnhof haben wir bereits 2,2 Kilometer zurückgelegt, nach Ober-Bessingen sind es noch 5,6 km.

An diesem Wegweiser befindet sich nicht nur eine Standortplakette (Kirchboden, Standort-Nr. Lich 003) mit der Höhenangabe 174 m ü.NN, sondern auch die dritte Infotafel zum Niederried mit diesem Wortlaut: “Ein Teil des Niederrieds wurde als Kompensationsmaßnahme für den Bau des Flughafens Kassel-Kalden renaturiert, eine Fläche von 33,5 ha. Ehemals trockengelegte Flächen dienen so wieder als Überflutungsgebiet und nutzen Flora und Fauna zur Wieder-Ansiedelung„. (O-Text Ende).

Nach diesem Info-Punkt ignorieren wir einen Abzweig nach links und gegen gerade aus weiter. Obstbäume säumen den rechten Wegrand. Wir erreichen bald den Waldrand, an dem wir die Infotafel zum ehemaligen Dorf Rodenscheid vorfinden. Dort ist zu lesen: „Etwas unterhalb auf einer Anhöhe lag das Dorf Rodenscheid, das zwischen 1210 und 1395 urkundlich erwähnt wird. Es lag an der alten Steinstraße durchs Wettertal und hatte eine eigene Kirche und eine Mühle“. (O-Text Ende).

Hier führt uns der Lutherweg nach links und am Waldrand weiter und trennt sich an dieser Stelle vom Taunus-Rhön-Wanderweg (blauer Ring). Die Wegbeschreibung ab Licher Bahnhof ist ab hier jedoch weiterhin für den Radweg R6, den Wetterweg und für etwa 300 Meter auch noch für den Oberhessischen Fachwerkweg gültig.

Schon wenige schritte nach diesem Trennungspunkt finden wir das nächste Info-Schild am Lutherweg zum Häuser Kopf: Text: „Der Häuser Kopf mit einer Höhe von 225,5 Metern wird 1490 erstmals erwähnt. Es ist der höchste Punkt eines Höhenrückens südlich der Wetter, der damit ihre Talaue begrenzt. Während die Talaue in früheren Zeiten zu feucht war, wurde am Hang entlang Ackerbau betrieben“. (O-Text Ende).

Wir folgen dem nun geschotterten Weg um einen Rechtsknick am Waldrand und erreichen bald den Trennungspunkt vom Oberhessischen Fachwerkweg. Während dieser nach links in die Wiesen führt, verläuft sowohl der Lutherweg als auch der Wetterweg weiter am Waldrand in östlicher Richtung. Links am Wegrand finden wir bald eine Ruhebank mit Infotafel zu Flora und Fauna, bald folgt der nächste Wegweiser mit Entfernungsangaben: Vom Start am Bahnhof Lich haben wir bereits 4,5 Kilometer erwandert, bis Ober-Bessingen stehen noch 3,2 km an. Hier (Standortschild Lich 010, 178 m ü. NN) befindet sich der Abzweig zur Wüstung Hausen.

Zum Glück wurde der Zugang zu dieser Ruine aus dem 8. Jahrhundert mit dem Ausbau des Lutherweges etwas auffälliger und angenehmer gestaltet. Etwa 50 Meter geht es nach rechts in den Wald. Vor den alten Gemäuern findet man die nächste Infotafel mit diesem Text: „Hausen – Die iroschottische Kirche oberhalb von Lich im Wettertal wird 778 erstmals erwähnt. 1315 wird sie eigenständige Pfarrkirche des Dorfes Hausen, dass allerdings ca. 120 Jahre später zur Wüstung wird. Die Kirche wurde im 16. Jahrhundert abgetragen und 1968/1969 wieder ausgegraben und gesichert.“ (O-Text Ende).

Immer weiter am Waldrand führen uns Lutherweg und Wetterweg über die Kreisstraße K 149 (Nieder-Bessingen – Langsdorf/Nonnenroth). Dort (Standort Lich 002 / 176 m ü. NN) ist schon die nächste Infotafel zum Hofgut Mühlsachsen angebracht. Hier der Wortlaut: „1260 wird Mühlsachsen als Meylensassen in einer Urkunde erwähnt. Bis heute steht an der Stelle des ehemaligen Ortes ein Hofgut. Die Wetter lief früher von Mühlsachsen aus zum südlichen Waldrand bei Hausen, um dort rechtwinklig nach Nordwesten zum heutigen Flusslauf umzukehren.“ (O-Text Ende).

Wir bleiben weiter am Waldrand und gehen in östlicher Richtung weiter. Schon bald finden wir das Infoschild zur Krummwiese vor. Text: „Das Tal der Wetter verliert unterhalb Ober-Bessingens deutlich an Gefälle, so dass es sich zu einer breiteren Auenlandschaft weitet. Der Übergang von Vogelsberg wird schon deutlich. Das Biotop wurde von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz geschaffen“. (O-Text Ende).

Wir erreichen das Gelände einer Kläranlage. Hier verlassen wir den Waldrand und biegen links ab. Der Schotterweg führt uns nach einer Rechtskurve direkt ans Ufer der Wetter. Dabei passieren wir ein weiteres Infoschild zur Krummwiese, dass von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) mit dem Hinweis auf ein Betretungsverbot des Schutzgebietes aufgestellt wurde.

Dem Ufer der Wetter folgend stellen wir bald fest, dass in diesem Abschnitt ein Biber aktiv war. Und an einer neuen Lutherweg-Ruhebank finden wir auf dem Infoschild „Wettertal“ die Bestätigung: „Das Wettertal wird hier flacher und breiter als im Oberlauf. Der Biber hat sich durch gezielte Wieder-Ansiedelung in Europa neu ausbreiten können und auch im Wettertal seine eindeutigen Spuren hinterlassen. Besonders in Winter und Frühjahr kann man hier Ergebnisse seiner Tätigkeit sehen“. (O-Text ENDE)

Der Weg trennt sich vom Wetterufer und steigt erstmals in diesem gesamten Abschnitt leicht an. Wir erreichen den Licher Stadtteil Ober-Bessingen, passieren den Gedenkstein zum Dorfjubiläum und einen Spielplatz. Dann blicken wir auf das Wahrzeichen des Dorfs: Die Bessinger Pforte.

Bei unserem Besuch am 30.12.2017 zeigte sich die schmucke Fachwerkpforte leider nicht in voller Pracht. Umfangreiche Sanierungsarbeiten waren im Gang.

Die Bessinger Pforte ist der Anknüpfpunkt zur nächsten Etappe. Der Gleichlauf mit dem Wetterweg endet an dieser Stelle, allerdings nur für einen kleinen Umweg am Nordrand des „Hässels“.

Info-Adresse:

Evangelische Marienstiftsgemeinde Lich
Am Wall 24
35423 Lich
Tel: 06404 62849

Weitere emfohlene Websites:

http://www.geschichtlich.info/

http://www.geschichtlich.info/oberbessingen.php

Toruistische Infos:

Stadt Lich
Unterstadt 1
35423 Lich
Telefon: +49 6404 806-0
Telefax: +49 6404 806-224
info@lich.de

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